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Autonome in der Krise: Die Antifaschistische Linke löst sich auf

Gesucht: Neuer Organisator für linke Demonstrationen in Berlin.

Gesucht: Neuer Organisator für linke Demonstrationen in Berlin.

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dpa

In der unter www.antifa.de veröffentlichten Erklärung heißt es unter anderem, dass Ideen, Strategien und Ziele mittlerweile zu unterschiedlich seien. Die Gruppe, die zuletzt nur noch aus rund 30 Leuten bestanden haben soll, zerbrach letztlich an dem Streit darüber, ob man ein "schwarzer Block" bleiben oder sich mit zivilgesellschaftlichen Akteuren verbünden und weniger martialisch auftreten soll. Für manchen in der autonomen Szene war die ALB längst nicht mehr radikal genug.

2003 ging die ALB aus der "Antifaschistischen Aktion Berlin" (AAB) hervor, die bis dahin vor allem vermummt und konspirativ agiert hatte. Die von der AAB organisierten 1.-Mai-Demonstrationen in Kreuzberg waren regelmäßig in heftigen Krawallen und Auseinandersetzungen mit der Polizei untergegangen.

Die ALB, die sich für ein breiteres linkes Spektrum öffnete, organisierte zahlreiche Veranstaltungen und auch Demonstrationen, etwa zum G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm und zum 1. Mai in Berlin. Jährlich mobilisierte sie zur Silvio-Meier- und zur Liebknecht-Luxemburg-Demo. Doch in den letzten Jahren erlahmte die Bewegung, die internen Spannungen nahmen offenbar zu. Im März 2012 wurde zudem eine Frau aus der Gruppe beschuldigt, für das Bundesamt für Verfassungsschutz gespitzelt zu haben. Die ALB sei deshalb „zeitweise handlungsunfähig“ gewesen und habe ihre dominierende Rolle in der Szene eingebüßt, heißt es in einer Bewertung des Berliner Verfassungsschutzes. Und auch die Autoren der ALB-Erklärung räumen ein: „Festhalten können wir, dass wir es bereits seit einiger Zeit nicht mehr geschafft haben, die unterschiedlichen Antworten auf diese Fragen in Kraft und Enthusiasmus zu kanalisieren.“ Die Autoren sagen: „Die radikale Linke in Deutschland und weiten Teilen Europas scheint sich in einer Krise zu befinden. Ehemals bewährte Konzepte und Ansätze eignen sich nur noch bedingt für die politischen Fragen unserer Zeit.“

Nach Angaben des Verfassungsschutzes wandelt sich die linksextremistische Szene. Kooperation mit zivilen Akteuren sei auf Dauer nicht kompatibel mit dem Habitus des Schwarzen Blocks. Deshalb stehe die Autonome Szene an einem Scheideweg. „Anderen Gruppierungen steht ein ähnlicher Prozess wie bei der ALB noch bevor“, sagt eine Sprecherin des Verfassungsschutzes. Die Behörde geht davon aus, dass sich die ALB-Mitglieder zum Teil in gewaltbereiten autonomen Kleingruppen wiederfinden, zum anderen in der nach außen gemäßigter auftretenden „Interventionistischen Linken“, dem größten bundesweiten Netzwerk der Postautonomen.


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