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Speckgürtel: In Eberswalde und Brandenburg/Havel werden die Wohnungen knapp

Rudeboot Brandenburg Havel

Recht normales Verkehrsmittel in Brandenburg/Havel: das Ruderboot.

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picture alliance / dpa

Wohnungssuche kann so schön und einfach sein. Hier ein paar aktuelle Angebote: Vierzimmerwohnung mit zugehörigem Obstgarten in zentraler Lage, 85 Quadratmeter, 695 Euro kalt. Oder das hier: Loftartige Dreizimmerwohnung in einem alten Industriegebäude, 94 Quadratmeter, Kaltmiete 378 Euro. Und der Haken?

Wie man es nimmt. Von beiden Wohnungen erreicht man den Berliner Hauptbahnhof in weniger als einer Stunde. Aber beide liegen nicht in BerBerlins Vorortenern – sie gehören nicht mehr zum Speckgürtel, aber Berlin lässt sich relativ schnell erreichen. Noch führen sie als Vororte ein Schattendasein. Doch wenn das Preisgefälle zur Hauptstadt weiter wächst, könnte sich das ändern.

Viele Interessenten aus Berlin

In Eberswalde zumindest verzeichnet man eine verstärkte Nachfrage aus Berlin. „Ich mache 50 Prozent meiner Besichtigungen mit Kunden, die aus Berlin rausziehen wollen“, sagt Steffen Branding, Geschäftsführer der Immobilienagentur Chorona. Viele Neu-Berliner seien darunter. „Interessenten aus dem alten Bundesgebiet sind es oft gewohnt, über längere Strecken zu pendeln. Und die Landesgrenze spielt für sie eh keine Rolle.“ Zumal sich die Entfernung relativiert: Weniger als eine halbe Stunde fährt der Regionalexpress bis zum Gesundbrunnen. „Kürzlich hatte ich Kunden, die in Mitte arbeiten und vorher in Hohenschönhausen wohnten. Deren Fahrzeiten haben sich sogar verkürzt.“

Auch so ein Zugezogener: Löwe im Zoo von Eberswalde.

Auch so ein Zugezogener: Löwe im Zoo von Eberswalde.

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DPA/Patrick Pleul

Auch die Wanderungszahlen zeichnen ein klares Bild: 2015 zogen 355 Berliner nach Eberswalde. Überwiegend seien es jüngere Leute, ist Steffen Brandings Beobachtung, viele mit Kindern. Eberswalde bietet ihnen viele Annehmlichkeiten: Es gibt einen Zoo und den Familiengarten, eine relativ gute Versorgung mit Kitaplätzen, eine hübsche Umgebung – und dank der Studenten von der Fachhochschule auch ein wenig mehr buntes Leben als in anderen Kleinstädten.

Ganz ähnlich sieht es in Brandenburg/Havel aus. Der Makler Detlef Horn spürt, dass das Interesse wächst. Zum Beispiel hat er Wohnungen wie diese im Angebot: Vier Zimmer am Altstädtischen Markt, nur ein paar Schritte von der Havel entfernt, 131 Quadratmeter Wohnfläche, 860 Euro inklusive Nebenkosten. Die Anzeige hat er aber nach ein paar Tagen wieder aus dem Netz genommen. „Auf solche Angebote gibt es einen Riesenrun“, sagt er.

20 bis 30 Prozent der Interessenten kämen aus Berlin. „Inzwischen haben wir einen gewissen Mangel an größeren Wohnungen in der Innenstadt.“ Besonders attraktive, frisch sanierte Wohnungen würden inzwischen für 8 bis 9 Euro pro Quadratmeter vermietet.

Auch in der Statistik schlägt sich das erwachte Interesse der Berliner nieder. Erstmals ließen sich 2015 etwas mehr Menschen aus der Haupt- in der Havelstadt nieder als umgekehrt: 336 Zuzügen standen nach Angaben des Statistischen Landesamts 324 Fortzüge gegenüber.

Die Flächen werden knapp

Was Brandenburg/Havel von kleineren brandenburgischen Städten unterscheidet: Es gibt hier ein gewisses urbanes Leben mit Restaurants und Cafés, einem Theater. Dazu kommen Freizeitmöglichkeiten, wie sie kaum ein Berliner Bezirk bieten kann: Die Stadt ist zu drei Seiten von Wasser umgeben. „Wir sind eine lebendige Stadt und wollen bewusst attraktiv auch für Zuzügler sein“, sagt Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU). Ein wichtiger Baustein derzeit: die Bildungsangebote verbessern. Die Stadt schafft neue Plätze in Kitas, Schulen und Horten. Doch mittelfristig muss sich die Stadt noch mehr einfallen lassen, wenn die positive Entwicklung nicht abreißen soll. In der Innenstadt werden die Flächen knapp. Eine einzige größere Fläche gibt es noch im Zentrum: den alten Packhof, der bald bebaut werden soll. Für die Stadt sind der Zuzug und der Einwohnerzuwachs nach vielen Jahren der Schrumpfung ein wichtiger Baustein ihrer politischen Strategie: Schließlich kämpft Brandenburg/Havel zusammen mit Frankfurt (Oder) und Cottbus für den Erhalt der Kreisfreiheit.

Die Barnimer Kreisstadt steht vor der gleichen Frage wie Brandenburg an der Havel: Wo sollen in Zukunft Häuser für die Zuzügler entstehen? Nahe des Bahnhofs werden die Flächen allmählich knapp. Auch die Preise ziehen spürbar an, zeigen die Zahlen des Gutachterausschusses der Immobilienwirtschaft: Zwischen 2014 und 2015 ist die Zahl der Grundstücksgeschäfte nur minimal gestiegen, die Umsätze aber legten um 17,5 Prozent zu. Auch in der zweiten Reihe werden also allmählich die Plätze knapp.