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BER-Aufsichtsrat: Platzeck erhält noch einen Korb

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).

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dpa

Berlin/Potsdam -

Auf der Suche nach neuem Führungs- und Aufsichtspersonal für den Flughafen BER hat Aufsichtsratschef Matthias Platzeck einen weiteren Rückschlag erlitten. Der Manager Axel Arendt, bisher eine Art Ansiedlungsbeauftragter für die Region um Schönefeld, lehnte den ihm angebotenen Sitz im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB ab. Grund soll die geringe Bezahlung für Mitglieder des Kontrollgremiums gewesen sein, wie die Berliner Zeitung aus Gesellschafterkreisen erfuhr. Der Aufsichtsrat beriet am Mittwoch über die technischen Probleme beim BER-Bau sowie eine Teilsanierung des Alt-Flughafens Tegel.

Arendt sollte den Sitz des Bankiers Günther Troppmann einnehmen, eines von insgesamt vier Mandaten Brandenburgs im 15-köpfigen Aufsichtsrat. Mit dem Wechsel wollte Platzeck, der auch Ministerpräsident in Potsdam ist, mehr Sachverstand in das Kontrollgremium des Flughafens bringen. Dass dort vor allem Politiker und Gewerkschafter sitzen, gilt Kritikern als eine der Ursachen für die mangelnde Aufsicht über den Bau, dessen Zeit- und Kostenpläne vollkommen durcheinander geraten sind. Auch Berlin, das ebenfalls vier Aufsichtsräte stellt, denkt an eine Auswechslung. Der Bund als Minderheitsgesellschafter (26 Prozent) will zwei Staatssekretäre als Vertreter in dem Gremium belassen.

Auch bei der Suche nach einem Vorstandschef für die Flughafengesellschaft war Platzeck bislang erfolglos. Mehrere Kandidaten haben ihm einen Korb gegeben, darunter der pensionierte Leiter des Frankfurter Flughafens Fraport, Wilhelm Bender. Platzeck wollte eigentlich bis Ostern einen Nachfolger für den geschassten FBB-Chef Rainer Schwarz finden. Bender wird jedoch Chefberater für den Aufsichtsrat des noch unfertigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg. Matthias Platzeck zufolge werde sich der 68-Jährige künftig mindestens zwei Tage pro Woche in Berlin aufhalten.

Eröffnungstermin und Gesamtkosten bleiben weiter ungewiss

Die Personalprobleme spielten im Aufsichtsrat am Mittwoch nur eine Nebenrolle. Vorrangig ging es nach Angaben aus Gesellschafterkreisen um eine Bestandsaufnahme und die nächsten Planungsschritte. Schon im Vorfeld war jedoch deutlich geworden, dass weiterhin ungewiss ist, wann der BER eröffnen kann und wie viel er kostet. Bisher wurden 4,3 Milliarden Euro veranschlagt, die Verzögerung bis mindestens 2014 bringt aber weitere Verluste und Zusatzkosten.

Auch deshalb soll in Tegel nur das Nötigste getan werden, um die Wartezeit zu überbrücken. Das 1974 eröffnete Terminal in Sechseck-Form ist marode und sollte längst geschlossen sein, muss aber auf unbestimmte Zeit weiter die Hauptlast des Berliner Flugverkehrs tragen. 2012 verzeichnete Tegel mit 18 Millionen Passagieren einen Rekord. Vorschläge der FBB-Führung um den kommissarischen Alleinvorstand Horst Amann, bis zu 50 Millionen Euro in die „Ertüchtigung“ des alten Flughafens zu investieren, stießen vor allem in Brandenburg auf Widerstand.

Am BER bereitet vor allem die Brandschutzanlage den Technikern nach wie vor Kopfzerbrechen. Zwar ist beschlossen, das System aus Alarm und Rauchabführung zu verändern, ohne es komplett neu zu bauen. Wie lange das dauert und ob es funktioniert, kann Technikchef Amann aber noch nicht sagen.

Auch am neuen Flughafen soll die Wartezeit genutzt werden, um Kapazitäten auszubauen, etwa bei der Gepäckbeförderung. Ferner wird eine vorgezogene Sanierung der Startbahn Nord erwogen, die derzeit dem einstigen DDR-Airport Schönefeld dient. Zuletzt mehrten sich aber Warnungen vor größeren Umplanungen, die eine Inbetriebnahme weiter verzögern könnten.


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