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Autobahn 100: Bis die Kettensäge kommt

Die Stimmung unter den Baum-Besetzern in Neukölln ist optimistisch.

Die Stimmung unter den Baum-Besetzern in Neukölln ist optimistisch.

Foto:

AKUD/Lars Reimann

Berlin -

Weder der Nieselregen noch der kühle Wind über der Neuköllnischen Allee hat Umwelt-Aktivisten am Donnerstag davon abgehalten, eine Pappel direkt an der Kreuzung zur Grenzallee zu besetzen. Im Morgengrauen haben sie ihr Camp zwischen den Ästen errichtet. Über der Plattform hängt ein Transparent mit ihrer Forderung: „Stopp A 100!“

„Wir wollen ein Zeichen setzen gegen die Vertreibung der Menschen und die Zerstörung der Vegetation“, erklärt Peter Schwarz, 23-jähriger stadtpolitischer Aktivist. Zu den Initiatoren der Aktion gehört auch die Umweltorganisation Robin Wood. „Das Geld soll in soziale und ökologische Projekte umgewidmet werden“, sagt Alexander Gerschner von Robin Wood. Die halbe Milliarde Euro solle in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden und nicht in den drei Kilometer langen Ausbau der Autobahn. Zu den Forderungen zählt auch der Erhalt von Grünanlagen im dicht besiedelten Stadtgebiet.

Genau dort, wo die Trasse in Neukölln geplant ist und die Hütten der ehemalige Kleingartenanlage Sommerfreude nur noch verlassen dastehen, wollen die Aktivisten eine Mahnwache errichten. „Das ist kein abgeschlossener Zirkel von Experten hier“, erklärt Schwarz. Jeder, der mit der Aktion sympathisiere, könne sich beteiligen. Die Baum-Besetzer haben Infomaterial an Anwohner im Umkreis verteilt. „Die Reaktionen sind bis jetzt nur positiv“, sagt Schwarz. Der Besitzer des Grundstücks, auf dem die Pappel steht, und die Band Nümmes, die eigens einen Song gegen die A 100 geschrieben hat, kündigten Unterstützung an.

Positive Reaktionen

Die Idee zu der Besetzungsaktion entstand im Oktober mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, in dem Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau zurückgewiesen wurden. Im Anschluss wurde die Kleingartenkolonie stillgelegt, bis dann auch Obdachlose, die sie als Unterkunft zwischengenutzt hatten, vertrieben wurden.

„Wir sind erstmal ganz zufrieden hier“, sagt Peter Schwarz. „Wir bleiben, bis die Kettensägen anrücken.“ Oben auf der Plattform richtet sich inzwischen die zweite Besetzer-Schicht mit Schlafsack und Essen ein.