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Barrierefreiheit: Berlin braucht mehr Wohnungen für Senioren

Keine guten Aussichten: Berlin wird immer älter, aber es mangelt an seniorengerechten Wohnungen in der Stadt.

Keine guten Aussichten: Berlin wird immer älter, aber es mangelt an seniorengerechten Wohnungen in der Stadt.

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Getty Images/Christian Martinez Kempin

Berlin -

Die Zahl der älteren Menschen in Berlin wächst, doch an geeigneten Wohnungen für Senioren mangelt es. Zurzeit fehlen schätzungsweise 41.000 barrierefreie oder barrierearme Wohnungen in der Stadt, wie aus der Antwort von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Alexander Spies hervorgeht. Lüscher bezieht sich dabei auf Angaben des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe (KDA).

Als barrierefrei gelten Wohnungen, die ohne Hindernisse zu erreichen sind und in denen es keine Barrieren wie Türschwellen gibt. Duschen in solchen Wohnungen verfügen beispielsweise über einen bodengleichen Zugang. Als barrierearm gelten Wohnungen, bei denen Hindernisse so weit wie möglich reduziert wurden. Dazu gehören bestehende Gebäude, in denen die Bewohner beispielsweise durch nachträglichen Anbau eines Aufzugs nur noch eine halbe Treppe bis zur Wohnung laufen müssen.

Der Anteil der Älteren in Berlin ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Von 2003 bis 2012 erhöhte sich die Zahl der Senioren im Alter von 65 bis 74 Jahren von rund 320.000 auf rund 360.000. Die Altersgruppe der über 75-Jährigen wuchs von rund 225.000 auf 285.000 an. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung des Senats fortsetzen. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der über 80-Jährigen in Berlin laut Lüscher um 80,7 Prozent auf rund 268.000 Personen steigen – und sich damit fast verdoppeln. Die Zahl der „jungen“ Alten, die zwischen 65 und 79 Jahren alt sind, wird um 14,4 Prozent auf zirka 590.000 Personen zulegen.

Keine Vorgaben

Wie viele barrierefreie und barrierearme Wohnungen es in Berlin gibt, dazu liegen dem Senat keine detaillierten Informationen vor. Nach Schätzungen des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe gibt es in Berlin zurzeit 24 000 weitgehend barrierefreie Wohneinheiten in Seniorenhaushalten und 45 000 in Haushalten, die nicht von Senioren bewohnt werden. Die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen verfügen laut Senatsbaudirektorin Lüscher über rund 5 500 barrierefreie und barrierearme Wohnungen.

Obwohl es schon jetzt zu wenige altengerechte Wohnungen gibt, macht der Senat den landeseigenen Wohnungsunternehmen keine Vorgaben, wie viele solcher Wohnungen sie bereitstellen müssen. Die Landesregierung setzt vielmehr darauf, dass es die städtischen Unternehmen „auch ohne verbindliche Vorgaben als eigene Aufgabe“ sehen, barrierefreie und barrierearme Wohnungen anzubieten, erklärt Senatsbaudirektorin Lüscher.

Piraten fordern Konzept

Die Piraten sind mit der Auskunft nicht zufrieden. „Der Senat ist auf die baulichen Herausforderungen des demografischen Wandels für den Berliner Wohnungsmarkt nicht vorbereitet“, kritisiert Alexander Spies. „Obwohl der Bedarf an altersgerechten Wohnungen in den kommenden Jahren rapide zunehmen wird, tut der Senat nichts für die Schaffung von barrierefreien und -armen Wohnungen in Berlin.“

Die Vorstellung des Senats, dass das Problem über den Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage gelöst werden könne, sei ein Irrglaube. „Berlin steuert wissend in die nächste Katastrophe am Wohnungsmarkt – die graue Wohnungsnot“, warnt Spies. Die Piraten fordern „eine seriöse Planung der benötigten Kapazitäten für die kommenden Jahre und ein Konzept für altersgerechtes bezahlbares Wohnen in Berlin.“ Die landeseigenen Wohnungsunternehmen müssten hierzu stärker in die Pflicht genommen werden.

Ganz untätig sind die landeseigenen Unternehmen jedoch nicht. Die Gesobau etwa gestaltet im Märkischen Viertel rund 1000 Wohnungen seniorenfreundlich um – „Komfort 50 plus“ nennt sie den Standard. Dazu gehört unter anderem der Einbau bodengleicher Duschen und die Vergrößerung der Türdurchgangsbreiten. Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag realisiert ein Pilotprojekt in Reinickendorf, um das selbstbestimmte Wohnen im höheren Alter zu unterstützen. Neben einer barrierearmen Gestaltung des Hauses an der Zobeltitzstraße entstehen Gemeinschafts- und Begegnungsflächen.

Die Degewo passt nach eigenen Angaben pro Jahr etwa 50 Wohnungen an die Wünsche älterer Mieter an. Die Howoge errichtet in einem ehemaligen Studentenwohnheim an der Mellenseestraße in Lichtenberg 83 barrierearme Wohnungen. In den Treskowhöfen schafft die Howoge Raum für zwei Senioren-Wohngemeinschaften, die komplett barrierefrei sind.



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