blz_logo12,9

Berlin und seine Winterprobleme: Beim Staatsschutz zieht’s und die S-Bahn steht

Der Winter hat Einzug gehalten in Berlin.

Der Winter hat Einzug gehalten in Berlin.

Foto:

Berliner Zeitung/Mike Fröhling

Berlin ist ja bekannt dafür, dass selbst der kleinste Wintereinbruch große Folgen haben kann. Oft trifft es die S-Bahn heftig – aber dieses Mal war die Polizei besonders gebeutelt: Nachdem am Montag 85 von 344 Diesel-Streifenwagen ihren Geist aufgegeben hatten, froren am Dienstag zahlreiche Polizisten in ihren Dienststellen.

So fiel nach Angaben von Beamten im Abschnitt 15 am Montag in Reinickendorf die Heizung aus. Als Folge sei dort die Personalstärke reduziert worden. Beim Staatsschutz im Gebäude am Bayernring in Tempelhof blieben wegen undichter Fenster auf der Seite zum Tempelhofer Damm die Arbeitsräume kalt. Trotz aufgedrehter Heizungen lag die Zimmertemperatur in einigen Büros nur bei 16 Grad, maßen LKA-Beamte. Vorsorglich wurden Decken verteilt. Sie sollten auf die Fensterbänke gelegt werden, um die Ritzen zu schließen.

Kältebus rettet Rollstuhlfahrer

Beinahe wäre in der Nacht zum Dienstag ein Obdachloser erfroren: Helfer des Kältebusses retteten den Rollstuhlfahrer in der Bundesallee in Wilmersdorf in letzter Minute. „Wenn er noch eine halbe Stunde länger draußen gewesen wäre, wäre er erfroren“, sagte die Sprecherin der Stadtmission, Ortrud Wohlwend, am Dienstag. Der Kältebus der Stadtmission, der seit 1994 unterwegs ist, versorgt Obdachlose mit Tee, warmer Kleidung und Schlafsäcken. In Berlin leben mehr als 3000 Menschen ohne Dach über dem Kopf.

Bereits am Montag hatte es bei der Berliner Straßenreinigung in Tempelhof einen kältebedingten Einsatz der Feuerwehr gegeben. Im Betriebshof an der Ringbahnstraße war die Heizung ausgefallen. Ein Mitarbeiter hielt aufsteigenden Wasserdampf für Rauch und alarmierte die Feuerwehr. Etliche BSR-Leute mussten bei minus 11 Grad draußen warten, bis die Feuerwehr Entwarnung gab.

Am Dienstag gab es dann auch bei der S-Bahn witterungsbedingte Probleme: Zwar waren 1062 Wagen im Einsatz – also so viele wie sonst auch – doch führten diverse Signalstörungen in den Morgenstunden zu Verspätungen. Nach Angaben der S-Bahn waren die Linien S41, S8, S85 und S9 betroffen sowie die S 5 zwischen Spandau und Strausberg. Schon am Montag hatte es vereinzelt Weichenstörungen, Zugausfälle und Verspätungen gegeben.

Das Grillfest fiel aus

Indirekt Opfer der Kälte wurden am Dienstagmittag auch sechs Männer in Johannisthal. Aus Anlass des serbisch-orthodoxen Weihnachtsfestes hatten sie Schweine gegrillt – aber wegen der Kälte in einer leerstehenden Halle auf einem ehemaligen Fabrikgelände. Später hatten sich weitere Familien dazugesellt, doch das Grillfest fiel aus. Als der erste Mann bewusstlos wurde, alarmierten Teilnehmer kurz vor 12 Uhr die Feuerwehr. „Sechs Personen erlitten eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Fünf von ihnen haben wir ins Krankenhaus gebracht“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Bei einem Mann war die Vergiftung so schwer, dass akute Lebensgefahr besteht. Er wurde von einem Notarzt ins Krankenhaus begleitet. Im Klinikum am Friedrichshain wird er in einer Druckkammer einer Sauerstofftherapie unterzogen.

In den nächsten Tagen klettern die Temperaturen allmählich höher. Bereits am Freitag steigen die Werte tagsüber wieder über Null, am Wochenende soll es dann auch keinen Nachtfrost mehr geben. (mit dpa)