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Berlin Fashion Week: Mit Marken Millionen machen

Ein Model präsentiert Make-up Kreationen von Maybelline New York auf der Berlin Fashion Week (18.01.2016)

Ein Model präsentiert Make-up Kreationen von Maybelline New York auf der Berlin Fashion Week (18.01.2016)

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REUTERS

Die Medienpräsenz sei enorm, sagt Andreas Becker, Miteigentümer der Modemesse Selvedge Run, die während der Fashion Week stattfindet. „Es sind sehr viele Einkäufer hier, drei Tage lang können wir ohne allzu großen Aufwand die Vorzüge des Standorts Berlin nutzen“, so der 46-jährige weiter. Er spricht vom sogenannten Cluster-Effekt. Dies bedeutet, dass sich im Zuge der Fashion Week ein breites Spektrum an Messen bietet und vor allem das Fachpublikum so eine große Auswahl zwischen verschiedenen Marken und Orten hat. Es werden Synergien geschaffen, die Messen profitieren also schlicht von ihrer Nähe zueinander.

Denn neben der Selvedge Run sind dies in diesem Jahr neun weitere, darunter die Leitmessen Premium und Panorama mit rund 3500 Ausstellern. Beide Messen sind im Vergleich zum Vorjahr in der Fläche um ein Drittel gewachsen. Die Bread & Butter jedoch, lange die größte Messe während der Fashion Week und eine der international bedeutendsten für Street Wear, findet dieses Mal nicht statt. Das Betreiberunternehmen Zalando verzichtete darauf, die B&B umzusetzen, da im Gebäude des ehemaligen Tempelhofer Flughafens, der üblicherweise der Veranstaltungsort ist, eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wurde.

„Trotzdem bleiben die Messen das Kernstück der Fashion Week“, sagt Claudia Hamboch, Sprecherin der Senatsverwaltung für Wirtschaft. Denn dort werde das Geschäft gemacht: Händler treffen auf Einkäufer, es wird gekauft und verkauft, Verträge werden unterschrieben. Auf den ersten Blick wirkt die rahmengebende Berliner Fashion Week kleiner und weniger pompös als ihre Schwester-Events in Paris oder Mailand. In vielerlei Hinsicht ist sie das, aber sie ist mittlerweile eben auch der größte Modemessestandort Europas. „Das liegt daran, dass wir breit aufgestellt sind“, erklärt Hamboch. Vertreten ist das ganze Spektrum von hochpreisiger Mode, über Sportbekleidung bis hin zu Übergrößen.

Wirtschaftsfaktor Modewoche

Wie viel Geld während der Messen umgesetzt wird, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Händler nennen keine Zahlen, Selvedge- Run-Eigentümer Becker vermutet, dass es auf seiner Messe ein zweistelliger Millionenbetrag ist. „Wir sind zum zweiten Mal dabei“, sagt er. „Letztes Jahr in Oberschöneweide hatten wir 50 Marken, dieses Mal in der Kulturbrauerei werden 80 vertreten sein.“ Damit gilt Selvedge Run als verhältnismäßig klein, auf den anderen Messen dürfte also noch mehr Geld im Spiel sein.
Für Berlin ist die Fashion Week im Allgemeinen ein Wirtschaftsfaktor. In einer Saison werden 240 Millionen Euro in die Stadt gespült, das Taxigewerbe oder Hotels profitieren in besonderem Maße. Ins Stadtsäckel, wie Claudia Hamboch sagt, also an Steuern, kommen 33 Millionen Euro zusammen. Darauf will in Berlin niemand mehr verzichten.