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Berghain, Checkpoint Charlie & Co: Die schlimmsten Tourifallen – und ihre Alternativen

Das hat der Checkpoint Charlie wirklich nicht verdient. Ein Dessous-Modell posiert am ehemaligen Grenzübergang. Aber interessiert sich überhaupt noch jemand für den?

Das hat der Checkpoint Charlie wirklich nicht verdient. Ein Dessous-Modell posiert am ehemaligen Grenzübergang. Aber interessiert sich überhaupt noch jemand für den?

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dpa

Nicht nur beim Essengehen bietet Berlin vielerorts Pleiten, Pech und Pannen an. Misst man Museen an Wartezeiten und Preis-Leistungs-Verhältnis, fallen viele Hauptstadteinrichtungen durch. Und hält eigentlich der legendäre Ruf, der Clubs wie dem Berghain – teilweise bis nach New York – vorauseilt, was er verspricht? Nach den schlimmsten Tourifallen-Restaurants kommt hier der zweite Teil unserer wieder vollkommen subjektiven Tourifallen-Liste. Diesmal empfehlen wir Ihnen auch gleich Alternativen. Viel Spaß!

Checkpoint Charlie – Gedrängel um Trabis und falsche Soldaten

Der Checkpoint Charlie: Die Gedenktafel kann man nicht lesen, das Foto mit dem kostümierten Alliierten kostet zwei Euro. Der US-Tourist kann aber auch in Dollar zahlen.

Der Checkpoint Charlie: Die Gedenktafel kann man nicht lesen, das Foto mit dem kostümierten Alliierten kostet zwei Euro. Der US-Tourist kann aber auch in Dollar zahlen.

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dpa

Ich habe mich schon immer gefragt, warum Massen an Menschen in das Museum am Checkpoint Charlie strömen, dort irre lange anstehen, um sich dann im dichten Gedrängel an Fluchtfahrzeugen vorbeizuschieben. Es gibt doch so viele Alternativen! Ich würde meinen Berlin-Besuch unter gar keinen Umständen zum Checkpoint Charlie schicken. Ich mag meine Freunde ja. Die Friedrichstraße ist an dieser Stelle sowieso ein echtes Ärgernis. Touristen rennen auf dem Weg zu einem Schnappschuss mit einem falschen Uniformierten blindlings auf die Straße. 2017 sollen zwei neue Gebäude das Areal ergänzen: Kalter Krieg (Museum) und Hard Rock (Hotel).

Preise: 6,50 bis 12,50 Euro, Fotogenehmigung 2 Euro extra

Alternative: Ich gehe mit meinem Besuch zur Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße (Eintritt frei, kein Gedrängel, echte Mauer, echter Wachturm der DDR-Grenztruppen, Zeitzeugenberichte auf Video), schicke sie ins Deutsche Historische Museum (Dauerausstellung „Deutsche Geschichte in Bildern und Zeugnissen“, bis 18 Jahren Eintritt frei, sonst 8 Euro, ermäßigt 4 Euro) oder sehe mit ihnen Filme wie "Sonnenallee", "Good Bye Lenin" oder "Das Leben der Anderen" an, die es auch mit englischen, spanischen und italienischen Untertiteln gibt. Wer mehr über Berlin als Vier-Sektoren-Stadt erfahren will, kann außerdem das Alliierten-Museum und das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst besuchen.

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Die Bier-Bikes – Rollender Horror

Das Grauen auf Rädern: Suff-Touristen auf Bier-Bikes!

Das Grauen auf Rädern: Suff-Touristen auf Bier-Bikes!

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dpa

Sie sind das Hassobjekt Nummer Eins aller Berliner: die rollenden Bier-Bikes. Das Suff-Fahrrad ist besonders bei Junggesellenabschieden beliebt. Ein Fass Bier versorgt hier bis zu 16 Fahrer. Immerhin hat der Bezirk Mitte alle größeren Straßen für die Bier-Bikes gesperrt. Trotzdem gibt es noch genügend Straßen, wo der Horror auf vier Rädern unterwegs ist.

Preise: ca.329 (!) Euro für zwei Stunden

Alternative: Eine Kneipentour zu Fuß durch Kreuzberg, Neukölln oder Friedrichshain ist günstiger und ungefährlicher – sowohl für die Teilnehmer als auch für die Anwohner.

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Berlin Dungeon – Berlin-Grusel zu gruseligen Preisen

Das Berlin Dungeon wirbt auch mit Essbarem in Dosen. Grossmann war ein Serienmörder, der sein Unwesen in Berlin trieb. Witzig.

Das Berlin Dungeon wirbt auch mit Essbarem in Dosen. Grossmann war ein Serienmörder, der sein Unwesen in Berlin trieb. Witzig.

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Berlin Dungeon

Der Berlin Dungeon soll durch 700 Jahre düstere Stadtgeschichte führen. Dungeon-Museen gibt es auch in London, Hamburg und Amsterdam. Geboten werden Live-Shows rund um Berliner Serienmörder („Pass gut auf Deine Körperteile auf!“), Blicke in die Folterkammer („Lass Dich auf den Folterstuhl fesseln!“) und andere effekhascherische Grusel-Einlagen. Das Event-Museum wird von der britischen Merlin Entertainment Group betrieben. Diese betreibt in Berlin auch das Legoland-Museum (siehe unten), Madame Tussauds und das Sea Life Aquarium.

Das sagen die Besucher:

"Fazit: Im Berlin Dungeon ist noch viel Luft nach oben was Kulissen, Schreck-und Showeffekte sowie Animatronics anbelangt." (Andreas R., Google-Bewertung)

Gruselige Preise zu einer gruseligen Geschichte.“ (Ciao-Bewertung von icehockeybea)

Preise: 21,50 Euro (ab 15 Jahren), Kinder (10 bis 14 Jahre) 17,50 Euro. Online gibt es Rabatte. Das VIP-Ticket soll Wartezeit vermeiden (nur online erhältlich) 23,50 Euro p.Ps. (ermässigt 19,50 Euro)

Alternative: Wer sich über die dunklen und gruseligen Seiten Berlins informieren will, kann in eines der vielen stadthistorischen Museen gehen, die Topographie des Terrors besuchen oder sich vom Berliner Unterwelten Verein durch alte Bunkeranlagen und Fluchtunnel führen lassen. Der Gruselfaktor ist garantiert, da die Führungen an echten Schauplätzen stattfinden. Über den Verein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen bieten echte Zeitzeugen Führungen durch das ehemalige Stasi-Gefängnis an. Wer „leichte“ Gruselkost bevorzugt: Eine Fahrt in der Gespensterbahn auf dem Weihnachtsmarkt schont Portemonnaie und Nerven.

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Das Berghain - die härteste Touri-Tür der Stadt

Kennen alle, mindestens von außen: das Berghain.

Kennen alle, mindestens von außen: das Berghain.

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Das Berghain soll ja mal der beste Club der Welt gewesen sein. Der Hype um den Club hält jedenfalls an. Amerikanische, spanische und japanische Touristen kommen nach Berlin - und wo wollen sie unbedingt hin? Ins Berghain. Die ganze Welt will ins Berghain. Was ist aber, wenn man selber in den Club will? Genau. Der Berliner wartet geduldig in der Schlange – hinter Amis und vor Franzosen. Türsteher, Barkeeper und DJs erkennt man noch von früher. Aber die Gäste? Nun ja. Da gibt es eindeutig originellere Clubs in Berlin - ohne Schlangestehen und ohne Touris.

Preise: 10 bis 15 Euro.

Alternativen: Wenn man Elektro mag, bieten sich zum Beispiel das Ritter Butzke und die Wilde Renate an. Eine Liste der Lieblingsclubs unserer Redaktion finden Sie hier - und hier erfahren Sie, wie Sie dort hinkommen.

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Legoland Discovery Centre Berlin – Teuer und kein Spaß

Legomännchen für den künftigen Flughafen Berlin Brandenburg BBI als Lego-Nachbau werden im Legoland Discovery Center (LDC) in Berlin aufgebaut.

Legomännchen für den künftigen Flughafen Berlin Brandenburg BBI als Lego-Nachbau werden im Legoland Discovery Center (LDC) in Berlin aufgebaut.

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dpa

Ihr Kind ist Lego-Fan und Sie wollen mit ihm das Lego-Museum am Potsdamer Platz besuchen? Dann packen Sie viel Geld ein und schrauben Sie Ihre Erwartungen zurück. Die Wartezeiten sind lang. Wenn man Pech hat, erwarten einen auch an den Schnellkassen für Online-Ticketbesitzer Schlangen. Das Discovery-Center ist klein und meist überfüllt. Im Café darf man keine eigene Verpflegung mitbringen und ist auf das dort verkaufte Fast Food angewiesen. Die Lego-Kindergeburtstage (25 bis 35 Euro pro Kind) toppen diese Kommerz-Abzocke.

Das sagen die Besucher:

Fazit: Sehr teurer Markenspaß im fensterlosen Keller. Attraktionen teilweise lieblos und wenig träumerisch.“ (Google-Bewertung von Sebastian M.-B.)

Bin immer wieder fasziniert, was wir Eltern für unsere Kinder so alles über uns ergehen lassen.“ (Google-Bewertung von Frank P.)

Preise: 18,50 Euro p.P. (unter drei Jahren umsonst, ab drei Jahren voller Preis), nach 16 Uhr 14 Euro, online gibt es Rabatte

Alternative: Lieber mit Lego zuhause spielen oder ab ins Technikmuseum oder Naturkundemuseum. Dort ist es billiger, interessanter und anspruchsvoller. Falls Eltern mit ihrem kleinen Kind einfach mal raus wollen, ab zu Ikea! Im dortigen Restaurant (kostenfreier Eintritt) gibt es Spielecken, halbwegs kindgerechte, gesunde Speisen, Hochstühle, Wickeltische - und es ist immer Platz.

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Berliner Luft in Dosen und anderer Souvenir-Nippes

Dose mit Berliner Luft ab 3,90 Euro in einschlägigen Touristenläden. Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Dose mit Berliner Luft ab 3,90 Euro in einschlägigen Touristenläden. Da erübrigt sich jeder Kommentar.

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imago stock&people

Die Rubrik „Schwachsinn, den die Welt nicht braucht“ führt eindeutig die Dose Berliner Luft für 3,90 Euro (zzgl. Versand) an. Hat die eigentlich jemals jemand geöffnet und testgeschnuppert?

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Fellmützen aus Hundefell

Anfang November wurden die Mützen einiger Händler am Alexanderplatz und an anderen Orten in Berlin sichergestellt.

Anfang November wurden die Mützen einiger Händler am Alexanderplatz und an anderen Orten in Berlin sichergestellt.

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imago stock&people

Ein frischer Skandal: Händler verkaufen an Touri-Hotspots Fellmützen. Eine Laboruntersuchung hat ergeben: Für die Mützen wurde Hundefell benutzt. Igitt.

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Ampelmann-Shops

Der Ost-Ampelmann hat Kultstatus erlangt. Aber wer bitteschön trinkt denn Ampelmann-Likör?

Der Ost-Ampelmann hat Kultstatus erlangt. Aber wer bitteschön trinkt denn Ampelmann-Likör?

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imago/CTK Photo

Schön und gut: Das DDR-Ampelmännchen ist niedlich und kann laufen. Das Sortiment der Ampelmann-Souvenirshops läuft allerdings etwas aus dem Ruder. Wer um Himmelswillen trinkt denn „Ost-Ampelmännchen-Pfefferminz mit Wodka“ (grün) oder „Ost-Ampelmännchen-Litschi mit Wodka“ (rot)? Wir kennen jedenfalls niemanden.