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Berliner Zeitung | Berliner Lehrer bei Youtube: Superschule, Superjob, supergeil
07. May 2014
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Berliner Lehrer bei Youtube: Superschule, Superjob, supergeil

Dirk-Christian Stötzer

Dirk-Christian Stötzer

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Screenshot Youtube

Schwarze Sonnenbrille, graue Haare, weißer Bart. Der Typ sieht aus wie Friedrich Liechtenstein in dem Supermarkt-Werbefilm „Supergeil“, der auf Youtube millionenfach angeklickt wurde. Und er singt auch so. Doch es ist Dirk-Christian Stötzer, 66 Jahre alt, ein kurz vor der Pensionierung stehender Beamter. Zuletzt war er in der Senatsschulverwaltung bei der Lehrer-Hotline für Seiteneinsteiger tätig. Der Titel seines Videos, das seit Dienstagabend online ist: „Superlehrer, Superjob“.

Herr Stötzer, man sieht Sie im Video durch eine Schule tänzeln und dabei, nun ja, singen: Superschüler, superpünktlich, Superschule und so weiter. Wie kam’s dazu?

Es ist ein Spaß, den sich vier, fünf Kollegen und ich zu meinem Abschied aus dem Dienst gemacht haben. Wir kannten alle das Video von dem Liechtenstein, und ich habe schon öfter gehört, dass ich eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm hätte. Dann haben wir ein bisschen überlegt, getextet – und dann losgelegt. In meiner alten Schule, dem Friedrich-Ebert-Gymnasium in Wilmersdorf.

Gefällt Ihnen das Original-Video?

Ach ja, schon. Ich bin ja von Hause aus Musiklehrer und auch Lehrer für Informatik und Mathe.

Ach, deswegen der Reim „Superlatte“ (man sieht einen Kaffeebecher) und dann „Supermathe“ mit einem Schwenk auf ein Whiteboard.

Genau.

Wie lange liefen die Dreharbeiten?

Insgesamt drei Tage, wir waren ja auch vom Wetter abhängig, gerade beim Außendreh am Brandenburger Tor. Danach wurde im Studio synchronisiert.

Und, hat’s Spaß gemacht?

Und wie. Auch den Schülern in den Schulszenen. Denen mussten wir zwar erklären, wer ich bin, weil ich schon 13 Jahre draußen bin und die mich gar nicht kennen können. Die waren aber gleich dabei.

Einmal zitieren Sie das Supermarkt-Video 1:1, in der Szene mit dem Toilettenpapier. Allerdings sieht das Papier im Original richtig flauschig aus und Liechtenstein singt: „Das ist aber weich.“ Sie dagegen zeigen eine Klopapierrolle vom Schulklo und singen auch: „Das ist aber weich“...

Die Toiletten an dieser Schule sind wirklich sehr gut und sauber. Das ist meinem Nachfolger als Schulleiter zu verdanken. Der hat sich um vieles sehr gekümmert.

Dann stehen Sie an einem Geldautomaten, haben Scheine in der Hand und singen: „Superasche.“ Halten Sie den Lehrerberuf für so gut bezahlt?

Ich denke, dass Lehrer heute ein gut auskömmliches Gehalt bekommen.

Sie gehen im Juni in Pension, nach 41 Jahren. Stimmt „Superjob“ ?

Ja. Erst war ich 30 Jahre lang Lehrer an der Friedrich-Ebert-Schule, dann dort für fast zwei Jahre Schulleiter. Dann gab’s den Ruf in die Schulaufsicht in der Verwaltung. Ich kann sagen, dass ich den Beruf an vielen Stellen ganz toll gefunden habe.

Soll das Video jetzt als Werbemittel für Schulen eingesetzt werden, oder etwa im Musikunterricht?

Ach was. Es gab keinen Werbegedanken und auch keinen darüber, ob es als pädagogisches Material taugt. Es war ein Spaß. Es ist eine kleine Persiflage, also auch mit ein bisschen Ironie. Wir wissen ja, dass die Toiletten an Berliner Schulen nicht alle so sauber sind wie an meiner Schule… Übrigens ist meine Laufbahn im Schuldienst doch noch nicht zu Ende. Ich bin vorgestern gebeten worden, noch bei der Hotline weiterzumachen. Ich habe zugesagt. Mal sehen, für wie lange. Daran sehen Sie: „Superjob!“

Das Interview führte Elmar Schütze.