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Bildung und Schule: Einschulung in Berlin erst mit sechs

Noch voller Vorfreude: Erstklässler auf dem Weg zur Schule.

Noch voller Vorfreude: Erstklässler auf dem Weg zur Schule.

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dpa

Es gibt Hoffnung für Berliner Eltern, die ihre Kinder noch nicht mit gut fünfeinhalb Jahren einschulen wollen. Die Partei- und Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU haben sich nach Informationen der Berliner Zeitung in informellen Gesprächen darauf verständigt, die bisherige Praxis zu verändern.

Dabei ist ein neuer Einschulungstermin anvisiert worden: Auf Druck der CDU sollen nur noch Kinder eines Jahrgangs schulpflichtig werden, die bis zum 30. September geboren wurden, also fast alle sechs Jahre alt sind. Bisher gilt, dass alle Kinder eines Jahrgangs eingeschult werden, also alle, die bis zum 31. Dezember eines Jahres zur Welt kamen. Mit einer Frist bis Ende September hätte Berlin die gleiche Regelung wie in Brandenburg.

Änderung belastet Haushalt

Offiziell bestätigen will das noch keiner. Denn derzeit laufen in den „Chefgesprächen“ noch Verhandlungen zu anderen strittigen Themen etwa in der Stadtentwicklungspolitik. Man will ein Gesamtpaket von Lösungen vereinbaren, bevor Michael Müller (SPD) am 11. Dezember zum Regierenden Bürgermeister gewählt wird.

Ein Ende der Früheinschulung bringt weitere Belastungen für den Landeshaushalt mit sich. Berlin müsste für etwa 7500 Kinder, die dann erst ein Jahr später eingeschult würden, zusätzliche Kita-Plätze bereit halten. Dabei kommt die Bildungsverwaltung schon jetzt angesichts steigender Kinderzahlen kaum mit dem Ausbau der Kita-Kapazitäten hinterher. Die Kosten für einen neuen Kita-Platz beziffert die Senatsbildungsverwaltung mit 18.000 Euro.

Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte dem Koalitionspartner SPD bereits vor Monaten einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Demnach sollte die Schulpflicht sogar nur für Kinder gelten, die bis zum 31. Juli eines Jahres geboren wurden. Alle weiteren bis zum jeweiligen Jahresende geborenen Kinder würden dann nach Ermessen der Eltern eingeschult werden können, wenn sie keine Sprachdefizite haben. Eine solche Kann-Regelung bis zum Jahresende ist auch jetzt geplant.

Die Zahl der auf Elternwunsch zurückgestellten Berliner Kinder steigt jährlich an, zuletzt lag die Quote bei knapp 16 Prozent eines Jahrgangs.

Die Neuregelung könnte ab dem Schuljahr 2016/17 gelten, weil die Grundschulanmeldungen für das kommende Schuljahr bereits gelaufen sind. Die CDU-Fraktion will die Früheinschulung noch in dieser Wahlperiode korrigieren. Am Ende, so hatte es Fraktionschef Florian Graf wiederholt gesagt, sei es wichtig, dass die Eltern, die ihre Kinder am besten einschätzen können, das letzte Wort haben.