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Bevölkerungsentwicklung: Berlin wächst und wächst und wächst

So alt sind die Einwohner in den Berliner Bezirken.

So alt sind die Einwohner in den Berliner Bezirken.

Berlin wird ein immer attraktiveres Ziel für Zuzügler. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mitteilte, ist die Zahl der Bürger mit Hauptwohnsitz in Berlin im vergangenen Jahr um zirka 47.800 gestiegen. Mit dem Zuwachs von 42 507 Personen im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Berliner damit in den vergangenen zwei Jahren um rund 90.000 erhöht. „Damit ist rechnerisch eine komplette Großstadt wie Cottbus nach Berlin gezogen“, sagte die Chefin des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), Maren Kern.

Etwa drei Viertel der neuen Berliner kamen aus dem Ausland. Besonders viele stammen aus dem Nachbarland Polen. Stark zugenommen hat aber auch der Zuzug aus den osteuropäischen Ländern Rumänien, Bulgarien und Ungarn. Auch der Zuzug aus Krisenländern war hoch. So stieg die Zahl der in Berlin gemeldeten Ägypter, Syrer, Afghanen und Libyern stark an.

Viele ziehen weg und melden sich nicht ab

Laut Melderegister lebten am 31. Dezember 2013 rund 3,5 Millionen Menschen in Berlin, teilte das Amt für Statistik mit – und stellte damit zugleich klar, dass diese Angabe nicht die tatsächliche Einwohnerzahl Berlins darstellt. Diese liegt laut der Bevölkerungsfortschreibung nach dem Zensus 2011 um etwa drei Prozent niedriger, also bei rund 3,4 Millionen.

Der Grund: Viele Ausländer melden sich nach einem Wegzug aus der Stadt nicht wieder ab und werden weiter als Berliner registriert. Die Zahl der Ausländer im Einwohnerregister liegt laut dem Amt für Statistik um zirka 19 Prozent über der offiziellen Bevölkerungsfortschreibung. Die Tendenz des starken Zuzugs in die Stadt werde aber durch die Daten aus dem Einwohnermelderegister zutreffend dargestellt, erklärte ein Mitarbeiter.

Von dem Einwohnerzuwachs im vergangenen Jahr profitierten alle Bezirke Berlins. Den größten Zuzug verbuchten Mitte mit einem Plus von 8 128 Menschen, gefolgt von Pankow (plus 6595 Personen) und Lichtenberg (plus 4353 Menschen). Die wenigsten neuen Berliner meldeten sich in Treptow-Köpenick (plus 2107 Personen) und Marzahn-Hellersdorf (plus 2347 Personen) an.

Die Zahl der Berliner ist in den vergangenen drei Jahren laut Einwohnerregister um rund 130.000 Personen gestiegen. Sie liegt damit jetzt schon deutlich über den Zahlen der aktuellen Bevölkerungsprognose. Selbst die Variante, die von dem größten Bevölkerungswachstum ausgeht, wurde durch die Realität inzwischen bereits überholt.

Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein, sagte, die aktuellen Zahlen zeigten, dass Berlin weiter wachse. Der Wohnungsneubau werde deswegen aktiv unterstützt.

Der starke Zuzug in die Stadt führt dazu, dass die Zahl freier Wohnungen weiter sinkt. Nach Angaben des BBU standen Ende 2012 nur noch rund 2,3 Prozent der Wohnungen der BBU-Mitgliedsunternehmen leer. Am niedrigsten war der Leerstand in Hohenschönhausen und Friedrichshain. Wohnungen, die nach einem Auszug frei werden, seien in der Regel schnell wieder vermietet, so der Verband.

Maren Kern vom BBU fordert deshalb: „Berlin braucht dringend mehr Wohnungen.“ Notwendig seien neue Unterkünfte vor allem in den stark gefragten Wohngebieten innerhalb des S-Bahn-Rings. „Hier wird aber nur dann in ausreichendem Umfang neu gebaut werden können, wenn es auch das hierzu notwendige Bauland gibt“, sagte Kern. Eine Anspielung darauf, dass die Grundstücke am Rand des Tempelhofer Feldes für den Wohnungsneubau benötigt werden.