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Berliner Mauer: East Side Gallery mit immer mehr Löchern

Das längste erhaltene Stück Berliner Mauer: An der East Side Gallery in Friedrichshain sind zahlreiche Kunstwerke zu bewundern.

Das längste erhaltene Stück Berliner Mauer: An der East Side Gallery in Friedrichshain sind zahlreiche Kunstwerke zu bewundern.

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Reuters/Tobias Schwarz

Berlin -

Dem Senat gelingt es offenbar nicht, das längste noch erhaltene Stück Berliner Mauer wirksam zu schützen. Es geht um die bunt bemalte East Side Gallery in Friedrichshain, die auch am Sonntagmittag von zahlreichen Touristen aus aller Welt besucht wurde. Schon bald aber sollen an zwei Stellen entlang dieses Mauerverlaufs weitere Teile herausgenommen werden.

Bereits in den nächsten Wochen sei geplant, im Bereich der künftigen Brommybrücke mehrere Meter Mauer herauszureißen, bestätigte Franz Schulz (Grüne), Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, am Sonntag auf Anfrage. Diese Segmente sollen dann parallel versetzt zum Mauerlauf weiter hinten an der Spree wieder aufgestellt werden. „Das geschieht in erster Linie, um den geplanten Brommysteg an die Mühlenstraße anzuschließen“, sagte Schulz. Das Landesdenkmalamt habe diesem Eingriff bereits zugestimmt.

Die historische Brommybrücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, soll ab 2014 wiederaufgebaut werden – für Fußgänger und Radfahrer. Durch diesen Mauerdurchbruch würde zudem ein Rettungsweg für die Besucher des Parks zwischen Hinterlandmauer und Spreeufer geschaffen.

Das Aktionsbündnis „Mediaspree versenken“ und die Künstler der East Side Gallery vermuten allerdings andere Gründe hinter dem erneuten Mauerdurchbruch. Denn hinter der Mauer auf dem ehemaligen Todesstreifen soll der umstrittene Wohnturm „Living Levels“ entstehen, ein 63 Meter hohes, 14-geschossiges Gebäude mit Eigentumswohnungen, die ab einem Quadratmeterpreis von 2 750 Euro angeboten werden. Diese Immobilie wird durch einen solchen direkten Zugang zweifellos aufgewertet. „Wir wollen nicht, dass ein Stück Geschichte aus Berlin verschwindet“, sagte Kani Alavi, einer der Künstler von der East Side Gallery. Deshalb sei am Dienstag ab 11 Uhr eine Demonstration geplant. Auch die Betreiber verschiedener Clubs rund um das Spreeufer machen gegen den geplanten Mauerdurchbruch mobil.

Doch das ist noch nicht alles: Neben dem baurechtlich nicht mehr zu stoppenden Hochhaus soll zudem ein weiterer 120 Meter langer Riegelbau mit Wohnungen entstehen, den eine Eigentümergemeinschaft aus Israel plant. Um für dieses massive Bauvorhaben einen Feuerwehrzugang zu schaffen, muss wenigstens ein weiteres großes Stück Mauer aus der East Side Gallery entfernt werden. Das habe eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes ergeben, räumte Bezirksbürgermeister Schulz ein.

„Wir sind todunglücklich, was dieses Bauvorhaben angeht“, sagte Schulz. Vergeblich habe der Bezirk versucht, den Investoren ein alternatives Baugrundstück anzubieten. Finanzsenator Ulrich Nußbaum, der für den Liegenschaftsfonds zuständig ist, habe aber keine landeseigenen Grundstücke anbieten können.

50 Meter Mauer sind schon weg

Bereits beim Bau der O2 -Arena vor einigen Jahre hatte der Investor Philip Anschutz dafür gesorgt, dass gegenüber der Mehrzweckhalle ein 50 Meter großes Mauerstück aus der East Side Gallery herausgenommen und parallel versetzt zum Mauerverlauf wieder aufgestellt wird. Die O2 -Arena erhielt dadurch eine eigene Bootsanlegestelle. Nicht lange nach dem Mauerfall waren nordwestlich der Oberbaumbrücke Mauersegmente entfernt worden. Eine 1992 geplante Bebauung des ehemaligen Todesstreifens mit Stadthäusern wurde immerhin aufgegeben. Der Bezirk kaufte den Alteigentümern zahlreiche Grundstücke ab. Das Geld dafür stammte von Unternehmen, die rund um den Ostbahnhof investiert hatten und dabei eine Umlage zahlen mussten für die Errichtung eines Parks zwischen East Side Gallery und Spree.