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Berliner Zeitung | Bildung in Berlin: Noch mehr Schüler brauchen noch mehr Lehrer
04. June 2014
http://www.berliner-zeitung.de/1546254
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Bildung in Berlin: Noch mehr Schüler brauchen noch mehr Lehrer

Nun werden es doch wieder mehr Schüler in Berlin als erwartet - und die Lehrer fehlen.

Nun werden es doch wieder mehr Schüler in Berlin als erwartet - und die Lehrer fehlen.

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imago stock&people

Berlin hat seine Schülerzahlen und den Lehrerbedarf deutlich nach oben korrigiert. Nach der neuesten Schülerzahlprognose der Bildungsverwaltung, die der Berliner Zeitung vorliegt, wird die Anzahl der Schüler in den kommenden Jahren stetig steigen. Im Schuljahr 2021/22 ist dann mit 330.000 Schülern zu rechnen, das sind gut 5000 Kinder und Jugendliche mehr als noch vor einem Jahr vorhergesagt. Der Anstieg wird vor allem mit dem starken Zuzug nach Berlin begründet.

Umgerechnet sind das etwa 200 bisher nicht eingeplante Schulklassen, für die man nun noch mehr Räume und Schulgebäude benötigt. Schon jetzt werden verstärkt mobile Unterrichtsräume, also bessere Container, eingesetzt. Zur Orientierung: Die geringste Schülerzahl an öffentlichen Schulen hatte Berlin im Schuljahr 2012/13 erreicht, mit nur noch 289.000 Schülern.

800 Stellen werden vorzeitig frei

Noch dramatischer steigt nun in den kommenden Jahren der Bedarf an neuen Lehrern. Schon zum kommenden Schuljahr benötigt Berlin gut 1 082 Lehrer mehr als noch vor einem Jahr berechnet, nämlich genau 2673 Stellen. Auch in den Jahren darauf werden stets mindestens 1400 neue Lehrer benötigt (siehe Grafik). Besonderer Bedarf besteht für neue Lehrer in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften.

Allein durch die nun getroffene Altersermäßigung und zur Auflösung der Arbeitszeitkonten werden zum kommenden Schuljahr 800 Stellen vorzeitig frei, das kostet 56 Millionen Euro jährlich. Und das, obwohl sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bei den Verhandlungen um die Altersermäßigungen von Lehrern gegenüber Finanzsenator Ulrich Nußbaum nicht durchsetzen konnte. Hatte sie doch versprochen, dass alle Lehrer ab 58 Jahren weniger unterrichten müssen, zunächst eine Stunde, ab dem 61. Lebensjahr zwei Stunden.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie dem Senat nun Wortbruch vorgeworfen wird

Nun hat die Senatorin „Wortbruch“ begangen, wie es die GEW-Schulleitervereinigung am Mittwoch formulierte. Denn nach mehreren Chefgesprächen mit dem Finanzsenator musste sich Scheeres geschlagen geben. Für Teilzeitkräfte gilt die Neuregelung zum neuen Schuljahr nun nicht. Wer weniger als zwei Drittel arbeitet, kann ab dem 60. Lebensjahr höchstens eine Unterrichtsstunde weniger pro Woche arbeiten.

Wer weniger als eine halbe Stelle hat, kriegt gar nichts mehr. Schulleitungen sind davon ausgenommen. Auch die als Ausgleich für jahrelange Mehrarbeit angelegten Arbeitszeitkonten werden nun zu schlechteren Konditionen aufgelöst. Ältere Lehrer ab 58 Jahren dürfen für acht angesparte Tage künftig eine Stunde weniger unterrichten.

Scheeres wollte eigentlich, dass sieben Tage dafür reichen, Nußbaum wollte zunächst neun Tage. Dass die Anträge für die Einlösung dieser Konten noch bis zum 16. Juni eingereicht werden könne, gefährde die Organisation des kommenden Schuljahres, sagte Gunilla Neukirchen on der GEW-Schulleitervereinigung. Denn keiner weiß, wie viele davon Gebrauch machen.

Und zu alledem hat Innensenator Frank Henkel (CDU) seine Kollegin Scheeres noch hängen lassen: Die nötige Verordnung aus der Innenverwaltung lässt auf sich warten. Sie ist aber nötig, um das Besoldungsgesetz ändern zu können. Erst dann können ältere Lehrer auch freiwillig länger arbeiten und sich ihre angesparten Tage in bar auszahlen lassen. Laut Gesamtpersonalrat ist mit der Änderung frühestens im Herbst 2014 zu rechnen. „So lange Senatorin Scheeres die versprochene Arbeitszeitverordnung nicht vorlegt, sind ihre Versprechungen reine Luftnummern“, sagt Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger. Tatsächlich ist bemerkenswert, wie leichtfertig die Personalplanung für die Schulen läuft, ein Rundschreiben an die Schulleiter wird durch das nächste korrigiert. Hektisch wurden 3 300 Quereinsteiger-Bewerbungen eingeholt, die meisten wird man gar nicht brauchen.

Schon im vergangenen Jahr fielen an den Grundschulen 12 600 Unterrichtsstunden Sprachförderung aus oder auch geplanter Teilungsunterricht in kleineren Gruppen, weil die Lehrer als Vertretungskräfte eingesetzt werden mussten. Dies geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage von Remlinger hervor.

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