30.01.2012

Berliner Kongresszentrum: SPD zweifelt an der Zukunft des ICC

Von Martin Klesmann
        

Unorthodox und recht gigantisch. Das Kongresszentrum ICC zwischen Charlottenburg und Westend sieht so aus, wie sich viele Berliner selbst gerne sehen.
Unorthodox und recht gigantisch. Das Kongresszentrum ICC zwischen Charlottenburg und Westend sieht so aus, wie sich viele Berliner selbst gerne sehen.
Foto: Imago
Berlin –  

Fraktionschef Raed Saleh stellt die Nutzung des ICC als Kongresszentrum wegen zu hoher Sanierungskosten infrage – die Messe Berlin GmbH warnt vor „Zwischenlösungen“.

Vor neun Wochen erst haben SPD und CDU in ihrer Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, dass das ICC nach der geplanten Sanierung als „zentrales Kongresszentrum weitergenutzt“ wird. Doch der neue SPD-Fraktionschef Raed Saleh stellt das Ganze jetzt wieder infrage. Er kann sich inzwischen auch eine andere Nutzung vorstellen: Sollten die Sanierungskosten tatsächlich „in Richtung 330 Millionen Euro gehen“, sagte Saleh am Sonntag, könne man im ICC statt eines Kongresszentrums Ausstellungsflächen für die Messe Berlin unterbringen, womöglich mit variablen Innenwänden. Das käme preisgünstiger. „Zunächst einmal sollten wir aber gemeinsam mit dem Koalitionspartner CDU und den drei zuständigen Senatsverwaltungen genau errechnen, wie teuer eine Sanierung wird“, sagte Saleh. Er wolle bei den Kosten für Asbestbeseitigung, Umbau und energetische Sanierung Klarheit. „Man kann das ICC auch totrechnen.“

Am Ende war es fünfmal so teuer
Beginn

Das Internationale Congress Centrum (ICC) wurde 1979 nach den Plänen des Architekten-Ehepaares Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte fertiggestellt. Der 320 Meter lange und 80 Meter breite Bau kostete am Ende umgerechnet eine halbe Milliarde Euro. Damit waren die Baukosten fünfmal höher als ursprünglich geplant. Das ICC verfügt über 80 Säle und Veranstaltungsräume mit mehr als 9000 Plätzen.

Ein Gutachten aus dem Hause von Finanzsenator Nußbaum (parteilos) hatte jüngst die Sanierungskosten bei 330 statt der ursprünglich geplanten 180 Millionen Euro gesehen. Von Nußbaum ist bekannt, dass er nicht viel von einer ICC-Sanierung hält. Saleh stellte aber klar, dass er das ICC keineswegs abreißen wolle. „Ich bin ein Fan des ICC.“ Bei der von Saleh ins Gespräch gebrachten Teilsanierung des ICC würde das eigentliche Kongresszentrum dann in der Mehrzweckhalle seinen Platz finden, die am Ort der abgerissenen Deutschlandhalle entstehen soll. Bisher soll diese Halle nur während der mehrjährigen ICC-Sanierung als Ersatz für das Kongresszentrum herhalten.

Umfangreiche Umbauten

Michael T. Hofer, Sprecher der Messe Berlin GmbH, sprach sich am Sonntag dafür aus, am ICC als Kongresszentrum festzuhalten. „Das ICC muss auch nach der Sanierung weiter Kongressen Platz bieten“, sagte er. Die neue Mehrzweckhalle brauche man später für zeitgemäße Präsentationen. Die Messe Berlin könne nicht ständig mit „Zwischenlösungen“ arbeiten. „Unser Ziel ist, dass Kongresse in Berlin bleiben und nicht ins Ausland gehen“, sagte Hofer. Allein im vergangenen Jahr hätten die Kongresse und ihre Teilnehmer zwei Milliarden Euro nach Berlin gebracht. Im Innern des ICC müssten allerdings umfangreiche Umbauten vorgenommen werden, so der Messe-Sprecher. Man müsse zum Beispiel den Küchenbereich verkleinern, brauche weniger Fernsehstudios und keine Telefonzellen mehr. Stattdessen benötige man zusätzliche Konferenzräume.

Die CDU machte klar, dass sie an den bisherigen Plänen für das ICC festhalte. Man brauche nun ein Finanzierungs- und Planungskonzept, so Heiko Melzer, wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion. Es werden aber keine „Fünf-Sterne-Goldsanierung“ geben.

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