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Betreiber macht Security für Gewalt in Berliner Flüchtlingsheim verantwortlich

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An der Treskowallee 8 leben derzeit 200 Menschen in einer Turnhalle.  Wachschützer sollen dort Menschen geschlagen und schwer verletzt haben.

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Berliner Zeitung

Wenige Tage nach einer Massenschlägerei in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Karlshorst hat der Betreiber schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitsunternehmen der Einrichtung erhoben. Bei der Auseinandersetzung sei die verbale und körperliche Gewalt nicht von den Flüchtlingen ausgegangen, sondern von der Nachtschicht des Sicherheitsunternehmens, teilte die Stiftung SozDia mit.

Bei der Auseinandersetzung waren am Donnerstag 40 Bewohner einer Turnhalle der Hochschule für Technik und Wirtschaft in der Treskowallee und Security-Leute aufeinander losgegangen, dabei wurde der Heimleiter schwer verletzt. Nach Polizeiangaben konnte der 32-Jährige noch nicht befragt werden. Die Berliner Polizei bestätigte, dass mehrere Anzeigen eingegangen seien, die Zeugenbefragungen und die Auswertungen von Videomaterial dauerten an.

Kritik am Einsatz von Sicherheitsunternehmen in Flüchtlingsheimen

Michael Heinisch, Gründer der Stiftung SozDia, hatte sich kurz nach der Wende als Vermittler zwischen linken und rechten Jugendlichen einen Namen gemacht. Er übte am Dienstag grundsätzliche Kritik am Einsatz von Sicherheitsunternehmen in Flüchtlingsheimen. „Wie sollen die Geflüchteten ein positives Bild von unserem demokratischen System erleben, wenn sie dauerhaft bewacht werden?“ Entweder müsse man Rolle und Selbstverständnis der Sicherheitsfirmen bei ihrem Einsatz in der Arbeit mit Geflüchteten neu definieren oder auf ein anders Hilfssystem zurückgreifen.

Bundesweit sind etwa 10.000 Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen zur Sicherung von Flüchtlingsheimen eingesetzt, die Mitarbeiter sind mehrheitlich junge Männer, viele von ihnen haben selbst einen migrantischen Hintergrund. In der Vergangenheit gab es immer wieder Meldungen über Provokationen und Gewalt.

Bundesverband fordert  strengere Regeln

Während die Berliner Sozialverwaltung personalrechtliche Konsequenzen forderte, zugleich aber von „Einzelfällen“ sprach, forderte der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) eine Überarbeitung bewachungsrechtlicher Vorschriften in Flüchtlingsunterkünften. Im Bundeswirtschaftsministerium wird zurzeit eine Veränderung im Gewerberecht vorbereitet, wonach Bewachungsunternehmer künftig einen Sachkundenachweis erbringen müssen.

Dem BDSW geht das nicht weit genug. Er fordert, die Auftragsvergabe in staatlicher Verantwortung zu regeln und nicht den Heimbetreibern selbst zu überlassen. Zudem müsse die Qualifikation von Wachschützern dringend verbessert werden. Bisher ist nur eine 40-Stunden-Fortbildung nötig.