blz_logo12,9

BER-Skandal: Flughafen-Chef Schwarz spricht von Desaster

Flughafenchef Rainer Schwarz.

Flughafenchef Rainer Schwarz.

Foto:

dapd

Berlin -

Ein so offenes Wort zu den andauernden Problemen beim Flughafenprojekt BER hat man von Rainer Schwarz bisher nicht gehört. „Das ist natürlich ein großes Desaster“, sagte der Flughafen-Chef, als er am Freitag den Luftfahrt-Presse-Club im Schönefelder Besucherzentrum begrüßte. Ein Desaster – „für das Image der Region, aber auch für die Betreibergesellschaft“, die mit Zusatzkosten konfrontiert werde, die ihre betriebswirtschaftliche Situation negativ beeinflusse.

Ein ähnliches Vokubular benutzte Schwarz auch in einem anderen Zusammenhang – als er den im Mai erfolgten Rauswurf der Planungsgemeinschaft pg bbi rechtfertigte. Nach der Kündigung des Unternehmens, das den Bau des neuen Schönefelder Flughafens steuern sollte, habe sich gezeigt, was für eine desaströse Fehlleistung es erbracht habe. Die im Mai übergebenen Pläne hatten nicht ansatzweise die Qualität gehabt, die uns suggeriert worden war, sagte Schwarz.

Angriff ist die beste Verteidigung

Als im Frühjahr nach Lösungen gesucht wurde, die Brandschutzanlage doch noch betreibbar zu machen, wurden prüffähige Pläne gebraucht. Doch die Pläne hatten nie die Reife erreicht, die zur Vorlage beim Bauordnungsamt erforderlich gewesen wäre. Das war dann schon wieder Rainer Schwarz, wie man ihn kennt. Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Bei der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Kann Deutschland noch Infrastruktur?“ war er er wie erwartet in die Zange genommen worden. „Der Aufsichtsrat und Schwarz waren schlecht beraten, als erstes das Planungsbüro herauszuwerfen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto. Die Grünen gehören zu denjenigen, die es lieber sehen würden, wenn stattdessen der Chef gehen müsste. Doch er denke nicht daran wegzulaufen, bekräftigte Schwarz am Freitag. „Wenn ein Projekt so havariert, dann gehört es sich, dass man an Bord bleibt und den Mitarbeitern Orientierung gibt. Wie wollen Sie die denn noch motivieren?“

„Mutationen“ beim Brandschutz

Die BER-Brandschutzanlage, an deren Problemen die Eröffnung schon zweimal gescheitert ist, habe im Rahmen von Erweiterungen immer weitere Mutationen erfahren, erklärte der Geschäftsführer. Inzwischen sei sie 200 bis 300 Millionen Euro wert. „Dafür kriegen sie woanders schon ein ganzes Terminal.“

Immerhin hätten die Probleme mit dem BER den Aufstieg des Luftfahrtstandorts nicht gebremst. Nirgendwo sonst in Deutschland steige die Fluggast-Zahl so stark wie hier. Und abgesehen von Air Berlin habe bisher kein Geschäftspartner auf Schadenersatz geklagt, so Schwarz.

Am Ende wurde es dann noch einmal mulmig für den Flughafen-Chef. Danach gefragt, ob der BER nach dreimaliger Terminverschiebung wirklich am 27. Oktober 2013 öffnen wird, suchte er lange nach einer Formulierung, die vorsichtig genug ist, aber den Pessimisten keinen Zündstoff liefert. „Zum jetzigen Zeitpunkt“, so Schwarz schließlich, „gibt es keine Erkenntnisse, dass dieser Termin nicht funktioniert.“