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Bebauung Tempelhofer Feld: Der Bibliotheksbau könnte platzen

Ein weites Feld: Der stillgelegte Flughafen Tempelhof ist Berlins größter innerstädtischer Spielplatz. Der Senat würde an den Rändern gerne bauen.

Ein weites Feld: Der stillgelegte Flughafen Tempelhof ist Berlins größter innerstädtischer Spielplatz. Der Senat würde an den Rändern gerne bauen.

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dpa

Der geplante Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld ist für die kalkulierten 270 Millionen Euro voraussichtlich nicht zu errichten. Das geht aus einem Schreiben von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher an den parlamentarischen Hauptausschuss hervor, der für die Finanzen zuständig ist. Lüscher schreibt darin, dass der Ansatz von 270 Millionen Euro auf dem Stand der Baupreise vom Februar 2013 basiere. Nicht berücksichtigt seien in der Kalkulation „die zu erwartenden Baupreissteigerungen bis zur geplanten Fertigstellung der Baumaßnahme“ im Jahr 2021.

Im Klartext: Wenn die Baupreise weiter steigen, was zu erwarten ist, verteuert sich auch der Bibliotheksbau. Wie teuer der Neubau werden kann, geht aus vorliegenden Hochrechnungen aus Senatskreisen hervor. Sollten die Baupreise um jährlich 2,2 Prozent anziehen, wie in den vergangenen fünf Jahren, würden sich die Kosten für den Neubau bis zur Fertigstellung im Jahr 2021 auf 317 Millionen Euro erhöhen. Sollten die Baupreise sogar um 3,1 Prozent jährlich steigen, wie in den vergangenen zwei Jahren, sei mit Gesamtkosten von rund 336 Millionen Euro zu rechnen.

Ermittlung hatte hohes Risiko

Die Senatsbaudirektorin räumt in dem Schreiben an die Mitglieder des Hauptausschusses ein, dass die bisher nur grob ermittelten Kosten „in dieser frühen Phase des Projekts mit einem noch relativ hohen Risiko behaftet“ sind. Für den Kostenrahmen von 270 Millionen Euro gilt dem Schreiben zufolge eine Toleranz von „plus/minus 40 Prozent“. „Ich rechne damit, dass der Neubau 350 Millionen Euro kosten wird“, sagte die Abgeordnete Clara Herrmann (Grüne) am Donnerstag. „Das ist ein Grund mehr, auf die Wowereit-Gedenkbibliothek gänzlich zu verzichten.“

Die CDU fordert zwar nicht den Verzicht auf die Bibliothek, geht aber erkennbar auf Distanz zu den Plänen. „Für uns ist der ZLB-Neubau an diesem Standort nicht in Stein gemeißelt. Er steht von Anfang an unter dem Vorbehalt seiner Finanzierbarkeit“, sagte der CDU-Abgeordnete Stefan Evers. „Wir werden uns sehr kritisch mit den Kostenrisiken beschäftigen, gerade nach den schlechten Erfahrungen mit anderen Großbauvorhaben in Berlin.“ Wenn eine deutliche Überschreitung des Kostenrahmens drohe, werde man „Alternativen für die ZLB überlegen müssen“, stellte Evers klar.

Die Präsidentin der Architektenkammer, Christine Edmaier, sagte, sie erwarte Baukosten zwischen 300 und 400 Millionen Euro für die ZLB. Kostensteigerungen von 15 Prozent seien „normal“, wenn ein Projekt noch am Anfang stehe. Hinzu komme die jährliche Baupreis-Steigerung. „Aufgrund der Marktentwicklung in Berlin müssen wir davon ausgehen, dass die Baupreise in allen Gewerken nach oben gehen“, so Edmaier. Grund sei die gute Auftragslage im Wohnungsbau. Edmaier plädierte dafür, über Alternativen für die Unterbringung der ZLB nachzudenken.

Berliner entscheiden am 25. Mai

In Betracht komme das bestehende Flughafengebäude in Tempelhof. Denkbar sei aber auch, am Standort der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) einen Erweiterungsbau zu errichten, wie vor Jahren geplant. Es sei sowieso nicht klar, was aus dem AGB-Standort werden soll, wenn der ZLB-Neubau stehe. Die ZLB ist bislang auf den Standort der AGB am Halleschen Tor in Kreuzberg und auf die Stadtbibliothek in der Breite Straße in Mitte verteilt. Das Magazin ist am Westhafen untergebracht. Durch den Neubau am Rand des Tempelhofer Feldes soll die Bibliothek an einem Standort zusammengeführt werden.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat die Pläne für das Tempelhofer Feld weit voran getrieben. Der Architektenwettbewerb für den Neubau endete im Dezember. Wie berichtet, gibt es zwei Siegerentwürfe, die in den nächsten Monaten überarbeitet werden. Ende Mai, Anfang Juni soll entschieden werden, welches Architekturbüro den Zuschlag bekommt. Eine Realisierungschance hat der Entwurf aber nur, wenn beim Volksentscheid am 25. Mai nicht eine Mehrheit gegen die Bebauung votiert. Und wenn die ZLB auch dann einen Neubau erhalten soll, wenn dieser teurer wird.