26.09.2011

Berlin-Marathon: Auch die Musiker kriegen Muskelkater

Von Marijke Engel
Feurige Dänen: Bei Kilometer 11,5 am Straußberger Platz sorgen die Trommler und Trommlerinnen von Slagkraft für den mitreißenden Rhythmus.
Feurige Dänen: Bei Kilometer 11,5 am Straußberger Platz sorgen die Trommler und Trommlerinnen von Slagkraft für den mitreißenden Rhythmus.
Foto: Benjamin Pritzkuleit
Berlin –  

Nicht nur die Läufer vollbringen Höchstleistungen beim Marathon, auch die, die sie anfeuern, leisten Großes.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es eigentlich erst mit dem Mittelfeld so richtig lustig wird. "Die ersten Läufer haben nur ihre Zeit im Kopf, und keine Augen für uns", sagt Beatrix Jeske, die seit einer guten Stunde ununterbrochen ihre blau-silbernen Puschel schwingt, die Hüften kreisen lässt, auf der Stelle hüpft und ab und an eine Pyramide formt mit den anderen Tänzerinnen von "Natty’s Dance Company".

Es ist 11. 10 Uhr am Wilden Eber in Grunewald und weil es Beatrix’ zehnter Marathon als Cheerleaderin ist, weiß die Tänzerin, dass die nächsten zwei Stunden die anstrengendsten aber auch die tollsten werden.

Denn jetzt kommt es vor, dass Läufer auch mal stehen bleiben und ein paar Takte mittanzen, Kusshände werfen oder einen Slalom durch ihre Formation laufen. Die Tänzerinnen müssen sich, wie die Läufer, die Kraft gut einteilen und viel trinken, sagt sie. Wobei das mit dem Trinken so eine Sache sei, denn eine Toilette gibt es weit und breit nicht.

Den Rhythmus gibt die Sambatruppe auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor. Man kennt sich seit Jahren, aber eigentlich nur vom Sehen, weil zwischen Band und Tanztruppe, an Kilometer 28,5, der große Strom der Läufer fließt, wie ein Fluß ohne Brücke. "Sapucaiu no Samba" heißen die Trommler und die meisten der 20 Leute auf dem Podest standen in der selben Nacht noch bis drei Uhr auf einer Bühne in der Wuhlheide beim Samba Syndrom Festival. "Das fordert uns ganz schön hier", sagt ihr Chef und Lehrer Dietrich Kollöffel.

Er ist seit 1999 am Wilden Eber dabei, und seine Leute werden auch an diesem Sonntag wieder bleiben, bis gegen 14 Uhr der Besenwagen kommt und die letzten müden Läufer vor sich hertreibt. Die bekommen dann oft einen Extra-Tusch, damit sie ihren Rhythmus wieder finden.

Der Höhepunkt des Jahres

Bei Kilometer 39 am Potsdamer Platz federn die Trommler von Allegria do Samba aus Reinickendorf noch recht munter in den Knien. Auch das sei, rund drei Stunden nach Beginn der Session eine Sache der richtigen Krafteinteilung. "Am Anfang müssen wir uns regelrecht dazu zwingen, regelmäßig Pause zu machen", sagt Thomas Grabow. Für sie alle hier sei der Marathon einer der Höhepunkte des Jahres.

"Endlich dürfen wir auch mal draußen richtig Krach machen, und das an so exponierter Stelle!" Die Stimmung im Feld der Läufer ist nicht mehr ganz so ausgelassen wie am Wilden Eber. Der eine oder die andere hat sichtlich Schmerzen und muss zwischendurch ein paar Schritte gehen. Andere checken knapp 3.000 Meter vor dem Ziel noch einmal die Uhr - vielleicht ist ja doch noch eine Zeit unter drei Stunden drin?

Während das Gros der Sportler auf die Zielgerade Unter den Linden einläuft, packen die rund 40 Mitglieder Kombo Slagkraft aus Dänemark ihre Surdos, Caixas und Agogos schon wieder ein. Sie haben sich den Straußberger Platz ausgesucht, um "den Läufern Energie zu geben", wie René Harris, ein Lehrer aus Kopenhagen es ausdrückt. Hier, am Beginn der Strecke sind alle Teilnehmer bestens gelaunt, viele applaudieren sogar. Und es hat noch einen anderen Vorteil, bei Kilometer 11,5 zu stehen: Man kann früher wieder nach Hause. "Wir sind mit dem Bus gekommen und müssen alle morgen früh wieder zur Arbeit - Muskelkater hin oder her."

Anzeige
Berliner Zeitung präsentiert:
Anzeige
Anzeige
BER-Dossier
Ein Flugzeug fliegt in Schönefeld über die A113.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) soll bis zu 40.000 Arbeitsplätze schaffen. Doch die Eröffnung im Juni ist geplatzt, die neuen Flugrouten sind umstritten. In unserem Dossier erfahren Sie alles über den Stand der Umzugsarbeiten und die Konsequenzen für die Hauptstadtregion. mehr...

Neueste Bildergalerien Berlin
Sonderthema

Die 4. Ausgabe zeigt wieder Trends und Aktuelles aus der Autowelt. Unter anderem auch:

IM ÜBERBLICK: die neuen Modelle
IM TEST: der SLK mit Dieselmotor
IM GESPRÄCH: ein Beifahrer

Alles lesen...

Serie
Auf zwei Rädern durch Berlin. Heute werden Tag für Tag im Durchschnitt rund 1,5 Millionen Wege in Berlin mit Pedalkraft zuückgelegt.

Junge und Alte tun es, Frauen und Männer auch: Sie radeln. Berlin ist im Zweirad-Fieber. In unserer neuen Serie beschäftigen wir uns mit der Fahrradmetropole Berlin. mehr...

Umfrage: Hält Hertha BSC die Bundesliga?

Kann Hertha BSC Berlin nach der Niederlage im ersten Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt doch noch schaffen?

23% Es wird schwierig, aber Hertha schafft es.
28% Ohne Lasogga hat Hertha keine Chance.
18% Fortuna Düsseldorf ist zu stark.
31% Mir ist das egal.
Galerie
Sonderveröffentlichungen & Beilagen
Serie zur Gentrifizierung
Interaktiv
Kolumne

Täglich erzählen unsere Lokalreporter Anekdoten aus dem Nachtleben in der Hauptstadt. mehr...

Anzeige
Anzeige
Meistgeklickte Artikel
Ferienhäuser an der Mecklenburgischen Seenplatte

Genießen Sie Ihren Urlaub im Land der tausend Seen. Mit BestFewo finden Sie das passend Ferienhaus für Ihre Reise.

Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Twitter
Anzeige
Galerie
Liveticker
Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute: Alle Kinos:
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Webtipps
Autohändler in Berlin
Finden Sie Autohändler in Berlin und Umgebung bei AutoScout24