blz_logo12,9
Berliner Zeitung | Bildung in Berlin: Bestnote für das John-Lennon-Gymnasium
26. March 2012
http://www.berliner-zeitung.de/10859502
©

Bildung in Berlin: Bestnote für das John-Lennon-Gymnasium

Aus Sicht der Schulinspektoren ist das John-Lennon-Gymnasium in Mitte eine Vorzeigeschule.

Aus Sicht der Schulinspektoren ist das John-Lennon-Gymnasium in Mitte eine Vorzeigeschule.

Foto:

Paulus Ponizak

Es gab Schulleiter, die partout verhindern wollten, dass die Berichte über ihre Schule veröffentlicht werden. Sie sind gescheitert. Die sogenannten Schulinspektionsberichte werden künftig auf der Homepage der Senatsbildungsverwaltung abrufbar sein. Damit kann jeder nachlesen, welche Schwächen und Stärken eine Schule hat, wie gut der Unterricht – und ihr Schulleiter ist.

Seit Jahresbeginn werden die aktuellen Berichte veröffentlicht, bereits 22 achtseitige Zusammenfassungen sind im Internet abrufbar. Wer sich vom mitunter bürokratischen Sprachstil nicht abschrecken lässt, kann nun nachlesen, welche Qualitätsunterschiede es innerhalb der Berliner Schullandschaft gibt.

Tolle Schülerzeitung

Höchstes Lob erhält im jüngsten Inspektionsbericht das John-Lennon-Gymnasium in Mitte. „Mit hohem persönlichem Engagement und einem zielgerichteten, konsequenten Führungsverhalten setzt sich der Schulleiter für die Umsetzung des hohen Leistungsanspruches ein“, heißt es dort. Die Lehrer würden den Unterricht „überwiegend anregend und motivierend gestalten, mit außerschulischen Partnern wie der Humboldt-Universität kooperieren. Die Schülerzeitung „Penny Lane“ sei mehrfach preisgekrönt worden, generell betreibe die Schule eine gute Öffentlichkeitsarbeit und pflege ihre Homepage.

Die Lehrer würden in Teams arbeiten, erhielten Rückmeldung vom Schulleiter. Die erweiterte Schulleitung werde in zeitlichen Abständen mit wechselnden Lehrern besetzt, so dass möglichst viele Verantwortung übernehmen. Fast überall erreicht das Lennon-Gymnasium die Bestnote „A“, auf einer Skala von „A“ bis „D“. Nur beim selbstständigen Lernen und der individuellen Förderung von Schülern schneidet die Schule schlecht ab, wie übrigens fast alle Berliner Schulen. Dabei soll nach Auffassung der Bildungsverwaltung gerade auf diesem Feld die Zukunft des Schulwesens liegen.

Schulleiter als Motor oder Bremsklotz

Die Schulinspektoren sehen oft im Schulleiter die zentrale Rolle, er kann als Motor oder als Bremsklotz einer guten Schulentwicklung wirken. Deshalb fällt der Inspektionsbericht der vor bald drei Jahren fusionierten Thüringen-Gemeinschaftsschule in Marzahn unerfreulich aus. Über den Schulleiter heißt es da kritisch: „Sein Beitrag zur Unterstützung des Kollegiums bei der Entwicklung zur Gemeinschaftsschule wird nicht deutlich.“ Er kümmere sich aber um Kontakte zu Betrieben und unternehme viele Klassenfahrten.

Heftig kritisiert wird das verpflichtende Ganztagsangebot dieser Schule, das „sowohl quantitativ als auch qualitativ kaum auf die Erwartungen der Jugendlichen abgestimmt“ ist. Auch an einer Grundschule in Hohenschönhausen wird die Schulleiterin kritisiert, weil sie weder Kollegium noch Schüler oder gar Eltern einbeziehe. Gelobt hingegen wird das „engagierte Schulleiterhandeln“ an der Bürgermeister-Herz-Grundschule in Kreuzberg. Dort finde systematisch Sprachförderung statt, das individualisierte Lernen zu Schulbeginn gelinge.

Kritik von Eltern

Immer wieder kritisieren Lehrer die Methoden der Inspekteure. Unterrichtsbesuche dauerten nur wenige Minuten, Interviewpartner vor Ort würden willkürlich ausgewählt. Die Schulinspekteure haben nun die Zahl der untersuchten Themenfelder von 24 auf 19 heruntergeschraubt, hinzu kommen zusätzliche Bewertungen je nach Schultyp. Leiter Axel Friede betont die systematische Arbeitsweise. „Wir befragen alle geraden Jahrgänge online“, sagte er. Von den Schülern antworteten 90 Prozent, bei Eltern seien es zwischen 20 und 50 Prozent.