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Berliner Start-up: Cashboard ist das Amazon für Geldanlagen

Tastatur, Tablet oder Smartphone statt Bankschalter: Allein in Berlin gibt es fast 180 Start-ups, die das möglich machen.

Tastatur, Tablet oder Smartphone statt Bankschalter: Allein in Berlin gibt es fast 180 Start-ups, die das möglich machen.

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Berlin -

Das Unternehmen Cashboard gibt es erst seit zwei Jahren, und besser hätte es in dieser Zeit für das Start-up kaum laufen können. Bereits kurz nach der Gründung gewann Cashboard den höchstdotierten Start-up-Preis Europas, bekam dadurch ein vier Millionen schweres TV-Werbe-Budget samt bundesweiter Bekanntheit und wurde unter anderem mehrfach als bester Online-Vermögensverwalter ausgezeichnet. Aber dabei soll es nicht bleiben. Gerade erst investierten große Risikokapitalanleger drei Millionen Euro in das Berliner Start-up. „Das erlaubt uns, unseren Wachstumskurs fortzusetzen“, sagt Cashboard-Chef Robert Henker.

Gewinnbeteiligung statt Gebühr

Cashboard gehört zu den sogenannten Robo-Beratern. Ein Technologieunternehmen, das es jedermann ermöglicht, sein Geld einfach und unkompliziert anzulegen. Dafür wird zunächst ein Konto bei einer Partnerbank eröffnet, dann verlangt ein Fragebogen unter anderem Angaben zur Laufzeit und Risikobereitschaft und schon gibt ein Algorithmus Empfehlungen für eine im besten Fall gewinnbringende Investition. Alles geschieht online, laut Cashboard in wenigen Minuten.

„Wir sind europaweit die einzige Plattform, die anbieterunabhängig arbeitet“, sagt der 35-jährige Firmengrüner Henker und vergleicht sich mit einem Amazon für Geldanlagemöglichkeiten. Über 6 500 Finanzprodukte von mehr als 100 Anbietern stehen dem Kunden zur Auswahl – vom Tagesgeld bis zum Crowdfunding. Gebühren verlangt das Start-up für die Vermittlung einer Geldanlage nicht. Verdienen will man nur, wenn der Kunde verdient. Dann verlangt der Robo-Berater aus Mitte zehn Prozent vom Gewinn.

Kündigungsrate unter einem halben Prozent

Das ist das Geschäftsmodell, das zu funktionieren scheint. Jedenfalls hätten bislang etwa 60 Prozent der Kunden, die erstmals via Cashboard investierten, ihr Investment später aufgestockt. Die Kündigungsrate liegt laut Henker unter einem halben Prozent. Bei der Zahl der Kunden bleibt der Online-Banker indes im Ungefähren: „Deutlich über 10.000.“

In jedem Fall aber gehört Cashboard längst zu den führenden Unternehmen, die sich in der Berliner Start-up-Szene ausschließlich dem Finanz- und Versicherungsgeschäft widmen. Dabei ist gerade hier die Fintech-Konkurrenz besonders groß.

179 Fintech-Start-ups in Berlin

„Was Fintech-Gründungen angeht, ist Berlin ist im Vergleich zu anderen deutschen Städten in einer anderen Liga“, sagt Arno Walter, Chef der Commerzbank-Tochter und Direktbank Comdirect. Tatsächlich liegt Berlin mit 179 Fintech-Start-ups und zusammen 734 Millionen Euro, die seit 2012 in Berliner Finanz-Jungunternehmen geflossen sind, im Bundesvergleich weit vorn. Die Bankenmetropole Frankfurt am Main etwa beheimatet hat gerade einmal 58 Fintechs.

Der Comdirect-Studie zufolge hat die Zahl der Finanz-Start-ups vor allem im vergangenen Jahr mit über 150 Gründungen rasant zugenommen. 2016 habe sich der Boom deutlich abgeschwächt, weil auch große Banken und Technologiekonzerne in den Markt eingestiegen seien. Das sorge für Zurückhaltung bei Gründern. Dennoch ist das Potenzial digitaler Anwendungen für Zahlungen und Kredite, den Vertrieb von Versicherungen oder die Bewertung von Immobilien riesig. Das Bundesfinanzministerium prophezeit, dass das Marktvolumen der Finanz-Start-ups von zuletzt 2,2 Milliarden auf 58 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 steigt. Bis 2035 könnten es bis zu 148 Milliarden Euro werden.

Ziel: Global Player werden

Dass Cashboard davon einen gehörigen Anteil abbekommen will, lässt Chef Robert Henker außer Zweifel. Mit den gerade eingesammelten drei Millionen Euro will der Wirtschaftsinformatiker das internationale Geschäft vorantreiben. „Wir wollen von Local zum Global Player werden“, sagt der gebürtige Meißener. Im Firmensitz in der Invalidenstraße laufen bereits Einstellungsgespräche. Derzeit hat das Unternehmen etwa 30 Mitarbeiter. In einem Jahr sollen annähernd doppelt so viele an Bord sein.