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Berliner Zeitung | Berlins Olympia-Bewerbung: Mit Pfannkuchen Olympia-Gegner überzeugen
16. February 2015
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Berlins Olympia-Bewerbung: Mit Pfannkuchen Olympia-Gegner überzeugen

Der Obsthändler nimmt die von Senator Heilmann angebotenen Pfannkuchen an, ist aber trotzdem gegen Olympia.

Der Obsthändler nimmt die von Senator Heilmann angebotenen Pfannkuchen an, ist aber trotzdem gegen Olympia.

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DPA/GREGOR FISCHER

Ausschwärmen sollten alle Senatoren hinaus in die Stadt und dort für die Olympia-Bewerbung Berlins werben. Mit dem Gesicht zum Volke! Diese Losung hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ausgegeben, und alle Senatoren dachten sich daraufhin etwas Feines aus.

Als besonders einfallsreich erwies sich wieder einmal Justizsenator und Werbeprofi Thomas Heilmann (CDU). Er ließ in der Lehrbäckerei der Justizvollzugsanstalt Tegel 300 Pfannkuchen backen und verteilte sie am Montagmittag in der Marheineke-Markthalle, also ausgerechnet im besonders widerständigen Kreuzberg.

Heilmann kommt denn auch mit einer Einsatzhundertschaft der Polizei in die Markthalle. Und trifft dort auf vielleicht 30 zumeist jugendliche Protestierer, die zwischen Feinkostladen und Käsetheke sofort losbrüllen: „Olympia nach Katar!“ oder „IOC zerschlagen!“. Ein Plakat warnt vor steigenden Mieten wegen Olympia. Tapfer lächelnd trägt Heilmann einen Korb voller Pfannkuchen – mit Erdbeermarmelade gefüllt, die olympischen Ringe in den Puderzucker gestanzt – vor sich her.

Doch von den Protestlern will natürlich niemand zugreifen. Stattdessen empfehlen sie Heilmann lautstark, in seine Villa zurückzukehren und schreien „Ausbeutung“, weil nämlich die Häftlinge in der Lehrbäckerei nicht den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten. Polizisten schauen sich nervös um. Den Ort habe er ausgewählt, weil er hier je nach Wetterlage ein Dach über dem Kopf habe und vielen Bürgern begegne, sagt Heilmann. Olympiastimmung kommt jedenfalls nicht auf. Selbst Obstverkäufer Harkan Daskiran, der eben noch lachend mit einem pro-olympischen Pfannkuchen in die Kameras gewinkt hat, outet sich auf Nachfrage als Gegner der Spiele in Berlin. „Es gibt so viele Arme in der Welt, da sollte das Geld eher hin“, sagt der 43-Jährige am Obststand. „Zum Beispiel nach Gaza.“

Schließlich finden sich doch noch zwei dunkel gekleidete junge Protestler, die mit Heilmann reden. Der eine sagt, dass die Polizei für Olympia sei, weil sie dann noch mehr Überwachungsgerät erhalte. Und die junge Frau spricht von Häftlingen, als billige Arbeitskräfte zur Produktion von Pfannkuchen gezwungen worden seien. Heilmann merkt an, dass die Jugendlichen im Gefängnis eine Lehre machen und dafür immerhin 10,50 Euro pro Tag zusätzlich erhalten. Eine ältere Passantin mischt sich ein und erklärt, dass diese Straftäter ja nicht umsonst im Knast seien.

Sind die Ringe auf den Pfannkuchen erlaubt?

Aber durfte Heilmann überhaupt die olympischen Ringe auf Berliner Pfannkuchen verwenden? Denn die Rechte an dem Ringe-Logo und auch an dem Begriff „Olympia“ hat das Internationale Olympische Komitee (IOC). Und das IOC achtet sehr darauf. Das hat jetzt gerade die Fluggesellschaft Air Berlin erfahren müssen. Erst am 5. Februar hat die Airline gemeinsam mit Michael Müller einen Airbus als fliegenden Olympia-Botschafter der Hauptstadt vorgestellt. Auf dem Flugzeug klebte das Logo, das auch den Schriftzug „Berlin für Olympia“ enthielt. Doch dieser Aufkleber muss wieder verschwinden, weil er das geschützte Wort „Olympia“ erhält. Das hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nun verfügt. Offizielle Begründung: Die Fluggesellschaft mache damit ja auch Werbung in eigener Sache, wie DOSB-Sprecher Christian Klaue bestätigte. Und das sei nicht zulässig. Bewerberstädte hingegen dürften das Wort und auch die Ringe verwenden, denn sie verfolgten damit keine kommerziellen Interessen.

Für offizielle Partner, wie etwa die Fluggesellschaft Lufthansa, gelten eigene Regeln. In Senatskreisen wird deshalb vermutet, dass in dieser Angelegenheit der Mitbewerber Lufthansa beim DOSB interveniert hat. Heilmann sieht am Montagmittag in der Marheinekehalle jedenfalls kein rechtliches Problem wegen der fünf Ringe auf den Pfannkuchen. „Wir haben kein kommerzielles Interesse“, sagt er. Im Kern gehe es darum, wie Völkerverständigung im 21. Jahrhundert aussehen könne, klärt Heilmann auf. Da sei das tolerante Berlin ein guter Gastgeber.

Nach einer knappen Stunde verlässt Heilmann die Markthalle wieder. Zurück bleiben etliche ungewollte Pfannkuchen, die Polizisten auf einem Stehtisch im Mittelgang platzieren. Passanten werden ermuntert zuzugreifen. Doch es dauert lange, bis das jemand tut. Dann endlich kommt eine Reisegruppe aus Dortmund des Weges und steckt sich eine Menge Pfannkuchen auf einmal ein.