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Bauprojekt in Berlin: Der Ostbahnhof bekommt ein neues Hochhaus

Die Freiflächen am Ostbahnhof werden knapp.

Die Freiflächen am Ostbahnhof werden knapp.

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Paulus Ponizak

Langsam werden die Freiflächen knapp am Ostbahnhof. Rund um die Veranstaltungshalle, die seit fünf Wochen Mercedes-Benz Arena heißt, drehen sich immer mehr Baukräne. Einige Investoren haben mit ihren Neubauprojekten begonnen, andere wollen dies demnächst tun.

Spürbar werden die Veränderungen vor allem auf dem Gelände westlich der Arena, das die Post AG an mehrere Bauherren verkauft hat. Noch gibt es dort erst einen Neubau mit Wohnungen, die nach und nach bezogen werden. Unmittelbar daneben, schräg hinter der Mercedes-Vertriebszentrale, sind aber schon die Baugruben für die nächsten Projekte ausgehoben worden, zwei Hochhäuser sollen dort empor wachsen. Der Bauherr, die Wohnkompanie Berlin, nennt sie Max und Moritz. Mit 86 und 95 Metern werden es die bislang höchsten Gebäude auf dem Gelände sein. 420 Miet- und Eigentumswohnungen, die bis zu 8?000 Euro pro Quadratmeter kosten, entstehen dort. Ebenso wie Läden, Büros, Restaurants und eine Kita.

Hoch hinaus soll es auch ein paar Meter weiter westlich gehen. Das Unternehmen NDC Real Estate plant neben dem Postbahnhof am Ostbahnhof gleich drei Neubauten. Sie sind hauptsächlich für Büro- und Hotelnutzung vorgesehen und sollen bis 2017 fertig sein. Für einen 70 Meter hohen Turm wurde jetzt der Bauantrag eingereicht.

Planänderung gescheitert

Den Antrag wird man im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nur ungern genehmigen. Denn vor gut zwei Jahren hatte der Bezirk mit dem damaligen Grundstückseigentümer, der Post, eine abgespeckte Bebauung vereinbart. Maximal 50 Meter hoch sollten die Häuser werden. Gegen diesen städtebaulichen Vertrag klagte ein Investor. Er bezog sich auf den ursprünglichen, fast 20 Jahre alten Bebauungsplan. Dieser sah für sein Gebäude an der Straße der Pariser Kommune eine Höhe von 118 Meter vor.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab ihm recht. Begründung: Will der Bezirk niedrige Bauten, muss er den Bebauungsplan ändern. Das geschah aber nicht. Schlamperei, kritisierte die SPD mit Blick auf die Grünen, die damals wie heute das Bauressort im Bezirk verantworten. Baustadtrat Hans Panhoff widerspricht. Nach seinen Worten sei eine offizielle Planungsänderung an der Post AG gescheitert. Der städtebauliche Vertrag war also nie mehr als ein unverbindliches Papier, alle Investoren dürfen so hoch und dicht bauen wie einst geplant.

Auch auf dem Gelände der Anschutz Entertainment Group, der die Veranstaltungs-Arena gehört, sind zwei Hochhäuser geplant. Doch dafür gibt es derzeit keine ernsthaften Interessenten. Anders als für Bürogebäude. Ein Neubau, den das Unternehmen OVG Real Estate ab diesen Herbst östlich neben die Mercedes-Zentrale setzen will, ist bereits vermietet.

Ab 2017 werden sämtliche 13?000 Quadratmeter auf den sieben Etagen vom Online-Modehändler Zalando belegt. Zalando konzentriert damit einen Großteil seiner gut 3?500 Berliner Mitarbeiter an diesem Standort. Seit einem Jahr hat das Unternehmen dort bereits gut 20?000 Büro-Quadratmeter gemietet, im neuen Hotel- und Bürocampus südöstlich der Arena.

Tausende neue Arbeitsplätze

Auch zwischen Großhalle und Mühlenstraße soll es in drei Jahren völlig anders aussehen als derzeit. Dort wollen, wie berichtet, Mercedes und Anschutz in ein Entertainment-Viertel investieren – mit Multiplex-Kino, Bowlingcenter, einer kleinen Veranstaltungshalle mit 4?000 Plätzen, zwei Hotels und diversen Restaurants. 2018, so heißt es, soll es in dem neuen Viertel mehr als 2?000 Wohnungen und tausend Hotelbetten geben. Bis zu 18?000 Beschäftigte sollen dort arbeiten. Ob bis dahin auch eines der umstrittensten Vorhaben auf dem Areal fertig ist, bleibt offen: das geplante Shopping-Center an der Warschauer Brücke.

Der Neubau wird im Bezirk für verzichtbar gehalten. Immerhin gibt es mit dem Alexa am Alexanderplatz und dem Ring-Center an der Frankfurter Allee zwei nahe gelegene Einkaufszentren. Auch wird befürchtet, dass der Einzelhandel entlang der Warschauer Straße Schaden nimmt. Doch laut Bebauungsplan sind auf dem Anschutz-Areal rund 25?000 Quadratmeter Verkaufsfläche möglich – und wenn ein Investor diese an einer Stelle konzentriert, ist auch dies möglich.

Mittlerweile hat das geplante Center nicht nur den Namen gewechselt – aus „Spree-Shopping“ wurde „East Side Mall“. Der dritte Projektentwickler ist inzwischen damit befasst. Der mehrfach verschobene Baubeginn soll nun 2016 sein. Und noch etwas hat sich geändert: Von der ursprünglich geplanten öffentlichen Kita im Center hat sich der aktuelle Projektentwickler, die Freo Group, offenbar verabschiedet.

Ob es eine solche Kita geben wird, werde man nach einer Marktanalyse entscheiden, teilt das Unternehmen mit. Im Bezirk gibt man sich überrascht. „Uns hat man nicht informiert“, sagt der Baustadtrat. Was aber auch egal ist: Der Bezirk, so Panhoff, könne den Bau einer Kita, so dringend sie auch gebraucht würde, nicht erzwingen.


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