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Berliner Verkehrsbetriebe: Busdirektor verlässt die BVG

Zuletzt nicht immer so schnell unterwegs.

Zuletzt nicht immer so schnell unterwegs.

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imago/Ralph Peters

Der größte städtische Busbetrieb in Deutschland sucht einen neuen Chef. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der bisherige Bereichsleiter Omnibus, Martin Koller, haben sich getrennt. „Im gegenseitigen Einvernehmen“, teilte Petra Reetz, die Sprecherin des Landesunternehmens, am Dienstag auf Anfrage mit. Warum der Busdirektor die BVG verlässt, wollte sie nicht sagen. Doch aus BVG-Kreisen war zu erfahren, dass andauernde Probleme im Busbereich dazu beigetragen haben. Probleme, die viele Fahrgäste betreffen – wie die Ausfälle von zahlreichen Fahrzeugen.

„Seit Längerem steht eine erhöhte Zahl von Bussen dem Verkehr nicht zur Verfügung“, berichtete ein Insider. So seien allein am Montag rund 240 Fahrzeuge nicht einsetzbar gewesen – das ist fast ein Fünftel der Flotte, die aus 1321 Bussen besteht. Normalerweise wird mit einer Reserve von 130 Bussen kalkuliert.

Weil es mehr „Stehenbleiber“ gibt, müssen Fahrgäste länger warten oder mit kleineren Bussen als gewohnt vorliebnehmen. Dabei sind die Busse ein wichtiger Teil des Berliner Nahverkehrs. 2014, so die jüngste Zahl, waren rund 400 Millionen Fahrgäste damit unterwegs.

Neueinstellungen und Sparkurs

Der Busdirektor habe sich bemüht, die Probleme zu lösen, hieß es. Mit Projekten wie „MIW – Modernisierung in den Werkstätten“ sollten Instandhaltung und Wartung verbessert werden. Zur Unterstützung heuerte die BVG Berater an, die viel Geld kosteten. Unter Koller wurde auch die Zahl der Mitarbeiter in den Buswerkstätten, die auf 400 zusammengestrichen worden war, wieder erhöht. Derzeit gibt es 570 Stellen.

Doch in vielen Bereichen wird weiterhin gespart, hieß es. „Es mangelt an vorbeugender Instandhaltung“, so ein Beobachter. Wenn die Probleme überhand zu nehmen drohen, werden zusätzliche externe Werkstattleistungen einkauft, was die BVG oft teuer zu stehen kommt.

Auch mit neuen Bussen gebe es Probleme, hieß es. So stießen Fahrzeuge des niederländischen Herstellers VDL bei Fahrern auf Kritik. Das Personal beschwerte sich über Ausdünstungen, die manche an den Geruch von Katzenurin erinnerten.

Hinzu kommt, dass das Betriebsklima nicht das beste ist. Der Busdirektor traf auf eine nicht minder selbstbewusst auftretende Belegschaft, die um den Wert ihrer Arbeit für Berlin weiß und in der die Gewerkschaft Verdi stark vertreten ist.

Manch eine Führungskraft verließ bereits den Busbereich. Jetzt ist der Chef an der Reihe. Koller ist allerdings nicht der erste Busdirektor, der bei der BVG seinen Stuhl räumt. 2010 musste Johannes Müller gehen. Müller sollte den Sparkurs des damaligen BVG-Chefs Andreas Sturmowski umsetzen und wurde dann von ihm für Ausfälle sowie a

Elektrobetrieb erneut eingestellt

Anderthalb Monate, nachdem Sigrid Evelyn Nikutta BVG-Chefin geworden war, übernahm Koller Mitte November 2010 den Busbereich. Der Bauingenieur kam aus Buxtehude, wo er beim Veolia Umweltservice Prokurist gewesen war. Nikutta stand meist auf seiner Seite, doch offenbar konnte sie das nicht länger durchhalten. Dem Vernehmen nach wird Torsten Mareck, bisher Dienststellenleiter bei der Straßenbahn, nun kommissarischer Busdirektor.

Ein Projekt, das Koller begleitet hat, kämpft ebenfalls mit Problemen. Der Elektrobusbetrieb auf der Linie 204, die den Bahnhof Zoo mit dem Südkreuz verbindet, musste erneut eingestellt werden. „Derzeit sind Dieselbusse im Einsatz“, sagte Reetz. Dem Vernehmen nach trafen sich Vertreter der Hersteller, die an dem E-Bus-Projekt beteiligt sind, am Dienstag zum Krisengespräch.

Der elektrische Betrieb der Linie 204, für den der Bund 4,1 Millionen Euro gezahlt hat, ist das größte Projekt im Berlin-Brandenburger „Schaufenster Elektromobilität“. Es soll zeigen, dass elektrische Fahrzeuge zukunftsfähig sind. Doch die vier Busse waren im Spätsommer nur wenige Tage im Einsatz. Weil zwei wegen technischer Probleme ausfielen, kam die Flotte in die Werkstatt. Ende November nahm sie den Verkehr wieder auf. Warum die E-Busse derzeit nicht fahren, ist unklar. „Vielleicht vertragen sie die Kälte nicht“, sagte ein Beobachter.