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Ausstellung über politische Denkmäler: Lenin bleibt in Berlin verbannt

19 Meter hoch:
Das Lenindenkmal stand
bis 1991 auf dem Leninplatz.

19 Meter hoch:

Das Lenindenkmal stand

bis 1991 auf dem Leninplatz.

Foto:

dpa/Hubert Link

Lenin sollte wieder her, für ihn war ein fester Platz reserviert. Der dreieinhalb Tonnen schwere Kopf des Denkmals vom früheren Leninplatz in Friedrichshain war für eine große Dauerausstellung über politische Denkmäler in Berlin eingeplant. Der Kopf des Denkmals für den russischen Revolutionsführer wäre eines der bedeutendsten Exponate der Ausstellung gewesen. Seit 23 Jahren liegt das Monument, in 129 Einzelteile zerlegt, vergraben in einem Waldstück im Köpenicker Forst. Seit Donnerstag steht fest: Dort wird der Kopf auch liegen bleiben.

Denn entgegen aller bisherigen Planung hat der Senat, der die Dauerausstellung von Beginn an konzipiert und mit vorbereitet hat, jetzt überraschend entschieden, den Kopf für die Ausstellung nicht freizugeben. Berlins oberster Denkmalschützer in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Jörg Haspel, teilte der Berliner Zeitung auf Anfrage mit, er halte einen Zusammenhalt des gesamten Denkmals für nötig. Den Kopf könne man nicht vom Rest des Denkmals trennen. Zudem könnten „die Lage des Kopfes und andere Teile nicht präzise geortet werden“, es seien „umfängliche Sondierungen und Suchgrabungen erforderlich“. Auch jeden Fall würde der technische und finanzielle Aufwand die derzeit verfügbaren Mittel und den zeitlichen Rahmen überschreiten, „zumal ja auch noch Restaurierungskosten und andere Kosten anfielen“.

Haspels Begründungen irritieren die Organisatoren der Ausstellung. Seit fünf Jahren bereiten Kulturwissenschaftlern und Kunsthistoriker die Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ vor. Ab dem kommenden Frühjahr werden dort 100 Originalobjekte zu sehen sein. Sie stammen aus dem Kaiserreich, der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der DDR. Sie wurden einst abgebaut, eingelagert und vergraben. Der Kopf des Lenin-Denkmals galt bisher wegen seiner Geschichte als eines der bedeutendsten Exponate der Ausstellung. „Ich bin bitter enttäuscht, dass wir erst jetzt von dieser Entscheidung erfahren und dieses zentrale Objekt in der Ausstellung nicht zeigen dürfen“, sagt Andrea Theissen, die Leiterin des Spandauer Kunstamtes.

Die Argumente aus dem Senat werfen viele Fragen auf. Was heißt, man wisse nicht, wo Lenins Kopf liegt? Er wurde im Auftrag des Senats vergraben, ist Eigentum des Landes Berlin, wird von Mitarbeitern der Berliner Forsten auf Schäden und wegen illegaler Grabungen regelmäßig kontrolliert. Auch die Organisatoren der Ausstellung haben einen konkreten Lageplan, sie wollten jetzt den Transport organisieren. Das Land Berlin habe keine verfügbaren Mittel für die Restaurierung des Kopfes? Die Ausstellung, inklusive der Sanierung der Ausstellungshäuser 6 und 8, werden mit etwa 14 Millionen Euro aus Landes-, EU- und Lotto-Mitteln finanziert. Auch für das Ausgraben, den Transport und Restaurierungen ist eine hohe Summe fest eingeplant.

Von Beginn der Planung an stand für alle Beteiligten fest, wie wichtig Lenins Kopf für die Ausstellung sein wird. Es gab keine Debatten darüber. „Die Ausstellung versucht, einerseits die Dimensionen der DDR-Monumente zu veranschaulichen und andererseits deren Schicksal nach der Wiedervereinigung nachzuzeichnen“, steht im Konzept der Organisatoren. Sie hatten sich schon zu Beginn der Planung das Denkmal reservieren lassen.

Auch Landeskonservator Jörg Haspel war über das Konzept bestens informiert. Er gehört zum Wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung, wie unter anderem auch Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Alexander Koch, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum , und Uwe Schaper, Direktor der Landesarchivs Berlin.

In der Spandauer Ausstellung geht es darum, wie Berlin in all seinen Epochen mit politischen Denkmälern umgegangen ist, sie versteckte, zerstörte oder vergrub. Der jüngste Fall gehört nun auch dazu.


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