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Berliner Zeitung | Bildhauerin: Walter Momper saß immer nur kurz Modell
09. December 2013
http://www.berliner-zeitung.de/3641054
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Bildhauerin: Walter Momper saß immer nur kurz Modell

Maja Smoltczyk vor der Büstengalerie im Obergeschoss des Parlaments.

Maja Smoltczyk vor der Büstengalerie im Obergeschoss des Parlaments.

Foto:

berliner zeitung/markus wächter

Maja Smoltczyk ist eine Frau mit vielen Talenten. Zwei davon hängen direkt mit dem Abgeordnetenhaus zusammen. Seit 1994 arbeitet die Juristin im Parlament, seit vielen Jahren schon betreut sie Ausschüsse, sorgt dafür, dass Abläufe korrekt eingehalten werden und Papiere vollständig vorliegen. Im Nebenberuf aber ist sie Bildhauerin. Am heutigen Dienstag wird in der Galerie von Büsten früherer Parlamentspräsidenten im dritten Stock des Hauses an der Niederkirchnerstraße jene von Walter Momper (SPD, Amtszeit von 2001 bis 2011) enthüllt. Geschaffen hat sie Maja Smoltczyk.

Wenn man Maja Smoltczyk fragt, wie hoch der Anteil der Juristin und der der Künstlerin in ihr ist, so sagt sie: „Ich verdiene mein Geld als Juristin – und bin nebenberuflich Bildhauerin.“ Eine durch langjährigen Privatunterricht sehr gut ausgebildete, wie sie betont. Bildhauerei betreibe sie seit ihrer Kindheit, sagt die in Berlin Geborene, nach dem Abi habe sie auch damit geliebäugelt, Kunst zu studieren. „Doch ich wollte nicht davon leben müssen“, sagt sie und entschied sich für den Brotberuf. So wie sie es sieht, ist sie mit dieser Aufteilung sogar unabhängiger als viele Profis, die oft Nebenjobs annehmen müssten. „Viele verbringen so viel Zeit beim Unterrichten, dass sie gar nicht so frei sind wie es klingt. Ich bin dagegen frei, das zu tun, was mir gefällt“, sagt sie. Maja Smoltczyk möchte absolut ernst genommen werden in dem, was sie in ihrer Freizeit tut. Wenn andere reisten, widme sie sich ihrer Kunst, sagt sie. Auf diese Weise sind etliche Werke entstanden, darunter 20 Porträts. „Da ist schon einiges zusammen gekommen“, sagt sie.

Fünf bis sechs Mal habe Walter Momper in ihrem Zehlendorfer Atelier, das sie ihrer Wohnung abgeknapst hat, ihr Porträt gesessen. „Doch leider immer etwas kurz. Er blieb selten länger als eine Stunde. Er ist ein vielbeschäftigter Mann“, sagt sie. Also hat sie viel anhand von Fotos arbeiten müssen, die sie von Momper gemacht hat.

Und der Lohn der Mühe? Das Honorar? Natürlich sei ihre Arbeit vergütet worden, sagt Smoltczyk, „nach dem festen Satz, der immer bezahlt wird“, sagt sie. Wie hoch der ist, mag sie nicht sagen.

Vielleicht kommen ja Aufträge und damit auch Einkünfte hinzu. So finden sich in der Galerie des Abgeordnetenhauses schon jetzt zahlreiche Büsten von Parlamentspräsidenten sowie einigen Politikern – eine davon, die von Herwig Haase, stammt sogar von Maja Smoltczyk. Doch es fehlen noch zwei: Kurt Landsberg (1957 bis 1958) und Willy Henneberg (1958 bis 1961, beide SPD). Um Henneberg ist ein Drama überliefert. Am 17. September 1961 brach der damals 63-Jährige während seiner Eröffnungsrede zu einer Sondersitzung tot zusammen.