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BER-Untersuchungsausschuss: Planungsfehler in Kombination mit irren Erweiterungen

Von Siemens zum BER: Jörg Marks.

Von Siemens zum BER: Jörg Marks.

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dpa/Jörg Carstensen

Berlin -

Wenn es um das neue Terminal gilt, lässt selbst ein sonst so kühl wirkender Ingenieur wie Jörg Marks Emotionen aufblitzen. Marks, bis August 2014 Bereichsleiter bei Siemens und seitdem Technikchef der Flughafengesellschaft, sagte am Freitag im Untersuchungsausschuss BER aus.

„Gab es Planungsfehler?“, wollte der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto wissen. Ja, es gab sie, „in Kombination mit irren Erweiterungen“, antwortete Marks. Während des Baus wurden tausend Räume mit 90.000?Quadratmetern Fläche dazu geplant. Sie mussten zusätzlich im Terminalgebäude untergebracht und mit Technik versorgt werden. Ob man den Flughafen BER als einzigartigen „Experimentalbau“ begreifen müsse, fragte Otto. Marks: „So, wie er heute steht, in seiner Komplexität: ja! In dieser Konfiguration gibt es so was nicht noch mal.“

„Ja, wissen wir – macht fertig!“

Äußerst komplex sei auch die Technik, die bei einem Feuer Teile des Terminals von Qualm befreien soll. „Im BER gibt es Entrauchungsanlagen mit 37 verschiedenen Funktionen, normalerweise hat eine solche Anlage drei“, so der 48-Jährige. Das Schema für die Kanäle, durch die der Rauch abziehen soll, sei anfangs immer gleich gewesen – ob es um die große Empfangshalle oder um einen kleinen Kellerraum ging. Jörg Marks: „Das war wahrscheinlich nicht durchdacht worden.“

Wenn es im BER-Terminal brennt, muss es nicht nur zügig von Rauch befreit werden, es wird auch viel frische Luft von außen benötigt. Die sogenannte Nachströmung ist ein wichtiges Thema, erklärte Marks, der sich an das entsprechende Konzept erinnert. „Da gibt es nur diesen lapidaren Satz: ,Die Nachströmung erfolgt durch Öffnen von Fenstern und Türen.‘ Aber man darf ja nicht vergessen: Von den 4800 Räumen sind 3500 innenliegend, das heißt, die haben gar keine Fenster“, sagte er.

2009 übernahm Siemens einen Großauftrag für die Gebäudeautomation im Terminal. Es ging um die Funktionen Messen, Steuern und Regeln, und zwar in den Bereichen Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär, Sprinkler sowie Entrauchung. Habe er nicht bald gemerkt, dass am BER vieles falsch lief? Der Planungsgemeinschaft BBI wurden „Behinderungs- und Bedenkenanzeigen“ gesandt, so Marks. Die Reaktion war nur: „Ja, wissen wir – macht fertig!“

Von Rechnungen nichts gewusst

Dass mit der Nachströmung einiges nicht stimmte, habe er erst spät mitbekommen, berichtete er. Ende 2011 habe er von dem Misslingen eines Testlaufs mit heißem Rauch gehört. Für diesen Aufgabenbereich sei Siemens jedoch nicht zuständig gewesen. „Wenn Sie den Auftrag nicht haben, kümmern Sie sich nicht darum.“ Siemens habe den Auftrag, die Steuerung der Entrauchung fertigzustellen, pünktlich im Mai 2012 abgeschlossen – obwohl die Zahl der Klappen, die anzusteuern waren, von 300 auf fast 3000 erhöht wurde. Marks: „Wir hatten keinen Anteil an der Nicht-Eröffnung.“

Deutlich zurückhaltender wurde der Ingenieur, als es im Untersuchungsausschuss um seinen Wechsel von Siemens zur Flughafengesellschaft FBB ging. „Das ist wie bei einem Fußballspieler, der den Verein wechselt: Ich schieße jetzt für die andere Mannschaft die Tore“, erklärte Marks, der sich nicht mehr als Siemensianer sieht. Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft, ob Siemens der FBB überhöhte Rechnungen gestellt hat. Doch Marks sieht sich nicht verantwortlich. Für die Rechnungslegung sei er nicht zuständig gewesen, sagte er. „Ich habe dazu nichts auf dem Tisch gehabt.“


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