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Berlin-Kreuzberg: Jordanier soll Moschee angezündet haben

Schwarz vom Ruß: die Moschee in der Skalitzer Straße nach dem Brand.

Schwarz vom Ruß: die Moschee in der Skalitzer Straße nach dem Brand.

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AP/dpa

Knapp drei Wochen nach dem Feuer in der Mevlana-Moschee in Kreuzberg gibt es einen Tatverdächtigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen aus Jordanien stammenden Mann. „Er wird beschuldigt, das Feuer in der Moschee gelegt zu haben“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Sonntag. Gegen den Mann gebe es einen „einfachen aber keinen dringenden Verdacht“, so Steltner. Ein politischer Hintergrund der Tat sei noch völlig offen. Näheres zu Alter und Identität konnte Steltner nicht sagen.

Der Jordanier sitzt bereits in Untersuchungshaft. Er war dabei ertappt worden, als er eine Woche nach dem Moschee-Brand am Kottbusser Tor Plakate anzündete. Nun haben die Ermittler den Verdacht, dass er auch die Moschee angezündet hat.

Vorwürfe gegen die Polizei

In der Nacht zum 12. August hatte es in einem unfertigen Anbau der Mevlana-Moschee an der Skalitzer Straße gebrannt. Die Flammen verrußten den gesamten Anbau, zerstörten tragende Teile und beschädigten die Fassade. Der Schaden wird auf eine Million Euro geschätzt.

Die Islamische Föderation, zu der die Moschee gehört, bezweifelt die Täterschaft des festgenommenen Mannes. „Er ist arabischer Herkunft und er ist geistig ein bisschen verwirrt, so dass wir ernsthafte Zweifel haben, dass er zu dieser Tat in der Lage gewesen wäre“, sagte Fazli Altin, der Vorsitzende der Islamischen Föderation Berlin, der RBB-Abendschau. Am Sonnabend besuchten Integrationssenatorin Dilek Kolat und die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl die Moschee. Die Gemeinde hatte sich zuvor über mangelnde Solidarität von Politikern beklagt. Eva Högl warf der Polizei vor, dass diese nicht gründlich genug nach einem rassistischen Motiv geschaut habe.

Die Polizei hatte sich nach dem Brand zunächst vorsichtig geäußert. Anfangs hieß es, man ermittle in alle Richtungen. Hinweise auf vorsätzliche Brandlegung oder gar eine fremdenfeindliche Tat habe man nicht. Vier Tage nach dem Feuer teilte die Polizei mit, Kriminaltechniker hätten Rückstände einer brennbaren Flüssigkeit gefunden. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt bildete daraufhin die „Ermittlungsgruppe Skalitzer Straße“, die den Fall aufklären soll.

In der vergangenen Woche schließlich sprach die Polizei erstmals von vorsätzlicher Brandstiftung. Der Täter soll angeblich in allen drei Stockwerken Brandbeschleuniger verschüttet haben.

Den Verdacht einer gezielten Brandstiftung hatte bereits am Anfang der Inhaber der Baufirma geäußert, die den Anbau errichtet (wir berichteten). Denn das Feuer war nach seinen Worten unter anderem zwischen schwer entflammbaren Isolierplatten ausgebrochen. Zudem sei der gesamte Rohbau noch nicht an das Stromnetz angeschlossen gewesen, ein Kurzschluss deshalb unmöglich.