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Berliner Zeitung | BMW Guggenheim Lab in Prenzlauer Berg: Bau den Boxsack aus Teppichresten
17. June 2012
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BMW Guggenheim Lab in Prenzlauer Berg: Bau den Boxsack aus Teppichresten

Fit am Lab: Der Sportwissenschaftler Arne Schönwald baut jedes Wochenende mit Besuchern Fitnessgeräte aus einfachen und billigen Materialien.

Fit am Lab: Der Sportwissenschaftler Arne Schönwald baut jedes Wochenende mit Besuchern Fitnessgeräte aus einfachen und billigen Materialien.

Foto:

Paulus Ponizak

Berlin -

Sie wollten mal gucken, was man im Lab so treibe. Ursula und Peter Fenge stehen am Sonntagmittag vor dem BMW Guggenheim Lab in Prenzlauer Berg. Das Ehepaar aus Lankwitz gehört zu den ersten Besuchern, die am zweiten Tag auf den Pfefferberg in Prenzlauer Berg gekommen sind. Am ersten Wochenende waren es rund 2 000 Besucher, sagt die Kuratorin des Projekts, Maria Nicanor.

Ein bisschen diffus wirke das Programm, sagt Peter Fenge. Was ihn besonders stört: „Das soll ein Diskussionsforum sein. Doch wenn ich die Stadt verändern will, kann ich nicht alles nur auf Englisch anbieten.“ Ursula Fenge sagt: „Für Debatten reicht unser Schul-Englisch nicht.“

Doch Englisch bleibt die Arbeitssprache für das sechswöchige Programm mit Vorträgen, Workshops und Exkursionen. Studenten aus den USA basteln am Wochenende mit Kindern und Erwachsenen kleine Roboter und Murmelbahnen. Man kann Bilder malen, eine Lasermaschine brennt daraus Figuren. „Ich bin neugierig, ob die Leute hier auch diskutieren“, sagt eine Mutter, die mit ihren zwei Kindern am Basteltisch sitzt. Eine andere Frau sagt, das Programm hätte man in der Schulzeit anbieten sollen, diese Woche beginnen die Sommerferien. „Vor allem für Kinder ist es wichtig, sich mit der Zukunft der Stadt auseinanderzusetzen“, sagt sie.

Manche Besucher wirkten enttäuscht. „Darüber wurde nun also wochenlang so heftig diskutiert?“ sagt ein Mann, als er die 30 Meter lange Halle sieht, etwa 50 Besucher stehen dort.

Vielleicht waren die Erwartungen an das Lab viel zu hoch nach den heftigen Debatten über das Anliegen, den Sponsor BMW und den Standort. Kuratorin Maria Nicanor sagt, das mobile Labor sei ein Angebot zur Diskussion, wer will, könne sich beteiligen. Es sind Debatten in einem überschaubaren Kreis Interessierter, es gibt keinen großen Andrang. Zum Fitness-Bastel-Workshop des Sportwissenschaftlers Arne Schönwald, er baut etwa einen Boxsack aus Teppichresten, kamen am Sonnabendvormittag zwei Frauen aus der Nachbarschaft, Sonntag sind es fünf. An der ersten Radtour durch die Stadt beteiligten sich am Sonnabend 14 Leute. Als sich Sonntagmittag die mobile Universität vorstellt, hören etwa 20 Leute zu. Viele Besucher verlassen das Gelände nach einem Rundgang.

Andere kommen wieder. Etwa 50 Anwohner haben am Sonnabend erneut gegen das Projekt und sein Programm protestiert. „Viele Nachbarn müssen wegziehen, weil sie sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten können“, sagt Wenke Rottstock vom Anwohnerverein „Leute am Teute“. „Das sind die Themen, die uns interessieren, und nicht, wie man Kaffeebohnen mit Solarenergie röstet und Bananen zum Klingen bringt.“

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