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Autofahren in Berlin: Berliner Autos kommen bald aus dem 3D-Drucker

Strati ist das erste gedruckte Auto von Local Motors. Binnen 44 Stunden entsteht das E-Mobil aus einem Gemisch aus Karbon und Plastik.

Strati ist das erste gedruckte Auto von Local Motors. Binnen 44 Stunden entsteht das E-Mobil aus einem Gemisch aus Karbon und Plastik.

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Local Motors

Dass in Berlin Automobile produziert wurden, liegt schon einige Jahre zurück. Ford etwa fertigte Mitte der 1920er-Jahre am Westhafen das legendäre T-Modell, mit dem die Fließbandproduktion erfunden wurde. Und nun sind es wieder Amerikaner, die hier Autos bauen wollen. Allerdings rollen die nicht vom Fließband, sondern kommen aus dem Drucker. Schon Mitte nächsten Jahres soll es losgehen.

Damien Declercq lebt seit dem vergangenen Sommer in Berlin. Im Rainmaking Loft in Kreuzberg hat er einen Schreibtisch neben anderen Start-up-Firmen gemietet. Von dort aus will der 38-Jährige das Europageschäft des US-Unternehmens Local Motors aufbauen und der alten Welt zugleich beweisen, dass Automobilbau im 21. Jahrhundert keineswegs so ablaufen muss, wie er bis heute in Wolfsburg, Ingolstadt oder Sindelfingen praktiziert wird. Local Motors entwickelt Autos nach Kundenwunsch, baut kleine Serien und ist dabei verdammt schnell.

Das Unternehmen wurde 2008 in Phoenix im US-Staat Arizona gegründet. Gerade 80 Mitarbeiter hat die Firma und dazu ein Entwicklerteam, das über die ganze Welt verstreut ist, eine weltweite Community von kreativen Köpfen. „Das sind Designer in Mailand, Ingenieure in Mumbai, Architekten in Peking“, sagt Damien Declercq. Mittlerweile haben sich in der LM-Community über 47.000 Mitglieder registriert. „Jeder kann mitmachen. Das ist unsere Basis.“

3D-Drucker in Garagengröße

Was bei Local Motors gebaut wird, bestimmt der Kunde. Flottenbetreiber sind die Zielgruppe. Sucht etwa ein Carsharing-Anbieter besonders coole Elektroautos, um sich von der Konkurrenz abzuheben, ein Kurierdienst oder eine Pizza-Kette großstadttaugliche Mini-Pick-ups, die klein, leise und sauber sind, so wird dieser Bedarf in der Community zur Diskussion gestellt. Dort entstehen Ideen, dann Lösungsvorschläge, schließlich folgt die Entwicklung. „Alles ist transparent, jeder Entwickler und jeder Auftraggeber weiß, was passiert“, sagt Local-Motors-Manager Declercq.

Ist der Kunde mit dem Entwicklungsergebnis zufrieden, kann die Produktion beginnen. „Wir brauchen derzeit etwa 18 Monate von der ersten Idee bis zum fertigen Auto“, sagt Declercq. Zum Vergleich: In der auf Großserien ausgerichteten Automobilindustrie sind dafür vier bis fünf Jahre nötig. Die einzelnen Entwickler werden nach ihrem Anteil am Produkt bezahlt, verdienen also am verkauften Auto wie Musiker an verkauften CDs.

Für die Produktion setzt Local Motors auf sogenannte Microfactorys und baut die Autos somit dort, wo sie gebraucht werden. Und dort steht dann auch ein 3D-Drucker im Format einer Standardgarage. 44 Stunden dauert es, bis aus glasfaserverstärktem Kunststoff Karosserie, Sitze und Armaturenteil werden. Im Anschluss kommen noch Achsen, Instrumente, Elektromotor und Lenkung hinzu. Fertig. Beim Strati, dem ersten gedruckten Auto von Local Motors, nutzte man Aggregate des Renault Twizzy. Insgesamt besteht der Strati gerade aus 50 Teilen.

Vorbild in Phoenix

In den USA gibt es bislang eine Microfactory in Phoenix. In diesem Jahr werden Fabriken in Knoxville und Washington hinzukommen. In zehn Jahren soll es weltweit bereits 100 Microfactorys geben, wenigstens jede fünfte davon in Europa. Der Aufbau diesseits des Atlantik soll von Berlin aus gesteuert werden. Hier will Local Motors sein „Euro-Headquarter“ einrichten. „Diese Stadt ist dafür ideal“, sagt Damien Declerc. Hier balle sich Kreativität und großer Enthusiasmus für neue Technologien. Berlin sei ein fruchtbares Ökosystem für Innovationen und habe viele potenzielle Kunden. Inzwischen hat Local Motors wichtigster Mann in Europa bereits viele Gespräche geführt. Man sei sehr offen.

Wird sich Declercq mit einem Kunden einig, könnte die Entwicklung sofort starten. Mitte 2016 würden dann die ersten Autos produziert werden. Das ist Damien Declercqs Plan. Er will hier die erste Microfactory bauen und sucht bereits nach einer geeigneten Fläche, auf der dann 100 bis 120 neue Jobs entstehen würden. Die Zulassung vom hiesigen TÜV macht ihm dabei keine Sorgen. „Kein Problem“, sagt er. Viel Glück.