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BER-Chef weist Bericht über Missstände am Bau zurück

BER Schild

Berlins Dauerbaustelle: der Hauptstadtflughafen.

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imago/Jürgen Ritter

Eines muss man Flughafenchef Karsten Mühlenfeld lassen: Er bemüht sich redlich, zumindest noch ein bisschen Optimismus zu verbreiten, dass der Hauptstadtflughafen BER wie geplant und versprochen 2017 eröffnen könnte. „Wir sind auf einem guten Weg“, versicherte er am Montag im BER-Sonderausschuss des brandenburgischen Landtags, der nach der Sondersitzung des Flughafen-Aufsichtsrats in der vorigen Woche ebenfalls zusammenkam und sich Bericht erstatten ließ. Seine Botschaft wiederholte er dann noch in verschiedenen Varianten. Zum Beispiel: „Ich glaube immer noch, dass wir das Ziel erreichen können.“ Die Zweifel der Abgeordneten konnte er aber nicht so recht zerstreuen.

Sie hakten insbesondere zu einem Artikel der Bild-Zeitung vom Wochenende nach. Darin wurde ein interner Bericht der Flughafengesellschaft vom Januar zitiert, der eklatante Missstände auf der Baustelle feststellte. So seien im Dezember im Schnitt weniger als 400 Bauarbeiter im Terminal tätig gewesen – doppelt so viele wären nötig, um die Ziele zu erreichen. Das sei eine Momentaufnahme, erklärte Mühlenfeld. „Im Dezember wird bekanntlich wegen der Feiertage weniger gearbeitet.“ Inzwischen seien rund 750 Arbeiter in den verschiedenen Gewerken tätig. Diese Zahl werde sich weiter erhöhen, wenn erst einmal die Nachträge zur Baugenehmigung vom Bauordnungsamt abgesegnet seien.

Daran hakt es aber. Es geht um die Brandschutzplanung und eine Schnittstelle, die den Planern viel Mehrarbeit bereitet. Aus Sicht des Bauordnungsamts ist nicht gewährleistet, dass die Ebene über dem Tiefbahnhof des Terminals bei einem Brand ordnungsgemäß entraucht werden kann. Springen die Ventilatoren an, die den Rauch absaugen, dann sollte nach bisheriger Planung die Frischluft aus dem Bahntunnel nachströmen. Eine unakzeptable Lösung, finden die Bauaufseher. Schließlich könnte im entscheidenden Moment ein Zug einfahren und Luftwirbel verursachen.

Bescheid kommt wohl später

Mühlenfeld skizzierte, wie eine Lösung funktionieren könnte. „Die Luft muss stattdessen durch Fenster und Türen nachströmen“, sagte er. Die Umplanung wird aber dadurch erschwert, dass sich die Flughafenplaner mit denen der Bahn ins Benehmen setzen müssen – das könnte wertvolle Zeit kosten, die es in der Terminplanung für das Projekt eigentlich nicht mehr gibt.

Ob es tatsächlich bei der Aufsichtsratssitzung am 22. April einen Bescheid gibt, ob eine Eröffnung 2017 noch möglich ist, ließ Mühlenfeld im Unklaren. Noch am Freitag hatte er dies in Aussicht gestellt. Am Montag relativierte er diese Äußerung. Man dürfe das Ziel nicht ohne Not aufgeben, sagte er. „Wir wollen nicht den Druck aus dem Kessel nehmen, sonst zieht wieder Gelassenheit auf der Baustelle ein.“

Nach einer anderthalbstündiger Befragung durch die Abgeordneten musste Mühlenfeld den Landtag verlassen. Er habe einen dringenden Termin, erklärte die Aufsichtsratsvorsitzende. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel fasste seine Erkenntnisse so zusammen. „Uns wird immer versichert, dass der Eröffnungstermin erreichbar ist, wenn alles klappt. Aber vieles klappt halt nicht.“