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Bahnstreik aktuell in Berlin: Berliner GDL-Chef droht schon mit dem nächsten Streik

Ein seltener Anblick in diesen Tagen: eine fahrende S-Bahn.

Ein seltener Anblick in diesen Tagen: eine fahrende S-Bahn.

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imago/Rüdiger Wölk

Schon in der kommenden Woche könnte es einen weiteren Lokführerstreik geben, wenn sich die Arbeitgeberseite in dem seit Monaten schwelenden Tarifstreit bei der Deutschen Bahn (DB) nicht bewegt. „Es wird keine weiteren wochenlangen Ultimaten geben“, sagte Frank Nachtigall, Vorsitzender des Bezirks Berlin- Sachsen-Brandenburg der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), am Mittwochmorgen der Berliner Zeitung.

Für den kommenden Montag war eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt, die von der Gewerkschaft aber abgesagt worden sei, weil sie derzeit keine Annäherung erwarte. Falls es bei dieser Situation bleibt und die gewünschten Veränderungen in der Tarifvertragsstruktur weiterhin verweigert werden, könnte es „zeitnah“ zu einem weiteren Lokführerstreik kommen, kündigte der GDL-Bezirksvorsitzende an. „Dieser Streik wird länger dauern als der jetzige.“

Der derzeitige Ausstand bei der DB dauert im Güterverkehr 66, im Personenverkehr 43 Stunden. Auf die Frage, ob sich der nächste Arbeitskampf auch auf den 1. Mai und das anschließende Wochenende erstrecken könnte, sagte Nachtigall: „Es wird keine Tabus geben.“

Die Deutsche Bahn ist bei ihrer Blockadehaltung geblieben

Auch bei dem jetzigen Arbeitskampf habe sich die GDL bemüht, Fahrgäste und Fahrzeugmaterial möglichst zu schonen. Der Streik wurde rechtzeitig angekündigt, hieß es. Außerdem sei der Streikbeginn im Personenverkehr auf 2 Uhr angesetzt worden, einem Zeitpunkt, zu dem sich die meisten Züge und S-Bahnen in den Abstellanlagen befinden und vor Beschädigungen geschützt sind. „Alles ist da, wo es hingehört“, sagte Frank Nachtigall. Er erinnerte daran, dass die GDL Ende Februar auf den angekündigten Streik verzichtet habe, weil die DB Verhandlungsbereitschaft signalisierte.

Dennoch müsse festgehalten werden, dass die DB auch nach rund zehn Monaten Tarifstreit und aktuell 16 Verhandlungsrunden sowie zahlreichen Sondierungsgesprächen bei ihrer Blockadehaltung geblieben ist. „Deshalb werden wir immer öfter von Lokführerkollegen aufgefordert, länger zu streiken“, sagte der GDL-Bezirksvorsitzende in Berlin. Sie wiesen zu Recht darauf hin, dass noch immer nicht über die geforderten Erhöhungen der Löhne und Gehälter sowie die Verringerung der Arbeitsbelastung gesprochen werden konnte. „Auch bei der S-Bahn Berlin ist die Belastung immer weiter gestiegen“, so Nachtigall. „Viele arbeiten Teilzeit.“

Fortschritte bei den Verhandlungen habe es immer erst dann gegeben, wenn die GDL mit Streik gedroht oder gestreikt habe. „Unsere Kollegen sind es mittlerweile gewohnt zu streiken. Doch Streik sollte nicht die Regel sein.“ Der Arbeitgeber lasse der GDL aber keine Wahl. Viele Gewerkschaftsmitglieder fragten sich, warum sich DB-Vorstandschef Rüdiger Grube nicht endlich zu Wort meldet. Er bekomme ein Gehalt, das die Bezahlung der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um ein Mehrfaches übersteigt, hieß es. „Aber das ist offenbar Schweigegeld.“



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