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Bildung: Mehr Geld für Brennpunkt-Schulen in Berlin

Eine Schule mit mehr 50 Prozent Kindern kann maximal 50.000 Euro zusätzliche Hilfe erhalten.

Eine Schule mit mehr 50 Prozent Kindern kann maximal 50.000 Euro zusätzliche Hilfe erhalten.

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dpa

Jede dritte Berliner Schule wird ab Februar 2014 zusätzliches Geld erhalten, um der dort vorherrschenden problematischen Schülerklientel besser gerecht werden zu können. Maximal 100.000 Euro gibt es pro Schule zusätzlich, kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch bei einer Veranstaltung in der Kreuzberger Carl-von-Ossietzky-Schule an und sprach von einem bundesweit einmaligen Programm. Kurioserweise demonstrierten gleichzeitig Schüler und Eltern auf dem Schulhof, weil sie fürchteten, der Schulsozialarbeiter würde aus Spargründen gehen müssen. Dies war aber bereits am Montag abgewendet worden.

Davon unbeirrt stellte Scheeres ihr Konzept vor: Insgesamt sollen 219 der 645 allgemeinbildenden staatlichen Berliner Schulen davon profitieren. Sie können mit dem Geld zusätzliche Sozialarbeiter oder eine Verwaltungskraft einstellen oder auch Kunst- und Theaterprojekte finanzieren, um die Schüler zu fördern. Die Schulleiter sind nun gefordert, Kooperationsverträge mit freien Trägern abzuschließen. Nach zwei Jahren wird geprüft, ob die Schule erfolgreich arbeitet. Ist das nicht der Fall, werden die Zuweisungen sukzessive gekürzt. Untersagt ist es, das Geld für zusätzliche Lehrerstellen oder für Baumaßnahmen zu verwenden.

Voraussetzung für die Förderung ist, dass mindestens die Hälfte der Schüler aus Familien kommt, die von der Lernmittelzuzahlung befreit sind. Das heißt: Die Eltern müssen nicht die sonst üblichen 100 Euro pro Jahr für Schulbücher aufbringen, weil sie Hartz IV oder andere Sozialtransfers erhalten.

So zum Beispiel an der Carl-Kraemer-Grundschule im Soldiner Kiez in Gesundbrunnen, laut Sozialatlas eine der ärmsten Gegenden Berlins. „Unsere Schüler kommen anders als die klassischen Mittelschichtskinder nur selten raus aus ihrer Gegend“, sagt die Schulleiterin Christine Frank. Deshalb fehle es den Schülern oft an Wissen über ihre Umwelt, worunter auch die Sprachfertigkeit leide. Die angesehene Schule versucht gegenzusteuern durch individuell angepassten Unterricht, sie holt Künstler in den Schulalltag und setzt auf naturwissenschaftliche Experimente. „Auch eine noch kontinuierlichere, verlässliche Arbeit mit den Eltern wäre wichtig“, sagt die Schulleiterin. Den Begriff Brennpunkt-Schule lehnt sie ab. Das klinge so dramatisch, als würde hier die Luft brennen, sagte Frank. Wegen solcher Bedenken heißt das Ganze offiziell nun Bonus-Programm. Die ausgewählten Schulen befinden sich in allen Bezirken, die meisten in Mitte und Neukölln. Meist sind es Grundschulen, aber auch Förder- oder Sekundarschulen. Nur wenige Gymnasien sind dabei, wie etwa das Koch- und das Hesse-Gymnasium in Kreuzberg.

Eine Schule mit mehr als 50 Prozent armer Kinder kann bis zu 50.000 Euro zusätzlich erhalten. Liegt sie in einem sozial besonders belasteten Gebiet (Aktionsraum plus), kann sie 62.500 Euro erreichen. Sind an einer Schule mehr als Dreiviertel aller Kinder arm, stehen maximal 100.000 Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind Kooperationszuschlag und ein Leistungsbonus. Den Kooperationszuschlag von 10.000 Euro erhält eine Schule, die mit externen Partnern kooperiert. Für Unruhe sorgt der Leistungsbonus. Dafür muss jede Schule eine Zielvereinbarung mit der Schulaufsicht abschließen. Es geht etwa darum, die Zahl der Schulabbrecher, der Schulschwänzer und der unentschuldigten Fehlstunden niedrig zu halten. Nach zwei Jahren werden die Ergebnisse überprüft. Das erscheint einigen Schulleitern als zu kurz.

Das Hilfsprogramm war von SPD-Fraktionschef Raed Saleh forciert worden. Er sorgte auch dafür, dass das übliche Kriterium „nichtdeutsche Herkunftssprache“ dabei keine Rolle spielt. Derzeit erhält eine Schule ab 40 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunft zusätzliche Lehrerstunden.


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