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BKA ermittelt mit Lehrern wegen Kinderpornografie: Neue Fahndungsmethode führt zu erster Festnahme

Das Bundeskriminalamt (BKA) bezieht die Berliner Lehrer bei ihren Ermittlungen unter Zuhilfenahme von Fotomaterial mit ein.

Das Bundeskriminalamt (BKA) bezieht die Berliner Lehrer bei ihren Ermittlungen unter Zuhilfenahme von Fotomaterial mit ein.

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dpa

Kurz vor den Herbstferien erhielten alle 800 allgemeinbildenden Schulen in Berlin Besuch von einem Polizisten der örtlichen Dienststelle. Der Polizist händigte dem Schulleiter eine Lichtbildmappe aus, darin sind auf mehreren Seiten zwei Kinder zu sehen, die beim sexuellen Missbrauch beziehungsweise beim Posieren gefilmt wurden.

Die Gesichter der Kinder sind klar zu erkennen. Der Mappe beigefügt sind auch Schreiben des Landeskriminalamtes (LKA) Berlin und von Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). Das Berliner LKA führe im Auftrag des Bundeskriminalamtes (BKA) Fahndungsmaßnahmen zur Identifizierung von Tätern und Opfern zu zwei kinderpornografischen Bildserien durch, heißt es dort.

Es handele sich um Opfer schweren sexuellen Missbrauchs. Bundesweit wird gefahndet. In Berlin ist es laut Bildungsverwaltung die erste umfassende Schulfahndung dieser Art, sie ist aufgrund der Strafprozessordnung möglich und soll dazu dienen, nicht auffindbare Missbrauchsopfer in den Schulen ausfindig zu machen. Nötig ist ein richterlicher Beschluss, der in diesem Fall von einem Richter im hessischen Gießen kam.

An mehreren Schulen hat der jeweilige Schulleiter die Lehrer noch am letzten Schultag vor den Herbstferien einzeln zu sich gerufen und ihnen die Bilder gezeigt. Andere Schulleiter werden die Bilder erst ab Montag nach Ferienende zeigen. Konkret geht es um Aufnahmen aus dem Jahr 2010, die ein damals 9 bis 11 Jahre altes Mädchen zeigen.

Festnahme in Oberösterreich

Es sei die einzige erfolgsversprechende Möglichkeit, einen mit hoher Wahrscheinlichkeit fortdauernden sexuellen Missbrauch zu beenden, heißt es in dem LKA-Schreiben. Andere Aufnahmen aus dem Jahr 2013 zeigen einen Jungen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte, konnte in diesem Fall bereits ein 49-jähriger Deutscher in Oberösterreich festgenommen werden. Ihm wird vorgeworfen, seinen 7-jährigen Sohn schwer sexuell missbraucht und Bilder seiner Tat über das Internet verbreitet zu haben.

Bevor Bildungsstaatssekretär Rackles die Fahndung mit einem begleitenden Schreiben unterstützte, hatte er Rücksprache mit Berlins oberstem Datenschützer Alexander Dix gehalten. „Das Vorgehen in diesem Fall ist behutsam und korrekt“, sagte Dix am Donnerstag auf Anfrage. Wichtig sei, dass die gezeigten Kinder klar als Opfer benannt werden, alles vertraulich sei und die Schulleiter die Lichtbildmappe nicht vervielfältige und schließlich vernichte.

Ermittlungen mit kanadischen Kollegen

So steht es im LKA-Schreiben an die Schulleiter. Man habe keine Fotos der Kinder an die Öffentlichkeit geben wollen, um diese nicht zu stigmatisieren. Schulleiter sollen auch keinesfalls Eltern oder Angehörige informieren, falls sie ein Kind wiedererkennen. Das sei womöglich Strafvereitelung, heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt, weiter.

Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt/Main teilte mit, dass die Bilddateien von einem amerikanischen Partnerdienst in Internetboards gefunden und dem BKA Ende 2013 zur Verfügung gestellt worden waren. Auffällig: Zu dieser Zeit waren Hunderte Personen wegen Verdachts, einem Kinderpornografie-Ring angehört zu haben, ins Visier kanadischer Ermittler geraten, auch in Deutschland. Laut Generalstaatsanwaltschaft habe man zunächst andere Ermittlungsmethoden versucht, die Schulfahndung sei die Ultima Ratio.