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Berlin-Mitte: Seniorenresidenz am Hackeschen Markt bedroht

Mitten im hippen Leben: das Seniorenheim an der Rosenthaler Straße.

Mitten im hippen Leben: das Seniorenheim an der Rosenthaler Straße.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Das Gebiet rund um den Hackeschen Markt in Mitte gehört zu den teuersten und begehrtesten Wohnlagen der Stadt. Etliche Boutiquen, Cafés und Flagship-Stores weltbekannter Marken gibt es dort, man sieht viele modebewusste junge Leute, lästerhaft Mitte-Hipster genannt. Da wirkt das Altenheim „Pro Seniore Residenz“ gegenüber den Hackeschen Höfen fast schon wie ein Fremdkörper, denn alte Leute leben kaum noch in diesem Viertel. Tagsüber beobachten die Bewohner der Seniorenresidenz, einige auf ihre Rollatoren gestützt, das turbulente Leben um sie herum.

Manche denken seit einigen Wochen sorgenvoll an ihre Zukunft, denn offenbar plant der Eigentümer des 1998 errichteten Hauses an der Rosenthaler Straße, das Gebäude abzureißen und dort einen Neubau zu errichten. Was aber wird dann aus den Senioren vom Hackeschen Markt?

Offiziell ist nicht viel bekannt über die Pläne des Hausbesitzers. Im nicht-öffentlichen Teil einer Sitzung des Stadtplanungsausschusses Ende vergangenen Jahres hatte die Bauaufsicht des Bezirkes die Verordneten über einen Bauantrag des Investors informiert. Der plant, anstelle der Seniorenresidenz einen Neubau für Geschäfte, Büros, Wohnungen und einen Supermarkt zu errichten.

Das bestätigte ein Ausschussmitglied auf Nachfrage der Berliner Zeitung. „Es geht um Abriss und Neubau“, heißt es. Ein Zeitpunkt für Abriss und Neubau sei in der Sitzung nicht genannt worden. Der zuständige Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) äußerte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorhaben.

Verwundert reagiert hingegen der Betreiber der Seniorenresidenz, die Unternehmensgruppe Pro Seniore. Deutschlandweit betreibt sie 120 Einrichtungen, davon elf in Berlin. „Für die Seniorenresidenz am Hackeschen Markt besitzen wir einen laufenden, ungekündigten Mietvertrag, der uns die notwendige Planungssicherheit gewährleistet, eine Einrichtung dieser Größenordnung dauerhaft zu betreiben“, sagt Sprecher Peter Müller.

194 Senioren leben in dem Haus eigenständig in Wohnungen und in stationärer Betreuung. Für die Bewohner gibt es einen Garten mit Teich, Dachterrassen, ein Internet-Café sowie einen Friseursalon. Beunruhigt reagieren die Bewohner auf die Abrisspläne für ihr Heim. „Wo sollen wir dann hin?“, fragt eine 90-jährige Bewohnerin, die immer noch allein zur Spree, in den Monbijoupark und zum Alexanderplatz spazieren kann.

Pläne werden Thema in der BVV

Weil bisher wenig über die Abriss- und Neubaupläne bekannt ist, fordern die Grünen im Bezirk jetzt Aufklärung. „Die Pläne sind ein Beispiel dafür, wie heutzutage mit bestehendem Wohnraum umgegangen wird“, sagt der Grünen-Verordnete Frank Bertermann, der auch Vorsitzender des Stadtplanungsausschusses ist. Die maximale Gewinnerwartung eines Investors stehe an erster Stelle. Bertermann will herausfinden, ob es rechtliche Möglichkeiten gebe, das Haus zu erhalten.