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Bilanz 2015: Charité will Erstuntersuchungen von Flüchtlingen übernehmen

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Die Charité zieht Bilanz.

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imago/Schöning

Wenn die wichtigsten Funktionsträger eines Unternehmens gemeinsam auftreten, kann das entweder ein Indiz für ein riesiges Problem sein – oder es gilt, eine gute Nachricht zu verkünden. Die Führungsetage der Charité war am Montag angerückt, um gute Neuigkeiten zu verkünden. „Wir sind wieder positiv“, brachte es Karl Max Einhäupl auf den Punkt, Vorstandsvorsitzender von Berlins größtem und bekanntestem Klinikum. 3,7 Millionen Euro plus lautet die Bilanz des Universitätsklinikums für das Jahr 2015. Das ist seit 2011 das fünfte Plus in Folge. 2014 lag das Jahresergebnis bei 7,6 Millionen Euro, 2013 bei 36,3 Millionen Euro.

„2011 haben alle noch von einem Einmaleffekt gesprochen“, sagte Einhäupl. Das jetzige Ergebnis zeige, dass Prozesse konsolidiert wurden. Hervorhebenswert sei aber auch, dass das Land Berlin nach Jahren der Zurückhaltung wieder investiere in die universitäre Krankenhausmedizin. Bis 2019 erhält die Charité mehr als 400 Millionen Euro vom Land Berlin.

Dass es der Charité finanziell recht gut geht, ist keine Selbstverständlichkeit. „Universitätskliniken befinden sich in einer wirtschaftlich schwierigen Lage“, sagte Ulrich Frey, Ärztlicher Direktor der Charité. Das liege vor allem an der grundsätzlichen Art der Einrichtung: Sie seien Maximalversorger. „An den Uni-Kliniken landen immer auch die schwersten Fälle“, begründete Frey. Diese Fälle brächten hohe Kosten mit sich, hinzu komme der Kostenfaktor von Forschung und Lehre. Derzeit rechnen nach Angaben des Verbandes der Universitätsklinika Deutschlands nur zehn Prozent der Deutschlands Unikliniken mit einem positiven Jahresabschluss, 62 Prozent gehen von einem negativen Abschluss aus.

Lob für Engagement der Mitarbeiter

Einen Beitrag zum guten Jahresergebnis der Charité dürfte auch die Entscheidung des Landes Berlin geleistet haben, die Zahl der Betten nicht weiter zu reduzieren. An den vier Standorten – in Mitte, Buch, Wedding und am Campus Benjamin Franklin in Steglitz – stehen seit 2013 exakt 3 011 Betten zur Verfügung. 135 198 Menschen wurden dort im vergangenen Jahr stationär betreut, das waren rund 5 000 mehr als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Verweildauer betrug 5,82 Tage – 2011 waren es noch 6,41 Tage. 663 442 Menschen wurden 2015 ambulant behandelt, unter ihnen auch mehrere tausend Flüchtlinge.

Frey lobte ausdrücklich auch das hohe Engagement der 13 200 Mitarbeiter der Charité. Mitarbeiter hatten im vergangenen Jahr die Aktion „Charité hilft“ ins Leben gerufen und die ärztliche Betreuung von Flüchtlingen übernommen. An der Glockenturmstraße, Turmstraße und Bundesallee würden derzeit Arztpraxen für Flüchtlinge betrieben, ab März – also ab sofort – wolle die Charité in der Bundesallee die Erstuntersuchung aller Flüchtlinge übernehmen. „Das geht dann nicht mehr mit Freiwilligen“, sagte der Ärztliche Direktor. Dafür würden dann Mitarbeiter extra freigestellt.