Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Berliner Familienbeirat: Alleinerziehende brauchen mehr Hilfe
27. May 2014
http://www.berliner-zeitung.de/3209360
©

Berliner Familienbeirat: Alleinerziehende brauchen mehr Hilfe

Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden.

Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden.

Foto:

imago stock&people

Berlin muss mehr tun, um den Bedürfnissen von Familien besser gerecht zu werden. Darauf hat der Berliner Beirat für Familienfragen in einem aktuellen Bericht hingewiesen. „Auf Landesebene fehlt das Bekenntnis zu einer familienfreundlichen Stadt“, sagte am Dienstag Thomas Härtel. Der Ex-Staatssekretär ist der Vorsitzende des 2007 gebildeten Beirates, dem Wissenschaftler, Vertreter verschiedener Parteien, Verbände und Religionsgemeinschaften angehören. Zwar sei etwa beim Kitaplatz-Angebot oder beim Ausbau der Ganztagsschulen in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden, sagte Härtel. Dennoch müsse mehr getan werden, etwa für Alleinerziehende oder Bürger, die Angehörige pflegen. Der Beirat sprach in einem Bericht folgenden Empfehlungen aus:

Alleinerziehende: Berlin ist die Hauptstadt der Alleinerziehenden. Fast zwei Drittel der Kinder, die in solchen Familien aufwachsen, sind permanent von Armut bedroht. Hier seien umfassende Konzepte zur Armutsvermeidung wichtig. Doch nur die Jobcenter von drei Bezirken bieten bisher eigene Sprechstunden für Alleinerziehende. Viele alleinerziehende Mütter arbeiten in der Gastronomie oder in Pflegeberufen, sind also auf Kinderbetreuung außerhalb der regulären Kita-Betreuungszeiten angewiesen. Sie haben eigentlich Anspruch auf ergänzende Tagespflege, also eine Betreuung durch Tagesmütter oder -väter. Doch nur 550 Kinder werden derzeit in dieser Form betreut, übrigens zu Stundensätzen, die faktisch unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Es müssten eigentlich deutlich mehr Kinder dort betreut werden, sagt Härtel. Womöglich weisen die Jugendämter nicht genug darauf hin. Die Bildungsverwaltung prüft den tatsächlichen Bedarf gerade. Alleinerziehende sollen zudem künftig verstärkt eine Berufsausbildung auch in Teilzeit machen können.

Pflege: Etwa drei Viertel aller pflegebedürftigen Angehörigen in Berlin werden zu Hause betreut. Es fehlt aber an professionalisierter Beratung für die Pfleger. Gerade die Pflegestützpunkte sollten über mehr Berater verfügen, fordert die Alzheimer-Gesellschaft. Auch bieten noch zu wenige Berliner Firmen Arbeitszeitmodelle nach dem Familienpflegezeitgesetz an.

Bildung für Familien: Die außerschulischen Bildungsangebote für Familien sollten besser koordiniert werden, auch wenn etwa die öffentlichen Bibliotheken da schon viel machen. Besonderes beachtet werden müssen die Übergänge von der Kita zur Schule und von der Schule in den Beruf.

Familienzentren: Während die SPD-geführte Bildungsverwaltung Familienzentren aufbaut, ist die CDU-geführte Sozialverwaltung für die Stadtteilzentren zuständig. Hier hält der Familienbeirat angesichts knapper Finanzen ein gemeinsames Vorgehen für sinnvoller, wobei auch das Programm „Soziale Stadt“ der Verwaltung für Stadtentwicklung einbezogen werden sollte.

Kita: Berlin hat im Bundesländervergleich einen relativ ungünstigen Betreuungsschlüssel. Der Familienbeirat fordert hier Verbesserungen und generell mehr Qualität in der Kita-Betreuung. Die derzeitige Debatte um eine „Kita-Pflicht“ oder die Abschaffung der Kita-Gebühren ab dem 1. Lebensjahr bezeichnete Härtel als wenig hilfreich.

Gesundheitsvorsorge: Die Bereiche Soziales und Gesundheit sollten in den Bezirksverwaltungen zusammengefasst sein, Familien sollten bereits vor der Geburt des ersten Kindes kontaktiert werden. Lobend erwähnt wird Marzahn-Hellersdorf für seine Präventionskette für gesundes Aufwachsen.

Jugendgesundheitsdienst: Bis auf Neukölln und Treptow-Köpenick unterschreiten alle Bezirke die Personalvorgaben für den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. Medizinische Vorsorgeuntersuchungen in Kitas, aber auch die Versorgung von Flüchtlingskindern können deshalb teilweise nicht mehr abgedeckt werden.

Wohnen: Die Liegenschafts- und Wohnungsbaupolitik muss stärker auf Familien bezogen sein, die Kosten für Unterkunft und Heizung bei Transferbeziehern ebenfalls. Angesichts der demografischen Entwicklung wird das Mehrgenerationenwohnen immer wichtiger.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?