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Bergmannkiez: Im Schleichtempo durch Kreuzberg

Hier stehen große Änderungen bevor: die Bergmannstraße in Kreuzberg.

Hier stehen große Änderungen bevor: die Bergmannstraße in Kreuzberg.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Autofahrer müssen auf die Bremse treten, Radfahrer und Fußgänger sollen sich künftig wohler fühlen. Der Bergmannstraße in Kreuzberg stehen große Änderungen bevor. Der Westteil der Wohn-, Kneipen- und Geschäftsstraße soll zu Berlins zweiter Begegnungszone umgestaltet werden. Wie er künftig aussehen soll, wollen Senat und Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg demnächst mit den Bürgern erörtern. Eine öffentliche Diskussion am nächsten Donnerstag soll der Auftakt zu dem Dialog sein. Erste Kritik von Anliegern gibt es bereits.

Begegnungszone? Was soll das denn sein? Zone: Das klingt immer noch nach „Soffjetzone“ – so hat der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer die DDR genannt. Und warum ist von Begegnung die Rede? Sollen da alle nett zueinander sein?

Begegnungszonen, die erstmals in der Schweiz unter diesem Namen eingerichtet wurden, sollen Schonräume für Fußgänger und Radler sein. Kraftfahrer müssen ihr Tempo auf 20 oder 10 drosseln, Haltverbote und Zebrastreifen werden markiert, auch Umbauten kann es geben.

Ganz schön viel Verkehr

Berlins erste Begegnungszone ist wie berichtet auf der Maaßenstraße in Schöneberg geplant. Die zweite soll ab 2016 auf der Bergmannstraße entstehen, auf dem 500 Meter langen Teilstück zwischen Zossener Straße und Mehringdamm. Die Straße ist breit: insgesamt 26 Meter, davon nimmt die Fahrbahn 13,20 Meter ein. Doch es ist auch viel los.

Die Verkehrslenkung Berlin, oberste Straßenverkehrsbehörde der Stadt, ließ an einem sonnigen Tag im Mai 2012 den Verkehr zählen. Das Ergebnis für das Teilstück Nostitzstraße – Mehringdamm: Zwischen 7 und 19?Uhr waren 8?900 Fußgänger und 5?800 Radler unterwegs, zudem innerhalb von 24 Stunden 8?400?Kraftfahrzeuge. Konflikte sind häufig. So engen Kneipentische den Platz für Passanten ein, und Bordsteinabsenkungen, die das Überschreiten der Straße erleichtern sollen, sind oft zugeparkt.

Für Radfahrer ist es ein Problem, dass häufig in der zweiten Reihe gehalten wird. Generell seien Kraftfahrzeuge relativ schnell unterwegs, und ihre Verkehrsflächen seien „überdimensioniert“, berichtet das beauftragte Planungsbüro LK Argus.

Initiative fordert Sperrung

Der Parkdruck ist sehr hoch, so die Planer weiter. Die 230?Abstellbügel für Fahrräder „decken nicht den Bedarf. Die 95?Parkplätze auf der Straße seien meist zu hundert Prozent ausgelastet. Meist gibt es lediglich in den Tiefgaragen, wo sich 111 Autos abstellen lassen, noch Platz. Immerhin: In puncto Unfallgeschehen gelte die Straße als unauffällig.

Für die Bergmannstraße zeichnet sich ein strikteres Tempolimit ab. Doch die Initiative „Leiser Bergmannkiez“ will mehr. Der gesamte Kreuzungsbereich an der Markthalle müsse in die Begegnungszone einbezogen werden, fordert sie. Zudem müsse dort die Nord-Süd-Route Friesen-/ Zossener Straße unterbrochen werden, nur BVG-Busse und Fahrräder sollten noch fahren dürfen. Dies lehnt der Senat ab. „Mit allen negativen Folgen für die Verkehrsbelastung in unserem Kiez im Allgemeinen und besonders für die Lärmbelastung auf den Kopfsteinpflasterstraßen“, so der Sprecher der Initiative, Hans-Peter Hubert.

Der Bürger- und Expertendialog soll bis Mai dauern, die Planung im Herbst 2015 starten. Am 27.?November kommen Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) und Bezirksstadtrat Hans Panhoff (Grüne) in die Leibniz-Schule an der Schleiermacherstraße, um ab 19 Uhr mit den Bürgern zu sprechen. Auch die Initiative ist vertreten. Es könnte ein sehr interessanter Abend werden.