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Bahnverbindung zum Hauptstadtflughafen: In 40 statt 30 Minuten von der City zum BER

Der Schriftzug Berlin Brandenburg Airport leuchtet während eines Rundgangs zum Baustand am BER.

Der Schriftzug Berlin Brandenburg Airport leuchtet während eines Rundgangs zum Baustand am BER.

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dpa

Es ist ein Platz im Spitzenfeld, auf den die deutsche Hauptstadt sicher gern verzichten würde. Doch diese Medaille wird sich Berlin leider anheften müssen. In kaum einer deutschen Stadt wird die Zugfahrt vom Zentrum zum Flughafen in Zukunft so lange dauern wie hier. Rund 40 Minuten sind einzuplanen, um von dort mit dem Regionalverkehr zum BER zu gelangen. Das kündigte der neue Konzernbevollmächtigte der Bahn, Alexander Kaczmarek, am Donnerstag an.

Zuletzt war von knapp 30 Minuten die Rede. Doch jetzt rückt Berlin bedrohlich nahe an den ersten Rangplatz heran, der von München gehalten wird. Wer vom Terminal im Erdinger Moos zum Hauptbahnhof will, auf den wartet eine Zuckelei, die hierzulande im Flughafen-Verkehr ihresgleichen sucht. Es ist eine S-Bahn-Reise, die den Passagier mit Unterschleißheim, Oberschleißheim und anderen Eigenheimsiedlungen im Münchener Speckgürtel bekannt macht. Es gibt aber nur wenige Fahrgäste, die den 41 bis 46 Minuten dauernden Trip genießen.

Weitgereiste schwärmen vom Flughafen Frankfurt, wo die S-Bahn elf Minuten in das Zentrum braucht. Derzeit schneidet auch Berlin gut ab. Vom Hauptbahnhof liegt Tegel 20 und Schönefeld 29 Minuten entfernt.

Es liegt an Klaus Wowereit

Ob der BER 2017 oder 2018 öffnet, ist nur ein Detail. Klar ist: Die paradiesisch kurzen Verbindungen zum Flughafen, die viele Berliner schätzen, sind irgendwann Vergangenheit. Doch bevor wieder alle auf die Bahn einschlagen – nicht sie ist schuld daran, dass die kürzeste Verbindung vom Zentrum via Lichtenrade zum BER wohl erst Mitte der 2020er-Jahre fertig wird.

Renitente Anlieger und opportunistische Politiker, unter anderem ein Lichtenrader namens Klaus Wowereit, trugen dazu bei, dass sich das Planfeststellungsverfahren für den Streckenbau bis 2015 in die Länge zog – und fast 18 Jahre dauerte. Eine andere Strecke im Süden, die Anhalter Bahn, wird künftig so stark genutzt, dass sie die Züge zum BER nun doch nicht aufnehmen kann. Folge ist, dass sie über die Ost-West-Strecke der Stadtbahn oder den Nordring fahren müssen, und das dauert.

Dass die Anhalter Bahn keinen Platz für den Airport-Express haben wird, hat einen Grund. Ab Ende 2017 sollen von dort ICE-Züge in knapp vier Stunden nach München rasen. Dann muss niemand mehr zum Flughafen, wenn er nach Bayern reisen will.