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Berliner Staatsanwaltschaft bereitet größten Prozess gegen Taschendiebe vor

Taschendiebstahl

Taschendiebe schlagen vor allem in Gebieten zu, in denen viele Touristen unterwegs sind.

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dpa

Berlin -

Der Berliner Polizei und der Staatsanwaltschaft ist ein Schlag gegen den organisierten Taschendiebstahl gelungen. In der Hauptstadt steht daher ein großer Prozess gegen die Hintermänner der Banden bevor.

Prozessbeginn in Sommer oder Herbst

Nach Informationen des Senders RBB ermittelt die Staatsanwaltschaft schon länger gegen eine rumänische Bande. Die Drahtzieher sollen ab Sommer oder Herbst vor Gericht kommen. Dabei soll es sich um das aktuell größte Verfahren gegen den organisierten Taschendiebstahl in Europa handeln.

Laut RBB geht es um 79 Taschendiebe aus der ostrumänischen Stadt Iasi, die zur Volksgruppe der Roma gehören. Neu in dem Prozess ist, dass die Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität sich mit dem Thema befasst und dass es den Ermittlern gelang, an die Hintermänner zu kommen, die die Banden der oft minderjährigen Taschendiebe in ganz Europa steuern.

Pilotverfahren gegen Taschendiebe

Sieben Männer und Frauen werden in Berlin angeklagt, von denen bereits fünf in Untersuchungshaft sitzen. Zwei werden noch gesucht. Europol, die europäische Polizeibehörde mit Sitz in Den Haag, spricht in diesem Zusammenhang von einem «Pilotverfahren».

Die mutmaßlichen Hintermänner wurden in Rumänien und europäischen Großstädten in weiteren Ländern festgenommen. Auf ihre Spur kamen die deutschen Fahnder zum Teil durch Telefonüberwachungen, wie der RBB-Journalist Olaf Sundermeyer sagte. Die Kripo ermittelte auch in Rumänien und anderen Ländern und konnte internationale Haftbefehle ausstellen lassen.

Familien agieren wie Firmen

Die reisende Bande war laut RBB in mindestens sechs europäischen Ländern aktiv, darunter in Frankreich und Spanien. Die meisten der Diebe sind Kinder- und Jugendliche, die von der Bundespolizei im zweiten Halbjahr 2013 nach Taten in den Berliner S- und U-Bahnhöfen festgenommen wurden.

Die Ermittlungen führte Dirk Eckert, Staatsanwalt für organisierte Kriminalität in Berlin. Er sagte dem RBB, dass die besondere Tragik des Verfahrens darin liege, dass die Eltern ihre eigenen Kinder zum Stehlen zwangen und für die Taten nach Deutschland schickten. «Die Familien betreiben den Taschendiebstahl wie eine Firma. Wir wollten erstmals versuchen, nicht nur die Taschendiebe einer Verurteilung zuzuführen, sondern an die Hintermänner heranzukommen.»

40.000 Taschendiebstähle in Berlin

Die Zahl der Taschendiebstähle in Berlin hat sich seit 2013 mehr als verdoppelt, alleine im vergangenen Jahr wurden 40.000 Fälle angezeigt. Die Dunkelziffer liegt noch weit darüber. Die allermeisten Taten werden laut dem Landeskriminalamt von Tätern aus Rumänien und Nordafrika verübt. Roma sind in dem Bereich aktiv, weil sie in ihren Herkunftsländern wie Rumänien oft kaum eine andere Perspektive als Kriminalität haben. (dpa)