18.11.2011

Bildungsstreik: Zur Demo, statt zum Unterricht

Von Anne Vorbringer und Martin Klesmann
Auch in Berlin wurde gegen die Bildungsproblematik protestiert.
Auch in Berlin wurde gegen die Bildungsproblematik protestiert.
Foto: Imago
Berlin –  

Schüler, Studenten und linke Gruppen gehen auf die Straße um für bessere Bildung zu demonstrieren. Sie fordern mehr Investitionen von den Hochschulen. Schüler protestierten gegen Unterrichtsausfall.

Ihr Seminar hat Kathrin Fleischer am Donnerstag ausfallen lassen. Weil sie sich über ihre Studienbedingungen ärgert, ist sie mit 2.000 Schülern und Studenten auf die Straße gegangen, um für bessere Bildung zu demonstrieren. Zu den Protesten, die am Mittag vor dem Roten Rathaus starteten, hatte die Initiative „Bildungsstreik“ bundesweit aufgerufen. Die Demonstranten forderten bei Eiseskälte die Regierung auf, mehr Geld in Hochschulen zu investieren.

Pädagogikstudentin Fleischer hat auf ihren Studienplatz anderthalb Jahre warten müssen, weil ihre Abiturnote von 2,9 nicht reichte, um den Numerus Clausus zu schaffen. „Das ist vergeudete Lebenszeit“, sagte die 23-Jährige, die nun an der Evangelischen Hochschule untergekommen ist. Wie viele andere Demonstranten kritisierte sie die Verschulung von Studiengängen seit der Bologna-Reform. „Im Bachelor gibt es Stundenpläne wie in der Schule. Es bleibt kein Platz für zusätzliche Kurse und breitere Bildung.“ Daher hat die Studentin „Fließbandbildung“ auf ihr Transparent geschrieben.

Auch Schüler beteiligten sich an den Protesten

Die Allgemeinen Studierendenausschüsse der Universitäten forderten im Rahmen der Proteste Studienplätze für alle, die Abschaffung der Regelstudienzeit und ausfinanzierte Hochschulen, damit sich die Professoren um die Lehre kümmern könnten und sich nicht auf die Einwerbung von Drittmitteln konzentrieren müssten. Auch etliche Schüler ließen wegen der Demonstration ihren Unterricht ausfallen. „Die Eltern haben uns eine Entschuldigung geschrieben“, sagte der erst 12-jährige Erich Krüger, der gemeinsam mit anderen Siebtklässlern des Schliemann-Gymnasiums in Prenzlauer Berg gekommen war.„Bei uns fällt zu viel Unterricht aus“, pflichtet ihm Klassenkamerad Jason Merten bei. Zudem müsse das Schulgebäude renoviert werden.

Beteiligt an der Veranstaltung ist ein Sammelsurium linker Gruppen. Da ist die Initiative „Bildungsblockade einreißen“, die für Chancengleichheit und die Gemeinschaftsschule eintritt. Auch die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), die mit der DKP verbunden ist, spielt eine Rolle. Diese Gruppierungen wiederum liegen mit der trotzkistischen „Revolution“ über Kreuz, die nun ebenfalls ihre Fahnen schwang. Um das Ganze noch unüberschaubarer zu machen, beteiligten sich auch die seit Wochen streikenden Charité-Mitarbeiter an der Aktion.

Im Vorfeld der Bildungsproteste hatten rund 100 Studenten am Mittwoch an der Freien Universität (FU) in Dahlem ein Seminarzentrum besetzt und mit der Sitzblockade einen hürdenfreien Zugang zu Bildung gefordert. Gegen Mitternacht räumte die von der Uni-Leitung alarmierte Polizei den Hörsaal. Mehrere Demonstranten wurden hinausgetragen. Der AStA der FU nannte den Einsatz „völlig unverhältnismäßig“, da die Beamten „mit 13 Einsatzwagen und Hunden“ angerückt seien. Die Polizei sprach von einem „völlig friedlichen Einsatz“.

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