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Berlin bewirbt sich für die Spiele: Wowereit will Olympia in der Hauptstadt

Olympia in Berlin?

Olympia in Berlin?

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imago stock&people

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat sich erstmals offensiv für Olympische Spiele in Berlin ausgesprochen. Nachdem er lange nur vage versichert hatte, dass die Stadt für eine mögliche Kandidatur bereit stehe, sagte Wowereit (SPD) nun: „Berlin ist eine sportbegeisterte Stadt und die Olympischen Spiele wären natürlich sehr schön. Wir werden die Bewerbung abgeben.“

Im Gespräch sind die Sommerspiele 2024 und 2028. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bereitet zurzeit einen entsprechenden Beschluss vor.

Neben Berlin hat auch Hamburg Interesse an der Ausrichtung von Olympischen Spielen bekundet. Beiden Städten übermittelte der DOSB kürzlich einen Fragenkatalog, der bis Ende August beantwortet werden muss. Darauf bezog Wowereit sich am Freitag mit seiner Äußerung im Berliner Rundfunk. Er sagte also zu, dass der Senat auf nationaler Ebene gegen Hamburg antreten und bis Ende August ein grobes Konzept für mögliche Spiele erarbeiten wird. Auch auf dieser Grundlage wird der DOSB dann im Herbst eine Entscheidung treffen.

Wowereit stellte dem DOSB indirekt Bedingungen. Eine erfolgreiche Bewerbung sei nur im Schulterschluss mit den Sportverbänden und der Bundesregierung möglich, sagte er, zumal die Vergabepraxis des IOC kritisch gesehen werde.

„Alles muss zusammenpassen“

Eine Bewerbung koste viel Geld, und man brauche die Akzeptanz der Bevölkerung. „Alles muss zusammenpassen.“ Eine Bewerbung ohne die klare Unterstützung des Bundes und gegen die Bevölkerung schloss der Senatschef damit indirekt aus. Das tat er wohl vor dem Hintergrund, dass bisher noch nicht einmal klar ist, ob und für welches Jahr der DOSB ins Rennen geht. Eine Kandidatur für 2024 müsste bis zum Herbst 2015 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angemeldet werden.

Wowereit räumte ein, dass die Hauptstädter eine neue Olympiakandidatur skeptisch sehen könnten. „Wir werden in einer Stadt wie Berlin nie erreichen, dass alle jubeln, wenn man sagt, man macht Olympische Spiele“, sagte er. Zuletzt wollte Berlin die Sommerspiele im Jahr 2000 ausrichten. Die Kandidatur scheiterte 1993 auch an einer massiven, teils militanten Anti-Olympia-Bewegung in der Stadt.

Wowereits Vorstoß ist auch als Signal in die eigenen Reihen zu verstehen. Nachdem der Senat den Volksentscheid zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes verloren hat, macht sich in der Koalition Skepsis breit, ob größere Projekte in Berlin überhaupt noch durchzusetzen sind. SPD und CDU diskutieren deshalb, wie man die Bevölkerung grundsätzlich besser beteiligen kann.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh schlug kürzlich vor, die Berliner über eine mögliche Olympiakandidatur abstimmen zu lassen. Sportsenator Frank Henkel (CDU) betonte ebenfalls, Olympia sei ohne Zustimmung der Bevölkerung undenkbar. Eine solche Volksbefragung wäre aber nur möglich, wenn das Parlament zügig die Landesverfassung ändert. Wowereit äußerte sich dazu nicht. Dem Vernehmen nach erwägt er eine Art Beteiligungskampagne. Bürgerbeteiligung forderten auch die Grünen. Ein prinzipielles „Nein“ zu Olympia war von der Opposition am Freitag nicht zu hören.