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Besucher- und Informationszentrum Bundestag Berlin: Unterirdisch bis zum Reichstag

Kontrolle im Container: Vor dem Reichstag werden die Besucher des Parlaments überprüft, das Gepäck wird wie auf dem Flughafen durchleuchtet.

Kontrolle im Container: Vor dem Reichstag werden die Besucher des Parlaments überprüft, das Gepäck wird wie auf dem Flughafen durchleuchtet.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Besucher des Reichstagsgebäudes und der Kuppel sollen künftig durch einen Tunnel bis vor das Parlamentsgebäude gelangen. Wie die Berliner Zeitung aus zuverlässiger Quelle erfuhr, haben sich Vertreter von Union und Sozialdemokraten darauf verständigt, das geplante Besucher- und Informationszentrum (BIZ) des Deutschen Bundestags am jetzigen Standort des Berlin Pavillons zu errichten.

Der Pavillon mit einem Souvenirshop und einem Café befindet sich südlich der Scheidemannstraße am Rand des Tiergartens. Von dort sollen die Besucher künftig nach einer Sicherheitskontrolle unter der Scheidemannstraße und dem Platz der Republik hindurch bis vor die Freitreppe des Reichstagsgebäudes gelangen. Die Bau- und Raumkommission des Bundestags soll am Mittwoch über den Vorschlag beraten.

Mit dem neuen Besucher- und Informationszentrum sollen die Kontrollen in den provisorischen Baracken am Rande des Platzes der Republik ein Ende finden. Diese waren nach Terrorwarnungen aus dem November 2010 nötig geworden, galten aber gestalterisch nur als Notlösung. In dem künftigen Besucherzentrum sollen nicht nur die Sicherheitskontrollen für die Besucher des Parlaments vorgenommen werden.

Der Bundestag will dort zugleich über die Arbeitsweise der Volksvertretung informieren. Als Standort für das BIZ war zunächst der Platz der Republik erwogen worden. Das Land Berlin wollte jedoch kein oberirdisches Gebäude in der Sichtachse auf den Reichstag errichten lassen. Ein unterirdischer Bau an dieser Stelle wäre jedoch sehr aufwendig und teuer geworden, weil in der Nähe zum Reichstag mehrere unterirdische Verkehrsbauwerke verlaufen. Aufgrund der hohen Kosten wurden die Pläne nicht weiter verfolgt.

Als zweite Variante wurde zwischenzeitlich ein Neubau zwischen dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags und dem Kanzleramt diskutiert. Dieser Standort, intern unter dem Namen Forum gehandelt, hätte die Chance geboten, den städtebaulichen Entwurf für das Band des Bundes im Parlaments- und Regierungsviertel zu vollenden.

Nach den preisgekrönten Plänen der Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank aus den 1990er-Jahren sollte auf der Freifläche zwischen Kanzleramt und Löbe-Haus ein Bürgerforum entstehen als Veranstaltungs- und Informationsort.

Nur eine Sicherheitskontrolle

Für das Besucherzentrum wäre der Standort Forum zwar deutlich preiswerter als die unterirdische Variante auf dem Platz der Republik gewesen, heißt es aus gut informierten Kreisen. Doch hätte es einen anderen gravierenden Nachteil gegeben: Die Besucher hätten durch zwei Sicherheitskontrollen hindurch gehen müssen. Durch die erste beim Betreten des BIZ, durch die zweite beim Besuch des Reichstags. Denn der steht mehr als 200 Meter vom Forum entfernt.

Die jetzt favorisierte Variante für den Bau des BIZ an der Scheidemannstraße war zunächst aufgrund von Bedenken des Landesdenkmalamtes nicht näher geprüft worden, heißt es. Überraschenderweise habe das Landesdenkmalamt aber zwischenzeitlich signalisiert, dass es ein oberirdisches BIZ an dieser Stelle doch für genehmigungsfähig hält. Daraufhin wurde das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gebeten, die neue Variante zu prüfen.

Ergebnis: Die Kosten für den Bau sollen zwischen den beiden bisherigen Varianten liegen. Nähere Angaben dazu liegen dieser Zeitung nicht vor. Den Vertretern von SPD und Union reichte es jedoch, um sich für die dritte Variante auszusprechen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung äußerte sich am Montag noch zurückhaltend zu dem Thema. Behördensprecherin Daniela Augenstein bestätigte nur, dass es Gespräche gebe.

Was mit dem Berlin Pavillon geschieht, ist unklar. Ob er erhalten bleibt, ist unwahrscheinlich.