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Bauunternehmer Hinkel war Stasi-IM: Zur Belohnung gab's einen Trabant

Bauunternehmer Maik Uwe Hinkel bestreitet weiterhin Stasi-IM gewesen zu sein,

Bauunternehmer Maik Uwe Hinkel bestreitet weiterhin Stasi-IM gewesen zu sein,

Foto:

Imago

Wahrscheinlich wäre das alles nicht herausgekommen, wenn Maik Uwe Hinkel, 50 Jahre alt, Immobilienentwickler, nicht dieses eine besondere Bauprojekt angefasst hätte, Luxuswohnungen an der East Side Gallery in Friedrichshain-Kreuzberg, ehemaliger Todesstreifen. Dann hätten nicht die Zeitungen von Mexiko bis Japan über ihn geschrieben, dann wäre auch nicht seine DDR-Vergangenheit von Interesse.

Maik Uwe Hinkel hat immer energisch bestritten, dass er Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit war. Zwischenzeitlich behauptete er, Doppelagent gewesen zu sein, zuletzt ließ er seinen Sprecher ausrichten, dass er, Hinkel, keine Verpflichtungserklärung bei der Stasi unterschrieben habe. In zwei Instanzen kämpfte er vor Gericht gegen die Herausgabe der Akten, die es angeblich gar nicht gibt. Inzwischen wurden die rund 300 Seiten von der Stasi-Unterlagenbehörde herausgegeben.

Für die Behörde von Roland Jahn steht zweifelsfrei fest, dass es sich bei dem IMB mit dem Decknamen „Jens Peter“ um Maik Uwe Hinkel handelt. IMB sind eine Art Edel-Spitzel, die auf Personen mit West-Kontakten angesetzt wurden.
Als Kind wollte Maik Uwe Hinkel Konzertpianist werden, er ging auf das Robert-Schumann-Konservatorium in Zwickau. Doch daraus wurde nichts, er sei nicht gut genug gewesen, hat er mal gesagt. Stattdessen begann er ein Studium an der Pädogischen Hochschule in Zwickau, dort kam er auch mit dem Geheimdienst in Kontakt.

Hinkel will nicht reden

1982 hat die Zusammenarbeit wohl begonnen. Hinkel war 19, ein junger, ehrgeiziger Mann. Glaubte er an die DDR, die Überlegenheit des Sozialismus oder machte er mit, weil ihn die Nähe zur Macht reizte? Wurde er unter Druck gesetzt? Bereut er das, was er damals geschrieben hat? Fühlt er sich schuldig? Warum will er jetzt unbedingt an der Mauer bauen, dem Symbol des Unrechtsstaats, für das er spitzelte? Man würde ihn das gerne fragen, dreißig Jahre später, aber Hinkel will nicht reden. So muss man sich auf die Akten verlassen.

Sie machen nicht den Eindruck, als ob IMB Jens Peter zu irgendetwas gezwungen werden musste. Er war jedenfalls ein fleißiger, eifriger Spitzel. Ein Stasi-Major lobt ihn 1986 als „zuverlässig“ und „dem MfS treu ergeben“. Ihm wurde sogar eine Diplomarbeit an der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit gewidmet.

Jens Peter alias Maik Hinkel erstattet regelmäßig Bericht, mal im Abstand von Tagen, mal wöchentlich. Wenige Berichte sind handgeschrieben, die meisten sind abgetippte Protokolle. Er spioniert unter jungen Leuten in seiner Umgebung, Freunden und Kommilitonen, bei denen eine „negativ-feindliche Haltung“ vermutet wird.

Um einem Mitstudenten politische Äußerungen zu entlocken, stellt er Fangfragen: „Sag mal, was würdest du sagen, wenn dich einer fragt, ob du unseren Staat akzeptierst?“ Immer wieder geht es um katholische Studenten. Hinkel tritt als Erwachsener zum katholischen Glauben über. Unter den Akten befindet sich ein Taufschein vom Mai 1985. Ob das Bekenntnis nur geschieht, um besseren Zugang zur Studentengemeinde zu bekommen, bleibt unklar.

Denunzierte landen in Haft

Von einem Freund aus der Gemeinde berichtet Jens Peter, dass er sich über Egon Krenz’ Segelohren lustig gemacht habe und auf den „Scheiß-Staat“ geschimpft habe. Wegen der Berichte des IMB werden schließlich strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen. Der Student kommt für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Zwei weitere Personen, die Jens Peter ausgehorcht hat, landen in Haft. Als er später in die Kulturabteilung des Rates der Stadt Zwickau wechselt, spioniert er weiter. Besonders interessiert er sich für die Kollegin, mit der er ein Büro teilt, er durchsucht ihre Notizen auf ihrem Schreibtisch. Als sie den Job wechselt, stellt er sicher, dass er ihren Arbeitsbereich übernehmen kann, damit er noch nützlicher für das Ministerium für Staatssicherheit arbeiten kann.

Im Jahr 1986 geht die Zusammenarbeit so weit, dass die Wohnung von Jens Peter als Stützpunkt der Stasi genutzt wird, so schreibt es ein Führungsoffizier. Von einem Nachbarn, der wegen West-Kontakten verdächtig geworden ist, besorgt der IMB einen Schlafzimmerschlüssel. Zur Belohnung für seine Dienste bekommt IMB Jens Peter übrigens einen Trabant – ein Witz natürlich im Vergleich zu dem, was er später im Kapitalismus erwirtschaften wird, für seine damalige Situation aber doch ein Privileg. Vor dem Mauerfall ergattert Hinkel einen begehrten Studienplatz im Fachbereich Rechtswissenschaften. In den frühen 90er-Jahren wird er Justiziar bei einem Hamburger Bauträger. Ab 1998 entwickelt er eigene Projekte, eine Altbausanierung in der Schröderstraße in Mitte, prestigeträchtige Projekte im Bezirk folgen. Er gilt als gut vernetzt in den Ämtern. Im vergangenen Jahr kauft er das Grundstück an der ehemaligen Mauer. Dass damit seine Vergangenheit in die Schlagzeilen rücken würde, ahnte er wohl nicht.