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BER-Gegner: BER soll Museum für Baupfusch werden

Einmotten oder fertigstellen? Ein Blick in die Entrauchungsanlage im BER-Terminal.

Einmotten oder fertigstellen? Ein Blick in die Entrauchungsanlage im BER-Terminal.

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DPA/Patrick Pleul

Berlin -

Draußen schien die Sonne auf eine liebliche Schneelandschaft, drinnen wurde unbarmherzig abgerechnet. Bis zum übernächsten Jahr würden sich die Kosten für den BER und eine verfehlte Luftverkehrspolitik auf 21,2 Milliarden Euro summieren, trug Frank Welskop von der Grünen Liga in den Brandenburg-Stuben von Schloss Diedersdorf vor. Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn sei ein Hochstapler, die Mitglieder des Aufsichtsrats seien „inkompetent, dumm und ebenfalls Betrüger“. Anschließend geißelte Dieter Faulenbach da Costa, der an dem Schönefelder Flughafenprojekt anfangs selbst beteiligt war, unfähige Planer und die „provinziellen Politiker in Berlin“.

Ferdi Breidbach, der auf dem Podium saß, nickte zustimmend. Der gebürtige Rheinländer und einstige CDU-Bundestagsabgeordnete ist bekannt als jemand, der kompromisslos dafür streitet, dass der BER woanders eröffnet – jedenfalls nicht dort, wo heute der Terminaltorso dahin dämmert. Breidbach, 75 Jahre alt, und seine „Neue Aktion“ hatten am Sonnabend andere Bürgerinitiativen zu einer Fachtagung zum Flughafenprojekt eingeladen. Mehr als 50 Menschen, meist Männer, kamen in das Dorf südlich von Berlin.

Es war ein Treffen, das zeigte, wie sich die Gegner des BER in Schönefeld fühlen: unverstanden von Politikern, Planern, Medien. Welskop kritisierte die „permanente Hofberichterstattung der Systemschreiberlinge“ , die ihn an „Euro-Propaganda“ erinnere. BER-Fans waren nicht da. Sie hätten es auch schwer gehabt. Wenn die Sprache auf Flughafen-Verantwortliche kam, gab es aggressive Kommentare, die unwidersprochen blieben. „Erschießen!“ forderte ein Zuhörer. In Diedersdorf ging es nicht um eine umfassende Debatte, sondern um Selbstvergewisserung: wir gegen die anderen.

Gesamtkosten 21,2 Milliarden Euro

Welskop aktualisierte die Rechnung aus seinem vergriffenen Buch „BBI – ein neuer Berliner Bankenskandal?“. Er erinnerte daran, dass die Verantwortlichen den Neubau 2004 schmackhaft machen wollten, indem sie die Kosten auf nur 1,7 Milliarden Euro bezifferten. Inzwischen schätzt der BER-Kritiker allein die Baukosten auf fünf Milliarden Euro. Hinzu kämen Kosten für die Finanzierung (3,6 Milliarden Euro), die Fertigstellung und den Schallschutz (drei Milliarden Euro) und den Leerbetrieb (2,4 Milliarden Euro).

Damit nicht genug: Auch die Verkehrsanbindung, die Vorlaufplanungen und der Kauf des Baufelds Ost, das dann nicht benötigt wurde, müssten in der Abrechnung auftauchen. Macht summa summarum 18 Milliarden Euro. Wenn dann noch berücksichtigt werde, dass die Förderung der Billigflieger in Berlin zu Einnahmeverlusten führe, wachse der Kostenberg bis 2016 auf 21,2 Milliarden Euro. Ein Ergebnis, das Welskop mit einem Mehdorn-Zitat kontrastiere: „Die Endabrechnung wird zeigen, dass das ein billiger Flughafen ist.“

Die Planer weisen die Rechnungen zurück. So sei das Terminal größer als 2004 geplant. Doch Kritiker wie Welskop lassen sich nicht beirren. Mehdorn habe vielleicht unter Drogen gestanden, vermutete er. Der Flughafen werde hohe Verluste erzeugen, weil Billigflieger weiterhin dominieren. BER bedeute: „beyond economic repair“ – die Lage sei so verfahren, dass sie nicht mehr zu akzeptablen Kosten reparierbar sei.

Dieter Faulenbach da Costa, Architekt und Flughafenplaner aus Offenbach, teilte die Hauptkritik der BER-Gegner. „Der Flughafen steht am falschen Standort“, sagte er. Das Raumordnungsverfahren habe ergeben, dass Schönefeld ungeeignet sei – anders als Sperenberg und Jüterbog, die von 37 potenziellen Standorten die besten Bewertungen bekommen hätten. Er forderte, mit der Suche nach einem neuen Standort zu beginnen – auch wenn bis zur Flughafeneröffnung 12 bis 15 Jahre vergehen würden. Ortsnamen wie Neuhardenberg und Cottbus-Drewitz fielen, auf einer Karte waren auch Wittstock und Eberswalde als Schönefeld-Alternativen markiert.

Das jetzige BER-Terminal sollte Museum für beispielhaften Baupfusch werde, schlug Faulenbach da Costa vor. „Wer sagt, es gebe keine Alternativen, ist nur zu faul nachzudenken“, sagte er. Es gab Applaus.