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Bebauung auf dem Tempelhofer Feld: Zehngeschosser am Rande des Feldes geplant

3D-Visualisierung: Blick auf die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes: In drei neuen Stadtquartieren sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.

3D-Visualisierung: Blick auf die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes: In drei neuen Stadtquartieren sollen Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.

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Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Berlin -

Zwei Monate vor dem Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aktuelle Zahlen zur geplanten Randbebauung des Areals veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in den drei geplanten Stadtquartieren am Tempelhofer Damm, am Südring und an der Oderstraße insgesamt 58 Hektar Fläche bebaut werden sollen. Das entspricht einem Anteil von knapp einem Fünftel der Fläche des Tempelhofer Feldes, dessen Größe mit 300 Hektar beziffert wird. Zum Vergleich: Das Tempelhofer Feld ist damit so groß wie etwa 450 Fußballplätze.

Die bisherigen amtlichen Angaben zu den bebaubaren Flächen am Rand des Feldes werden mit den jetzt vorgelegten Zahlen leicht nach oben korrigiert. Auf der Internetseite der Landesabstimmungsleiterin steht noch, dass an den äußeren Rändern des Feldes nur 50 Hektar Fläche bebaut werden. Diese Angabe sei zu Beginn des Volksbegehrens gemacht worden, erklärte eine Mitarbeiterin am Montag.

Später wurden die Pläne offenbar zu Gunsten weiterer Bauflächen konkretisiert. Unverändert groß bleibt das Areal in der Mitte des Feldes, das frei von Bebauung gehalten werden soll: Es soll 230 Hektar haben, bekräftigte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Sie trat damit Äußerungen der Grünen entgegen, die erklärt hatten, nach ihren Berechnungen sei die Freifläche nur maximal 204 Hektar groß. Die Größe von 230 Hektar sei amtlich, versicherte Augenstein.

Mehr Dichte, niedrigere Mieten

Am Rand des Tempelhofer Feldes sollen nach Plänen des Senats in drei Stadtquartieren insgesamt bis zu 4700 Wohnungen, Gewerbeflächen für 7000 bis 8000 Arbeitsplätze sowie ein Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek errichtet werden. Die Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld lehnt die Pläne, wie berichtet, ab. Sie will mit Hilfe des Volksentscheids am 25. Mai erreichen, dass das Areal frei von einer Bebauung gehalten wird.

Zwar haben CDU und SPD in ihrem Gesetzentwurf zum Tempelhofer Feld erklärt, den Rand des Tempelhofer Feldes „behutsam“ gestalten zu wollen. Aus den vorgelegten Zahlen geht aber hervor, dass dies „vereinzelt“ den Bau von zehngeschossigen Häusern einschließt. So hoch soll in den beiden Stadtquartieren am Tempelhofer Damm und am Südring gebaut werden dürfen.

Der Begriff der behutsamen Entwicklung beziehe sich darauf, dass die geplanten neuen Stadtquartiere „Schritt für Schritt“ entwickelt werden, sagte Behördensprecherin Daniela Augenstein. Bei der Gestaltung der neuen Quartiere orientiere man sich an den bestehenden Stadtvierteln. So seien im Wohngebiet an der Oderstraße weniger hohe Häuser vorgesehen als am Tempelhofer Damm oder am Südring. Eine gewisse Dichte bei der Bebauung sei aber notwendig, wenn man einen Anteil preiswerter Wohnungen anbieten wolle, so Augenstein.

Am Tempelhofer Damm will die Stadtentwicklungsverwaltung mit den Bauarbeiten beginnen. Hier sollen bis zu 1700 Wohnungen entstehen, im Stadtviertel am Südring sind 1100 Wohnungen geplant. Die dort vorgesehenen Gewerbeflächen haben eine besondere Aufgabe: Sie sollen die Wohngebäude vor dem Lärm der Stadtautobahn abschirmen. Im dritten Stadtquartier an der Oderstraße in Neukölln sollen zirka 1900 Wohnungen entstehen. Die Pläne für ein ursprünglich vorgesehenes viertes Stadtquartier am Columbiadamm tauchen in den amtlichen Angaben zwar noch auf. Allerdings mit dem Hinweis, dass eine Entwicklung dieses Stadtviertels erst nach dem Jahr 2025 geplant ist.

Keine Angaben zur Miethöhe

Der Gesetzentwurf von SPD und CDU, der beim Volksentscheid am 25. Mai zur Abstimmung steht, enthält zwar keine Angaben zur Miethöhe der neuen Wohnungen. Klar sei aber, dass die am Tempelhofer Damm geplanten Unterkünfte zu 50 Prozent für Kaltmieten zwischen sechs und acht Euro je Quadratmeter angeboten werden sollen, sagte die Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde. Das sei mit den landeseigenen Unternehmen Degewo und Stadt und Land sowie mit der Wohnungsgenossenschaft Ideal so vereinbart worden. Eine ähnliche Mietengestaltung werde auch für die übrigen Wohngebiete auf dem Tempelhofer Feld angestrebt. Daniela Augenstein: „Es geht uns darum, günstigen Wohnraum zu schaffen, auf den das Land Berlin Einfluss nehmen kann.“

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stoßen die Senatspläne für das Tempelhofer Feld auf Kritik. Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser sagte, das geplante Stadtquartier am Südring sei vor allem ein neues Gewerbegebiet. Dies brauche die Stadt aber nicht, da in Berlin bereits mehr als eine Million Quadratmeter Bürofläche leerstehen. Am Tempelhofer Damm könnte gebaut werden, weil die Eingriffe in die Natur dort am geringsten seien, doch müssten dort zuvor die Probleme mit dem Lärm und dem starken Verkehr geklärt werden. Das geplante Wohnquartier an der Oderstraße sei problematisch, weil der Bau „der massivste Eingriff in das Landschaftsbild“ wäre. Es sollte überlegt werden, ob Wohnungen nicht auf Arealen errichtet werden können, die städtebaulich besser integriert sind. Zum Beispiel auf dem jetzigen Polizei-Areal an der Kreuzberger Friesenstraße. Die Polizei könnte ja in das alte Flughafengebäude einziehen, wo sie ohnehin schon Gebäudeteile nutzt, so Heuser.