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Berliner Mietfahrradsystem: Call a Bike droht das Aus

Ein DB-Mitarbeiter kümmert sich um Call-a-Bike-Räder. Wie es mit ihnen weitergeht, soll eine Ausschreibung ergeben.

Ein DB-Mitarbeiter kümmert sich um Call-a-Bike-Räder. Wie es mit ihnen weitergeht, soll eine Ausschreibung ergeben.

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Berliner Zeiung/Paulus Ponizak

Berlin -

Wie werden die öffentlichen Mietfahrräder in Berlin künftig aussehen? Rot-silbergrau wie heute, grau, blau oder ganz anders: Das wird in den nächsten Monaten entschieden. Dann geht es darum, ob das Bahn-Unternehmen Call a Bike auch künftig Mietradstationen in Berlin betreibt – oder ob jemand anders diese Aufgabe ab 2015 übernimmt und die künftigen Zuschüsse kassiert.

„Wir bereiten eine Ausschreibung für die Fortführung des Leihfahrradsystems vor“, sagte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll der Wettbewerb im Oktober starten. Das Interesse ist groß.

Bei WeBike Mobility Solutions sind viele Zweiräder blau. Blau wie der spanische Himmel, unter dem das Unternehmen bereits Fahrräder zur Miete anbietet. „In über 40 spanischen Städten, unter anderem in Benidorm, Burgos, Salamanca, Tres Cantos bei Madrid und Valladolid“, wie Harald Kegelmann berichtete.

Er ist Vertriebsbeauftragter von WeBike, das vor sechs Jahren gegründet worden ist und seinen Sitz in Madrid hat. In Segovia und Guadalajara werden außer herkömmlichen Fahrrädern auch E-Bikes offeriert. Grundsätzlich wären alle Antriebsarten möglich, doch die Präferenzen lägen woanders, hieß es.

Spanier kommen mit Pedelecs

„Wir werden an der Ausschreibung in Berlin teilnehmen“, sagte er. „Unser Interesse ist es, ein System anzubieten, das ausschließlich mit Pedelecs ausgestattet ist“ – Fahrrädern, bei denen ein elektrischer Antrieb den Fahrer unterstützt. Dieses Ziel verfolgen die Spanier auch für die Städte in Bayern und Baden-Württemberg, mit denen sie bereits im Gespräch sind. Wenn ein System zu 100 Prozent mit Pedelecs ausgestattet sei, beeinflusse das die Wirtschaftlichkeit positiv. In Bamberg sollen die E-Bikes schwarz sein.

WeBike ist nicht das einzige Unternehmen, das sich an dem Wettbewerb beteiligen will. Wie berichtet, möchte Nextbike, das bereits in 30?deutschen Städten grau lackierte Mieträder mit Werbeflächen anbietet, in Berlin stärker präsent sein. Auch Call a Bike möchte sich bewerben, erfuhr die Berliner Zeitung. Das Unternehmen, das zum Bahnkonzern gehört, ist seit 2002 der Platzhirsch in Berlin und bietet an 150?Mietstationen 1?750 Fahrräder an. Dafür bekommt es eine Zuwendung vom Land – 900?000 Euro jährlich bis zum Ende dieses Jahres.

„Es gab mehrere Gespräche sowohl mit nationalen, europäischen als auch mit internationalen Anbietern“, sagte Rohland. Dem Vernehmen nach wollen mindestens fünf Firmen an der Ausschreibung teilnehmen. Pedelecs sollen aber nicht einbezogen werden, hieß es im Senat. Berlin sei flach und das Vandalismusrisiko hoch, das Land könne sich die zusätzlichen Kosten sparen.

Es geht um einen Fünf-Jahres-Vertrag ab 2015, der verlängert werden kann. Und es geht auch künftig um Geld vom Senat: sieben Millionen Euro verteilt auf fünf Jahre. Mietradsysteme in einer solchen Größe und Qualität könnten nun mal nicht ohne Zuschüsse realisiert werden, teilte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) jetzt auf eine Anfrage des Grünen-Verkehrspolitikers Stefan Gelbhaar hin mit.

„Ich verstehe das nicht“

Gelbhaar bemängelte, dass die Ausschreibung noch immer nicht begonnen hat. „Der Senat hat das verschlafen“, sagte er. Schon seit Langem sei bekannt, dass Call a Bike nur bis Ende dieses Jahres Geld vom Senat bekommt. „Es gibt noch nicht mal Vereinbarungen mit der Bahn, wie mit den Stationen in der Zwischenzeit umgegangen wird. Ich verstehe das nicht“, so Gelbhaar.

Er kritisierte auch, dass Pedelecs keine Rolle spielen und weiterhin alle Mieträder nur an Stationen angeboten werden sollen – und nicht wie früher im Zentrum verteilt. „Wir werden in den nächsten Tagen einen Antrag dazu erarbeiten“, sagte er.

Wann der künftige Betreiber den Zuschlag erhält, sei noch nicht absehbar, sagte Rohland. Wie es bis dahin mit den Call-a-Bike-Stationen weitergeht, werde mit den Bezirken abgestimmt. Aber warum lässt die Ausschreibung auf sich warten? Dafür nennt ein Beobachter einen vertrauten Grund: „Personalmangel.“