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Besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg: Flüchtlinge sollen zum 31. Oktober ausziehen

Die ehemalige Schule in der Ohlauer Straße. Zurzeit leben hier noch 45 Menschen, die meisten haben keinerlei Aussicht auf einen langfristigen legalen Aufenthalt in Deutschland.

Die ehemalige Schule in der Ohlauer Straße. Zurzeit leben hier noch 45 Menschen, die meisten haben keinerlei Aussicht auf einen langfristigen legalen Aufenthalt in Deutschland.

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dpa

Berlin -

Die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule ist abgeriegelt, Security-Leute kontrollieren den Zugang. Außer den dort wohnenden Flüchtlingen darf niemand mehr das Haus betreten, seit das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg vor ein paar Tagen ein komplettes Besuchsverbot verhängt hatte.

Die Bewohner haben am Dienstag vor das Gebäude an der Ohlauer Straße geladen, nachdem das Bezirksamt sie wie bereits im September zum Auszug aufgefordert hat. Als Frist wurde ihnen der 31. Oktober schriftlich mitgeteilt, bestätigte Sascha Langenbach, der Sprecher des Bezirksamtes.

Doch die Flüchtlinge wollen nicht ausziehen und kündigen Widerstand an. „Wir kämpfen weiter“, sagte Turgay, einer der Bewohner. Unterstützt werden sie von einer Nachbarschaftsinitiative sowie Kulturschaffenden.

„Die Flüchtlinge haben sich die Schule erkämpft“, sagte der Intendant des Grips Theaters Stefan Fischer-Fels. Das Bezirksamt müsse mit ihnen wieder Gespräche über die Zukunft der Schule aufnehmen. „Es wird keine friedliche Lösung geben, ohne ihre Vorstellungen zu berücksichtigen und ihnen eine Perspektive zu bieten“, sagte Fischer-Fels. Jedoch sind es die Flüchtlinge, die nach Darstellung Langenbachs zurzeit Gespräche ablehnen.

Flüchtlinge sehen sich getäuscht

Bereits Ende Juni hatte das Bezirksamt die Bewohner aufgefordert, das Haus zu verlassen. Die meisten der rund 200 Flüchtlinge zogen aus, rund 45 Bewohner weigerten sich. Darauf hin kam es zu einem Polizeieinsatz, der über eine Woche lang dauerte. Am Ende einigte sich das Bezirksamt mit den verbliebenen Bewohnern, dass sie in einem Teil des Gebäudes bleiben können, währenddessen das Haus umgebaut werden sollte. Neben einer Unterkunft soll dort ein internationales Flüchtlingszentrum entstehen.

Die Bewohner fühlen sich getäuscht, da sie nun doch ausziehen sollen. Zudem wollen die potenziellen Träger, mit denen das Bezirksamt verhandelt, 140 Plätze errichten. Das ist den Flüchtlingen zu viel. Sie befürchten Zustände wie in einem Lager. Unter dieser Größe würden sich die Kosten nicht tragen, sagte Langenbach.

Er ließ offen, ob das Bezirksamt die Polizei mit der Räumung beauftragt, wenn die Bewohner nicht ausziehen. 15 von ihnen hätten eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis und könnten sich an das Sozialamt werden. „Den anderen Flüchtlingen haben wir Hostel-Gutscheine für einen Monat angeboten“, sagte Langenbach.