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Berliner Zeitung | Berliner Schnauze: So richtich berlinert keena mehr
06. February 2016
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Berliner Schnauze: So richtich berlinert keena mehr

Versteh'n se Berliner Schnauze?

Versteh'n se Berliner Schnauze?

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imago/Hohlfeld

Können die Kinder eigentlich noch berlinern? Das fragte eine gute Freundin die Schul-Erzieherinnen ihrer Kinder. „Nee, waa, so richtich berlinert keena mehr“, antwortete die eine. Die andere sagte: „Stimmt! Komisch! Da wer’n wa dran arbeiten, vasprochen!“
Au fein, da mach ich mit! Ich biete Kurse für Grundschüler an. Ganz im Sinne meiner Berliner Vorfahren, etwa meiner alten Tanten. Ihre Sprache hatte was Saftig-Kraftvolles, auch grammatikalisch, wenn sie zum Beispiel „von Alfred’n seine Quetschkommode“ (gemeint war ein Akkordeon) sprachen oder aus dem Fenster riefen: „Komm oh’m, t’jibbt Mittach!“

Auf die Grammatik kommt es an

Man sieht: Die Grammatik ist ungeheuer wichtig! Hier werde ich auch gleich in der ersten Unterrichtsstunde ansetzen. Man kann da nämlich viel falsch machen. Wenn man zum Beispiel den Genitiv benutzt. Das sollte man tunlichst unterlassen. Statt „Fass bitte Omas Blumentopf nicht an!“ heißt es: „Footen wech von de Oma ihr’n Blum’topp!“ Auch der Dativ ist heikel. Ein Onkel meiner Frau erklärte einmal: „In Berlin heißt es stets: mit die, von die, bei die.“ Ein korrekter Satz wäre also: „Ick haabe die Jeschichte von die Olle jehört, die mit ihre Freundin bei die Feier war.“

Wichtig ist auch die Frage, wann man „mir“ oder „mich“ sagen soll. Also: Liebt sie mir oder liebt sie mich? Ganz einfach: Man sagt immer „ma“. Da kann man nie was falsch machen. „Watt, du liebst ma nich mehr? Da mach ick ma jaanüscht draus.“
Apropos „ü“ statt „i“: Meine Frau – auch eine geborene Berlinerin – war einst Sprecherkind beim Radio, und man gewöhnte ihr in der Sprecherziehung mit viel Mühe diese Berliner Vokalfärbung ab.

Den heutigen Kindern in der Schule muss sie natürlich bewusst antrainiert werden – und wenn das zehn Stunden Nachsitzen bedeutet. Denn wer sie nicht beherrscht, der ist auch kein echter Berliner. Also: „Mülsch und früsch’n Füsch uff’n Tüsch – und denn ran wie nüscht!“