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Bauprojekt in Friedrichshain: Auf ehemaligem Brauerei-Gelände soll ein siebenstöckiges Haus entstehen

Fürchten ums Licht in ihren Wohnungen: Lars Wagner (r.) und Olaf Kautz vor der Baustelle an der Pufendorfstraße.

Fürchten ums Licht in ihren Wohnungen: Lars Wagner (r.) und Olaf Kautz vor der Baustelle an der Pufendorfstraße.

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Gerd Engelsmann

Lars Wagner weiß noch genau, wann der Ärger für ihn und seine Nachbarn anfing. „Als wir im Sommer 2015 von den Bauplänen für unser Nachbargrundstück erfuhren, war die Aufregung groß“, sagt er. Das ist sie auch heute noch, ein gutes halbes Jahr später.

Der 38-Jährige wohnt an der Pufendorfstraße in Friedrichshain. Dass das angrenzende Gelände, auf dem seit Jahren die Reste des ehemaligen Böhmischen Brauhauses vor sich hinrotteten, irgendwann mal bebaut wird, sei allen Anwohnern klar gewesen, sagt er. Doch das von der Hamburger B&L-Gruppe vorgestellte Projekt für rund 440 Wohnungen habe viele im Kiez erzürnt. Sie werfen dem Investor vor, zu hoch zu bauen, zu wenige Parkplätze zu schaffen und so ein Verkehrschaos zu verursachen.

Tatsächlich plant das Hamburger Unternehmen ein ungewöhnliches Projekt. Sein siebengeschossiges Wohngebäude soll nicht wie sonst üblich ebenerdig beginnen, sondern auf einem Betonsockel gebaut werden, der zwischen 5,50 und 9,50 Metern hoch ist.

Erst in dieser Höhe beginnt das Erdgeschoss. Jens Wagner und seine Nachbarn sprechen vom „Feldherrenhügel für Besserverdienende“. Denn durch den Sockel, der der Höhe von zwei bis drei Etagen entspricht, würden die Neubauten, in denen zum Großteil Eigentumswohnungen geplant sind, die Nachbarhäuser um bis zu zehn Meter überragen. Sonnenlicht, das haben die Anwohner errechnet, falle nur noch in ihre oberen Etagen.

Vom Investor wird die Sockel-Bauweise mit der Topografie des alten Brauereiareals begründet: „Das 17 500 Quadratmeter große Gelände ähnelt einem Trapez, das heißt, es fällt in mehrere Richtungen stark ab“, sagt der B&L-Sprecher Michael Epping. Zwischen Frieden- und der Matthiasstraße beträgt der Höhenunterschied gut zehn Meter. Schon jetzt gibt es dort mehrere Treppenanlagen. Damit auch die unteren Geschosse der Neubauten Sonnenlicht abbekommen, so der Sprecher, habe man sich für den Sockel entschieden. Dass auf diese Weise ein mehr als 30 Meter hohes Hochhaus entsteht, für das spezielle Sicherheits- und Brandschutzauflagen gelten, müsse vom Bauamt bewertet werden.

Bezirksamt wertet Hinweise aus

Die Reste des Böhmischen Brauhauses, in dem von 1886 bis zum 2. Weltkrieg Bier produziert wurde, sind schon geschreddert. Die Behörden hatten den Abriss genehmigt, obwohl die Brauerei ein Denkmal war. Die mehrgeschossigen Keller, die zu DDR-Zeiten als Weinlager genutzt wurden, sind fast alle verfüllt. Ein Zweigeschosser blieb stehen, er soll zur Kita ausgebaut werden. „Wir schaffen gut hundert Ki-taplätze und finanzieren gemeinsam mit der WBM, die an der Friedenstraße Wohnungen baut, einen Schulneubau“, sagt Epping.

Diese Tatsachen werden im Bezirksamt positiv gesehen. „Alle Kritiken der Anwohner werden derzeit ausgewertet“, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Für ihn ist der Sockel eine „Geschmackssache“. Die Kritik der Anwohner, wonach 200 Pkw-Stellplätze fehlen, damit im Kiez nahe dem Krankenhaus Friedrichshain kein Verkehrschaos ausbricht, weist Panhoff zurück: Parkplätze müsse jeder Investor selbst kalkulieren. Für Lars Wagner und seine Nachbarn steht fest: „Wenn dieses Projekt gebaut wird wie geplant, verschlechtert sich unsere Lebensqualität immens.“


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