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Bevölkerungsprognose: Berlin könnte bis 2020 Vier-Millionen-Metropole werden

Immer mehr Menschen zieht es nach Berlin.

Immer mehr Menschen zieht es nach Berlin.

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imago/Schöning

Die Senatoren und Fraktionschefs von SPD und CDU sind auf eine Sitzung bis spät in die Nacht eingestellt. Die Kleiderordnung ist leger, auf den Tischen stehen Schnittchen und Buletten bereit. Später soll es ein geselliges Abendessen geben. Es herrscht kein Zeitdruck, auch weil Senatschef Michael Müller (SPD) und Innensenator Frank Henkel (CDU) die Beschlüsse ihrer Klausur erst am Donnerstagmorgen verkünden wollen.

Prognose wurde wegen der Flüchtlinge überarbeitet

Damit es auch schon am Mittwoch etwas zu vermelden gibt, tritt am späten Nachmittag Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) vor die Presse und sagt ein paar Sätze zur neuen Bevölkerungsprognose. Sie sollte eigentlich im vergangenen Herbst vorgestellt werden. Wegen der Flüchtlinge hat Geisel das Zahlenwerk aber überarbeiten lassen. Nicht das amtliche, hier bleibt es weitgehend bei der schon bekannten Annahme, dass Berlin von knapp 3,6 (Ende 2014) auf gut 3,8 Millionen Einwohner im Jahr 2030 wachsen wird. Neu ist, dass die Fachleute sich nun ergänzend mit der Zuwanderung von Flüchtlingen befasst haben.

Wie viele Flüchtlinge bleiben in Berlin?

Das Problem dabei ist: Niemand kann im Moment seriös vorhersagen, ob der starke Zuzug anhält und wie viele Asylbewerber dauerhaft bleiben dürfen und dies auch wollen. Die Zahlen, die in dem Bericht stehen, scheinen aber nicht unrealistisch zu sein. Die Fachleute gehen in ihren Szenarien (siehe Grafik) davon aus, dass bis zum Jahr 2020 zwischen 94.000 und 174.000 Flüchtlinge in Berlin bleiben werden, inklusive Familiennachzug.

Rechnet man das Maximum zum „normalen“ Wachstum hinzu, würde die Zahl der Berliner innerhalb von fünf Jahren um insgesamt gut 360.000 steigen. Berlin würde nicht erst 2030 die Vier-Millionen-Grenze streifen, sondern bereits 2020. Also eine ganze Dekade früher. Was den Zeitpunkt angeht, bleibt Geisel aber vorsichtig. „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird Berlin höchstwahrscheinlich eine Vier-Millionen-Metropole“, sagt er.

"Masterplan" Integration

Das Wachstums-Szenario belegt eindrücklich, dass die Flüchtlinge für den Senat auf absehbare Zeit eines der beherrschenden Themen bleiben werden. Auch bei der Klausurtagung sollten sie natürlich im Mittelpunkt stehen. Die Koalitionsspitzen wollten dazu zwei Konzepte vereinbaren. Ein konkretes, dass zahlreiche eher kurzfristige Maßnahmen zur Unterbringung und Versorgung beinhaltet, sowie ein noch vages zur langfristigen Integration der Menschen. Mehrere Verwaltungen sollen den „Masterplan“ Integration bis März präzisieren.

Flüchtlinge sollen gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen

Geplant sind etwa weitere Verbesserungen am umstrittenen Landesamtes für Gesundheit uns Soziales (Lageso). Mit mehr Personal und einer neuen Software soll die Kapazität der Antragsbearbeitung so schnell wie möglich versechsfacht werden. Für das Lageso sucht der Senat zudem ein neues Dienstgebäude. Asylsuchende sollen für ihr Taschengeld, für die Kostenübernahme oder andere Anliegen nicht mehr zur Turmstraße gehen.

Flüchtlinge sollen in ihren Notunterkünften künftig auch arbeiten. Etwa indem sie unter Anleitung des jeweiligen Trägers dolmetschen, Essen ausgeben, putzen oder Reparaturen vornehmen. Zudem sollen sie gemeinnützige Tätigkeiten etwa in den Berliner Forsten oder im Spreepark aufnehmen dürfen. Auch will der Senat ein Sofortprogramm „Pionier-Wohnungsbau für Flüchtlinge“ für bis zu zehn Standorte auflegen.

Was wird aus dem zentralen Bürgeramt?

Die Idee von Innensenator Henkel, ein ergänzendes landeseigenes Bürgeramt einzurichten, wurde im Rahmen eines Kompromisses aufgegriffen. Die ohnehin geplanten bezirklichen Meldestellen für Flüchtlinge in den Registrierungszentren sollen demnach auch anderen Berlinern offen stehen. Dafür gibt es auch zusätzliches Personal.



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